— Brunsbüttel —

Elbefähre: Betreiber brechen ihr Schweigen

von Michael Behrendt Freitag, 13. Oktober 2017 18:35 Uhr


Brunsbüttel -

Nachdem die Geschäftsleitung der Elb-Link-Fährgesellschaft zuletzt abgetaucht war, gibt es nun erstmals ein offizielles Statement zu den Vorgängen der vergangenen Tage. Man wolle „die Öffentlichkeit so transparent wie möglich über die Hintergründe und Perspektiven informieren“, heißt es in einer von der Agentur Oldenburg Kommunikation veröffentlichten Pressemitteilung.

Zum Hintergrund der Entwicklung heißt es, der Motorschaden, auf Grund dessen der Fährbetrieb am Montag unterbrochen werden musste, sei mittlerweile behoben. Allerdings hätten die Eigentümer am Donnerstagabend die Fähre „Saaremaa“ (auf der Linie unterwegs als „Anne-Marie“) in die Werft nach Wewelsfleth beordert. 

Bestätigt wurden auch Berichte unserer Zeitung, wonach die Eigner-Gesellschaft bereits am Montagabend die Nutzung des Schiffs bis auf Weiteres untersagt habe – trotz einer früheren Vereinbarung, wonach der Fährbetrieb in dieser Form bis Mitte November zugesichert war, wie es in der Mitteilung heißt. Die Eigner hätten dieses unter anderem mit einer bisher nicht vorliegenden schriftlichen positiven Stellungnahme durch das Land begründet. 

„Dieser Schritt der Eigner-Gesellschaft ist umso bedauerlicher“, so Elb-Link-Geschäftsführer Bernd Bässmann „als seit der Übernahme der Fährroute im Mai sowohl die Auslastung der Fähre als auch die Rentabilität des Betriebs nachhaltig verbessert werden konnten. Zudem sieht das Management weiter erhebliches Potenzial zur Steigerung des Fahrgast- und Frachtaufkommens.“ Die Fährroute war erst im Sommer im Rahmen eines Management-Buy-outs als Interimslösung von der insolventen Vorgängergesellschaft übernommen worden. Seither habe Elb-Link rund 180.000 Fahrgäste, 58.000 Pkw und 7000 Frachteinheiten befördert.

Um die Fährlinie wieder aufnehmen zu können und in sicheres Fahrwasser zu steuern, würden in den derzeitigen Gesprächen zwei Perspektiven verfolgt: Einerseits kurzfristig mit Hilfe von finanzstarken Investoren und Unterstützung der Landesregierungen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen reibungslosen Weiterbetrieb zu schaffen; andererseits langfristig den Pendelverkehr über die Elbe mit zwei, gegebenenfalls kleineren Schiffen in kürzerem Takt zu organisieren und damit auch wirtschaftlich rentabler operieren zu können. „Das heutige Management von Elb-Link hat gezeigt, dass wir mit großem Engagement und gegen zähe Widerstände einen zuverlässigen und erfolgreichen Fährbetrieb etablieren konnten“, so Bässmann.

Elb-Link sorgt für Streit im Niedersachsen-Wahlkampf

Auf niedersächsischer Seite hat das Elb-Link-Drama derweil die Auseinandersetzung zwischen CDU und SPD im laufenden Wahlkampfendspurt befeuert. Laut einem Bericht der Cuxhavener Nachrichten bezeichnet der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Toepffer, die erneute Einstellung des Betriebs als „wenig überraschend“. Die SPD habe seinerzeit ein „Gefälligkeitsgutachten“ zur Wirtschaftlichkeit der Fähre bestellt und damit die Öffentlichkeit getäuscht. So sei Steuergeld verschwendet worden, weil Rot-Grün zwei Millionen Euro in die Modernisierung des Cuxhavener Fähranlegers investiert habe. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) konterte diesen Angriff als „nicht haltbare Unterstellung von Herrn Toepffer, die nur dem Wahlkampf geschuldet sein kann“.

Elb-Link hatte die Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Niedersachsen um Hilfe gebeten. Um langfristig schwarze Zahlen zu schreiben, sei die Linie nur mit finanzstarken Investoren oder öffentlicher Förderung in ein nachhaltig wirtschaftlich sicheres Fahrwasser zu steuern. Lösungen hierfür wurden jedoch bislang noch nicht gefunden. Die beiden Länder schließen eine Bezuschussung aus rechtlichen Gründen aus.





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