Landesbehörden ziehen ab
Beschlossen: Ämter für ländliche Räume in Heide und Husum werden verlegt
Von Stefan Carl
Heide – Erst vor gut einem Jahr ist das Amt für ländliche Räume ins Landesamt für Natur, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) integriert worden. „Die Außenstellen werden für die Kunden des Amtes eine gute Erreichbarkeit gewährleisten“, heißt es noch heute im Internetauftritt der Behörde. Doch davon kann in Heide sowie in Husum demnächst keine Rede mehr sein. Die örtlichen Behörden werden geschlossen, die Mitarbeiter versetzt.
Der Pressesprecher Martin Schmidt bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Husumer Außenstelle Ende 2010 verlegt wird. Für Heide sei die Sache noch nicht ganz entschieden.
Aus dem in Heide schon seit geraumer Zeit als Amt für leere Räume bezeichneten Behördenableger sind indes ganz andere Töne zu vernehmen. Laut Mitarbeitern habe es in der vergangenen Woche eine Personalversammlung gegeben. Tenor dabei: Heide werde definitiv geschlossen, die Mitarbeiter nach Itzehoe versetzt.
Die Bezeichnung Amt für leere Räume ist übrigens nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern dem Sarkasmus geschuldet. In Spitzenzeiten arbeiteten im Heider ALR an der Berliner Straße bis zu 250 Mitarbeiter – heute sind es noch 35.
Das Damokles-Schwert der Schließung hing schon seit geraumer Zeit über der Behörde. Gleichwohl sei die Stimmung momentan „nicht so besonders“. Mancher Mitarbeiter fühle sich vor den Kopf gestoßen. Die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund hatten schon vor Monaten geklagt, dass die Landesregierung auf Kosten der Kunden und der Bediensteten spare. Letztere müssten jährlich eine Million Kilometer Mehrwege in Kauf nehmen.
Das LLUR ist eine nachgeordnete Behörde des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Dessen Pressesprecher Christian Seyfert erklärte gestern, dass Husum zum 1. Januar 2011 nach Flensburg verlegt werde. „Für Heide ist lediglich eine Grundsatzentscheidung gefallen“, so Seyfert. Wie und wann genau die Schließung dort vonstatten gehe, darüber würden zurzeit noch Verhandlungen laufen. „So ist die genaue räumliche Situation in Itzehoe unklar, die Nachnutzung des Gebäudes in Heide ist offen, und es werden Gespräche mit den Mitarbeitern geführt.“
Bezüglich der Gewährleistung der guten Erreichbarkeit räumte Seyfert ein, dass die Schließung von den Kunden – überwiegend Landwirte – nicht unbedingt als Verbesserung bewertet werden dürfte. „Wir würden gerne in jeder Kreisstadt zumindest einen Mitarbeiter haben“, sagt Seyfert. Doch das sei nicht unbedingt im Sinne des Steuerzahlers. Zudem zwinge das Personaleinsparungskonzept des Landes dazu, Standorte, die jetzt schon klein sind und aufgrund von Abgängen noch kleiner werden, rechtzeitig zu schließen und frei werdende Stellen nicht neu zu besetzen. Für Heide sehe es so aus, dass von den 35 bis 38 Mitarbeitern knapp die Hälfte, 16 nämlich, bis 2025 in Rente gehen.
Zudem erhoffe sich das Ministerium Einsparungen durch die Schaffung größerer Einheiten an weniger Standorten. In Itzehoe sowie in Flensburg sollen jeweils 130 bis 140 Mitarbeiter beschäftigt werden.
Heides Bürgermeister Ulf Stecher zeigte sich gestern wenig erbaut über den drohenden Abzug von Arbeitsplätzen aus „seiner“ Stadt. „Es ist so schon Sünde, dass dieses gute Verwaltungsgebäude überwiegend leer steht. Die Stadt wird sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzen und Kontakt mit dem Ministerium aufnehmen“, so Stecher weiter.
Das Gebäude in Heide gehört dem Land. Zieht die Behörde aus, wird durch die Liegenschaftsverwaltung geprüft, „ob eine Nachnutzung durch das Land und dessen Behörden infrage kommt“, teilte Torsten Borchers, Pressesprecher des Finanzministeriums, mit. Falls es nicht zu einer Nachnutzung kommen sollte, würde ein Verkauf ins Auge gefasst.
10.03.2010

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