— Brunsbüttel —

Elbefähre droht erneut das Aus - Heute keine Abfahrten (aktualisiert)

von Michael Behrendt Dienstag, 10. Oktober 2017 13:37 Uhr


Brunsbüttel -

Alarmsignale von der Brücke der Elb-Link-Fährgesellschaft. Der Elbefähre Brunsbüttel-Cuxhaven droht erneut das Aus. Grund: Trotz gestiegener Frachtzahlen sei das Geschäft unrentabel. Doch entgegen erster Aussagen, der Fährbetrieb werde zunächst weiter aufrecht erhalten, liegt die „Anne-Marie“ derzeit in Brunsbüttel fest.

In der Nacht teilte Elb-Link mit, heute werde es keine Abfahrten geben. Das Unternehmen begründet dies mit einer „technischen Störung". Die „Anne-Marie“ liegt derzeit am Fähranleger - angeblich mit Maschinenschaden. Mitarbeiter seien aktuell an Bord, um den Schaden zu beheben, sagte eine Mitarbeiterin am - derzeit geschlossenen - Ticketschalter. Dort weist ein Zettel darauf hin, dass der Fährbetrieb „bis auf Weiteres“ ausfalle.

Am Dienstagnachmittag hieß es in einer Pressemitteilung, dass der Weiterbetrieb über den Spätherbst hinaus finanziell nicht darstellbar sei. Im Gespräch mit unserer Zeitung versicherte Geschäftsführer Bernd Bässmann jedoch, dass der aktuelle Fahrplan bis auf Weiteres Gültigkeit habe. Dem stehen Mitarbeiter-Aussagen von gestern Abend entgegen, nach denen der Betrieb bereits heute eingestellt werden soll. Eine offizielle Bestätigung war dazu zunächst nicht zu erhalten. In der Nacht veröffentlichte Elb-Link schließlich via Kurznachrichtendienst Twitter den Hinweis auf die am Dienstag geltende Fahrplanänderung. 

Zahlen reichten nicht aus

Zwar werde die Fährlinie seit der Wiederaufnahme im Mai diesen Jahres gut angenommen. Dennoch ist der Fortbestand der Linie bislang noch nicht gesichert, heißt es in einer Pressemitteilung der Gesellschaft. Die erreichten Zahlen reichten nicht aus für eine nachhaltige Fortführung, so das Fazit der Geschäftsführung.

Die Fährroute wurde erst im Mai im Rahmen eines sogenannten „Management buy out“ als Interimslösung von der insolventen Vorgängergesellschaft übernommen. Im Rahmen der Übernahme habe es nennenswerte Einschnitte und Verbesserungen gegeben, um die Rentabilität zu steigern: Neben einem verstärkten Marketing, einem neuen kundenfreundlichen Buchungssystem und kürzerer Fahrtzeit setzte die Elb-Link Fährgesellschaft auf eine Ein-Schiff-Strategie. Damit reduzierte sich zwar die Anzahl der Abfahrten, die Auslastung konnte jedoch erheblich gesteigert werden. So wurden von Ende Mai bis Ende September zum Beispiel rund 10.000 Fahrzeuge mehr transportiert als im gleichen Vorjahreszeitraum mit zwei Schiffen. 

Die erreichten Zahlen reichen dennoch nicht aus, um die Linie wirtschaftlich nachhaltig zu betreiben, so die Elb-Link-Geschäftsführung. Man sehe zwar erhebliches Potential zur Steigerung des Fahrgast- und Frachtaufkommens, dieses sei jedoch langfristig gesehen nur in einem regelmäßigen Pendelverkehr mit mindestens zwei gegebenenfalls auch kleineren Schiffseinheiten erfolgversprechend. Dafür reichen die derzeitigen Mittel der Interims-Gesellschaft nicht aus. 

Um langfristig schwarze Zahlen zu schreiben, sei die Linie nur mit finanzstarken Investoren oder öffentlicher Förderung in ein nachhaltig wirtschaftlich sicheres Fahrwasser zu steuern. Lösungen hierfür wurden jedoch bislang noch nicht gefunden. 

Vorrangiges Ziel für den Neustart der Linie sei zunächst die Erhaltung der Infrastruktur und der immerhin rund 50 Arbeitsplätze gewesen. Von öffentlicher Seite haben sich bisher die Wirtschaftsförderer der Stadt Brunsbüttel und Cuxhaven sowie die rot-grüne Landesregierung in Hannover für den Erhalt stark gemacht. Mittlerweile sei auch das Wirtschaftsministerium des Landes Schleswig-Holstein in das Thema eingebunden. Konkrete Ergebnisse hat es jedoch bis dato nicht gegeben. 

Seit der Wiedereröffnung Ende Mai haben rund 180.000 Fahrgäste, 58.000 Pkw und rund 7000 Frachteinheiten die Elbefähre in Anspruch genommen. Ob die Fährlinie über den Spätherbst hinaus Bestand haben wird, bleibt daher zunächst abzuwarten.





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