— Nachbarn—

Südbund Reinsbüttel im Freudentaumel

von Redaktion Freitag, 12. Januar 2018 13:41 Uhr


 

Von Ingo Schiefelbein

Wesselburenerkoog - Freudentaumel beim Boßelverein Südbund Reinsbüttel: In einem fast epischen Feldkampf wurde der Boßelverein Nordbund Norddeich mit drei Schott und zehn Metern besiegt. Damit schafften es die Reinsbütteler nach 54 Jahren mal wieder, gegen den Nordbund eine goldene Kugel zu gewinnen.

Norddeich war in den vergangenen Jahrzehnten meist überlegen und gewann in dieser Zeit vom Südbund beachtliche sieben goldene Kugeln. Aber dieses Mal standen die Vorzeichen anders. Reinsbüttel hatte fast alle Boßler an Bord, und auch die Unterstützung aus dem Dorf war überwältigend. Gefühlt war das halbe Dorf mit zum Wettkampfgelände nach Wesselburenerkoog gefahren. Bei Frost, Sonnenschein und Windstille herrschte Kaiserwetter, und Männer, Frauen und Kinder kamen in Scharen. Die Reinsbütteler trafen auf ein stattliches Norddeicher Aufgebot von 23 Boßlern. Reinsbüttel hätte sogar 27 einsetzen können. Es steckten aber gerne einige zurück und bildeten die Reserve. 

Das Duell begann mit jeweils vier Abwerfern. Für den Südbund stiegen Thomas Möller, Lukas Petsch, Tobias Gerbracht und Björn Hückstädt in den Ring und verließen ihn als klare Punktsieger. Sie zeigten keine Nerven und schleuderten die Kugel gerade und weit. Reinsbüttel lag etwa 50 Meter vorne, eine feine Grundlage für das, was noch kommen sollte. Die nächsten Würfe waren auf beiden Seiten nicht optimal, und der achte Norddeicher verriss seinen Wurf völlig. Dadurch hatte der Südbund das erste Schott in trockenen Tüchern. Die Betriebstemperatur der Reinsbütteler stieg weiter, als bei der Nummer 14 das zweite Schott fällig war. Aufgeschottet wurde ausgerechnet Debütant Melvin Friedrichsen, der sich weiter gedulden musste, seinen ersten Wurf für die Männer-Feldkampfmannschaft zu absolvieren. 

Spätestens jetzt lief es für den Südbund wie geschmiert. Reihenweise wurde die Boßel über die Fahne gepfeffert, wo um Bahnanweiser Tobias Gerbracht vom ersten bis zum letzten Wurf Lärm gemacht wurde. Als Mitte des zweiten Durchgangs das dritte Schott folgte, war der Drops gelutscht. Reinsbüttels Schlusswerfer Thommy Petersen beendete den Feldkampf unter großem Gejubel. Der historische Sieg war wieder einmal Produkt eines insgesamt starken Teams, aus dem keiner besonders herausragte. Senior der Mannschaft ist Jürgen Peters, mit Mitte 50 immer noch in Top-Verfassung. Die Jüngsten sind Tom Lukas Siegfried (14), Michel Möller (14) und Melvin Friedrichsen (15). 

Neben dem Erfolg gab es auch schöne Randgeschichten. So kam Melvin Friedrichsen im zweiten Durchgang zu seinem Debüt, explodierte förmlich und zeigte einen Wurf erster Kategorie. Boßler Tim Sagel war mal wieder aus dem Lüneburger Exil angereist und zeigte, dass er nichts verlernt hat. Und dann wäre da noch Thomas Möller, der seinen letzten Feldkampf im März 1995 für den Südbund bestritten hatte. Danach war seine Boßlerkarriere wegen eines Knieschadens beendet. Aber für dieses besondere Ereignis trat der damalige Boßel-EM-Teilnehmer noch einmal an. Und mit Kniemanschette, zwei Meter Anlauf und Drehung waren immer noch 50 Meter drin. Sagenhaft. Aber was gibt es auch Schöneres, als mit seinem Sohn in einer Mannschaft zu werfen.

Da so ein besonderer Sieg gebührend gefeiert werden muss, zogen alle anschließend mit dem Musikzug Weddingstedt und großem Dschingarassabum durch Norddeich. Die Feuerwehren Hellschen und Reinsbüttel sicherten den Umzug ab. Der Korso endete beim Vereinslokal der Norddeicher, dem Gasthof Block, wo sich beim letzten Stück des Musikzuges eine Polonaise bildete. Weiter ging es dann zum Dorfhaus nach Reinsbüttel, wo der Tag ganz gesittet seinen Ausklang fand.





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