— Heide —

Wildschwein-Alarm in der Innenstadt (mit Videos)

von Michael Behrendt Freitag, 20. Oktober 2017 14:45 Uhr


Heide -

Zwei Wildschweine haben am Morgen für einen Großeinsatz in der Heider Innenstadt gesorgt: Fast vier Stunden lang herrschte Ausnahmezustand im Herzen der Kreisstadt. Die aggressiven Tiere griffen auf ihrem aggressiven Streifzug mehrere Menschen an. Vier Personen wurden durch Bisse zum Teil schwer verletzt.

Während ein Tier Richtung Stadtbrücke rannte, konnte das zweite an der Sparkasse eingekesselt werden. Gegen 11 Uhr wurde es von einem Jäger erlegt. 

Um 12.45 Uhr gab die Polizei Entwarnung und meldete den Wildschwein-Einsatz als abgeschlossen. „Das zweite - noch flüchtige - Schwein soll außerhalb des Stadtgebietes sein. Eine Gefahr wird zurzeit nicht mehr gesehen“, sagt Polizeisprecherin Merle Neufeld. Zuletzt war das Tier im Bereich Waldschlößchenstraße/Wasserturm gesehen worden.

Trotzdem sollte die Bevölkerung weiter aufmerksam sein. Die Polizei warnt generell davor, sich Wildschweinen zu nähern. „Sollten Wildschweine in bebauten Gebieten wahrgenommen werden, kann man über 110 die Polizei alarmieren.“

Erst zum Optiker, dann in die Bank

Zunächst drückte sich der Keiler bei einem Optiker am Markt durch eine geschlossene Glastür und richtete in dem Geschäft erhebliche Sachschäden an. Im Anschluss lief der Vierbeiner zur benachbarten Bank und griff auf dem Weg dorthin eine Passantin an. In den Räumen der Sparkasse erlitt ein Angestellter durch einen Angriff des Keilers nicht unerhebliche Verletzungen - vor dem Gebäude biss das aufgebrachte Tier einem Mann die Fingerkuppe ab. Insgesamt vier erwachsene Personen kamen ins Heider Krankenhaus - neben den körperlichen Schäden dürften sie sicherlich das Erlebte erst einmal zu verarbeiten haben.

Letztlich gelang es, den Keiler zwischen den Zugangstüren zur Bank und zwei Streifenwagen einzukesseln. Aus einem der Polizeifahrzeuge heraus erschoss ein Jäger gegen 11 Uhr dann das Tier, das sich vor dem Fahrzeug abgelegt hatte.

Spur des zweiten Wildschweins verlor sich

Wo das weibliche Wildschwein geblieben ist, ließ sich bis jetzt nicht klären. Zeugen sichteten es zur Mittagszeit zuletzt im Bereich des Wasserturmes, von dort verlor sich seine Spur.

Bei dem getöteten Wildschwein soll es sich um einen 70 Kilogramm schweren, so genannten bunten Keiler gehandelt. Das etwa zwei Jahre alte Tier könnte möglicherweise im Zuge der Maisernte aus einem Feld aufgescheucht worden sein.

Videos

Schwarzwildbestände nehmen zu

Die als Schwarzwild bezeichneten Wildschweine sind in Dithmarschen noch eher selten. Nach Angaben der Unteren Jagdbehörde beim Kreis Dithmarschen gab es im Jahr 2016/17 36 erlegte Tiere – die Mehrzahl werden durch Jäger, wenige Tiere aber auch im Straßenverkehr getötet. Damit ist die Zahl der Wildschweine im Vergleich zum Jagdjahr 2015/16 um sechs gestiegen. Ein Trend den die Untere Jagdbehörde seit 2012/2013 bei der Jagstrecke für Schwarzwild verzeichnet. 

Wildschweinnachweise in Dithmarschen gibt es laut dem Kreis vor allem entlang des Nord-Ostsee-Kanals sowie in der Eiderniederung. Allerdings sei Schwarzwild bereits auch in Nordhastedt und Süderholm gesichtet worden, heißt es. Dass Tiere in die Innenstadt wie gestern in Heide kommen, hält Torsten Zoch von der Kreisjägerschaft Dithmarschen Nord dennoch für ungewöhnlich. „In anderen Bundesländern oder auch in Berlin kommen die Tiere schon eher an die Stadtgrenze oder in städtische Bereiche“, sagt Zoch.

Im Vergleich zu Jagdstrecken an Schwarzwild im Land steht der Kreis Dithmarschen fast am untersten Ende der Skala. Laut dem Jahresbericht 2016 zur biologischen Vielfalt des Umweltministeriums in Kiel wurden im Jagdjahr 2015/2016 insgesamt 12556 Wildschweine erlegt – ein Anstieg zum Jagdjahr davor von 38 Prozent. Schwerpunkte liegen laut dem Bericht, der auch auf dem Landesportal www.schleswig-holstein.de zu finden ist, nach wie vor in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Plön, Segeberg und Stormann. Aber auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde sei mit 995 Tieren eine „beachtliche Strecke“ erzielt worden, heißt es in dem Bericht. Die Zunahme von Rot- und Schwarzwild – die auch als Schalenwild bezeichnet werden – alarmiert auch das Umweltministerium. „Die Regulierung der Schalenwildbestände und insbesondere eine Reduzierung überhöhter Bestände bleiben eine Daueraufgabe für die Jägerschaft“, sagt Umweltminister Robert Habeck (Grünen) im Vorwort zu dem Jahresbericht.

Medienresonanz

Die Wildschwein-Attacke von Heide - auch ein Medienereignis:





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