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Jogi Löw und DFB kritisieren WM-Aufstockung

von DPA · 10. Januar 2017 · 16:00 Uhr

Hamburg (dpa) - Die FIFA hat allen Bedenken zum Trotz die WM-Erweiterung auf 48 Teams beschlossen. Ab 2026 werden 48 Teams an der Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen.

Statt der bislang acht Gruppen mit jeweils vier Teams wird es künftig in der Vorrunde 16 Gruppen mit je drei Mannschaften geben. Damit steigt die Gesamtzahl der WM-Spiele voraussichtlich von 64 auf 80 Partien. 2018 und 2022 findet die WM noch mit 32 Teams statt.

Die Deutsche Presse-Agentur hat Stimmen zu der Entscheidung des Fußball-Weltverbandes gesammelt:

Joachim Löw (Bundestrainer): «Ich finde das bisherige WM-Format mit 32 Mannschaften immer noch gut und kann aus rein sportlicher Sicht einer Aufstockung gar nichts abgewinnen. Für mich hat die EM 2016 in Frankreich (mit von 16 auf 24 erhöhter Teilnehmerzahl; Anm. d. Red.) nicht zu einer Steigerung der Qualität beigetragen, im Gegenteil. Da gab es viele zähe Spiele, bei denen sich Mannschaften vor dem eigenen Tor geradezu verschanzt haben. Der Fußball ist dadurch nicht attraktiver geworden. Man sollte das Rad nicht überdrehen.»

Reinhard Rauball (Ligapräsident): «Der deutsche Fußball ist bekanntlich im Vorfeld aus guten Gründen für eine andere Entscheidung eingetreten. Allerdings war dieses Votum des FIFA-Councils zu erwarten: Solange sich die großen europäischen Fußball-Nationen, ihre Verbände, Ligen und Clubs nicht auf eine gemeinsame Position verständigen können, ist auch die Meinung des Weltmeisters bedauerlicherweise nur eine unter vielen.»

Reinhard Grindel (DFB-Präsident): «Ich bin nicht glücklich mit dieser Entscheidung und hätte mir vor allem gewünscht, dass alle wichtigen Fragen zu Organisation und Modus komplett geklärt sind. Da der Beschluss aber im FIFA-Council einstimmig getroffen wurde, gilt es nun, ihn zu respektieren und den Blick nach vorn zu richten.»

Oliver Bierhoff (Nationalmannschaftsmanager): «Ich kann jeden verstehen, der die Aufstockung des Teilnehmerfeldes als eine Verwässerung empfindet. Auch für mich fühlen sich 48 Teams beim größten und wichtigsten Turnier der Welt zu viel an. Die Faszination einer Weltmeisterschaft liegt für die Fans und Zuschauer doch darin, die besten Mannschaften mit den großen Stars zu sehen, davon geht was verloren. (...) Wir müssen aufpassen, dass der Wert und der Kern des Fußballs erhalten bleiben und die Fans weiterhin spüren, dass es primär um den Fußball auf dem Platz geht.»

Uwe Seeler (Ehrenspielführer): «Ich halte das für völlig verkehrt. Ich finde das überhaupt nicht gut. Das Turnier wird zu langatmig. Es hat sich schon bei der EM mit 24 Mannschaften gezeigt: Die Qualität leidet. Aber wir können klagen, wie wir wollen. Damit müssen wir nun leben. Es ist Sache der FIFA.»

Michael Schade (Geschäftsführer Bayer Leverkusen): «Alle sind sich einig, dass der Terminkalender übervoll ist und die Belastung für die Spieler immer höher wird. Die Zeche werden die Vereine zahlen.»

Carlo Ancelotti (Trainer FC Bayern München): «Wir warten ab, was passiert. Generell bin ich gegen mehr Spiele, weil der Kalender schon so voll ist. Aber die FIFA sagt, dass sie die Zahl der Spiele nicht ändert. Wir werden abwarten und sehen, was passiert.»

Pal Dardai (Trainer Hertha BSC): «Das ist gut für die kleinen Teams, gut für Ungarn. Schwierig wird es für die Stars, die ohnehin schon viele Spiele haben. Schon bei der EM hat man gesehehen: Island und Wales haben davon profitiert. Für die Fans der kleinen Länder ist das ein Traum.»

Max Eberl (Manager Borussia Mönchengladbach):«Größer ist nicht besser. Ich halte dies nicht für eine gute Lösung, die WM wird verwässert. Wir bekommen nur mehr Masse, nicht mehr Klasse und das ist angesichts des ohnehin schon engen Spielplans für mich nicht verständlich.»

Vereinigung der Europäischen Fußball-Spitzenclubs (ECA): «Wir können den Wert nicht erkennen, das aktuelle Format mit 32 Mannschaften zu verändern, das sich aus allen Perspektiven als perfekte Formel erwiesen hat.»

Antonin Panenka (tschechische Fußball-Legende): «Das ist keine Weltmeisterschaft mehr - wenn fast die ganze Welt dabei ist, dann ist es keine Meisterschaft mehr. Es werden sich Mannschaften qualifizieren, die ohnehin nur die zweite Geige spielen - das verlängert nur die Agonie.»

Dragoslav Stepanovic (früherer Kult-Trainer von Eintracht Frankfurt): «Wer soll das denn alles angucken? Ich bin sogar für weniger als 32 Mannschaften. Am besten nur 24 - und die darf man dann öfter sehen. Nur die Allerbesten sollen zu einer WM.»

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