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Im Sommer schon den Winter im Kopf
Schnäppchen möglich: Viele Branchen bereiten sich jetzt auf das Geschäft in der kalten Jahreszeit vor
Von Stefan Carl
Heide – Wochenlang hat uns der Sommer sengende, schweißtreibende Hitze beschert. Gleichwohl müssen sich die Mitarbeiter vieler Branchen schon jetzt mit dem kalten Winter beschäftigen. Auch Verbraucher können sich nun auf die dunkle Jahreszeit einrichten und das eine oder andere Schnäppchen machen.
Eine Branche, an die man sofort im Sommer denkt, ist der Mineralölhandel. Schließlich kennt jeder, der mal in einem Haus mit Ölheizung gewohnt hat, die alte Faustregel: Getankt wird in den Monaten ohne R, also im Mai, Juni, Juli oder August.
„Das waren früher die billigsten Monate, und die Kunden haben dann blind gekauft“, sagt ein Dithmarscher Mineralölhändler. Doch das habe sich in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen geändert. „Erstens sind die Preise tendenziell gestiegen, und für manchen ist es zu teuer, 3000 Liter Heizöl auf einmal zu kaufen“, so der Händler weiter.
Zweitens spiele in diesem Sommer der vergangene lange Winter eine Rolle. „Wegen der langen Kälteperiode waren die Tanks früher leer, und manche Kunden haben deshalb ihre Bestellung vorgezogen.“
Der dritte und wichtigste Grund, der den Öleinkauf beeinflusse, seien börsentechnische Veränderungen. „Gemessen an Kalenderjahren haben wir jetzt drei, vier Jahre nacheinander erlebt, in denen wir im Winter die günstigsten Ölpreise gehabt haben, wesentlich günstiger sogar als im Sommer. Das merken die Kunden natürlich, und so wird das Sommergeschäft ebenfalls entzerrt.“
Ein wesentlicher Faktor, der den eigentlichen Ölpreis beeinflusst, sind die Wechselkurse. Seit Wochen und Monaten ist der Rohölpreis mit 70 bis 80 Dollar pro Barrel stabil gewesen. Doch bei den Wechselkursen schwächelte der Euro, das heißt, man bekommt weniger für sein Geld, auch als Ölhändler. „Seit drei Wochen bessert sich die Lage, und der Euro ist wieder stärker“, sagt der Ölhändler.
Eine Sache betont der Fachmann besonders: „Es rufen immer wieder Kunden an und wollen ihre Bestellung stornieren, weil der Preis mittlerweile gefallen ist. Das geht in unserer Branche aber nicht, da wir selbst tagesaktuell kaufen und verkaufen. Bei uns gilt der abgemachte Preis. Ist das Öl zum Liefertermin günstiger, hat der Kunde Pech, ist es teurer, hat er Glück gehabt.“
Nicht Glück, sondern im richtigen Moment zuzuschlagen, kann Autofahrern eine Menge Geld sparen. Und zwar dann, wenn sie jetzt schon wissen, dass im Winter neue Winterreifen anzuschaffen sind. Über den Daumen gepeilt fährt man mit diesen von O bis O – von Oktober bis Ostern.
Die Händler decken sich gerade mit der Winterware ein, wie Klaus-Dieter Stotzem bestätigt. „Wir haben am Montag die Bestellungen aufgegeben.“ Denn zurzeit seien Winterreifen deutlich günstiger einzukaufen, sagt der Experte. Stotzem hat zudem jetzt zugeschlagen, weil er davon ausgeht, dass Winterreifen in der nächsten Saison knapp werden.
„Der vergangene Winter war lang, und deshalb sind viele Winterreifen weggegangen und die Lagerbestände leer. Deshalb ist mit einem Engpass für die gängigen Größen zu rechnen“, so Stotzem.
Autofahrer, die wissen, dass ihr alter Winterreifensatz nicht mehr sicher genug ist, sollten ihre Wagen zeitig neu bereifen. Die mögliche Ersparnis liegt laut Stotzem aktuell zwischen 10 und 17 Prozent. Zudem kann man die Reifen jetzt kaufen, muss sie aber erst bezahlen, wenn sie aufgezogen werden. Wie heißt es da so schön: Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Auf Schnäppchenjagd ist übrigens auch die Heider Stadtverwaltung gegangen. Nachdem wegen des harten Winters das Streusalz ausgegangen ist, hat die Stadt vor zwei Wochen die Bestellung für die nächste Frostperiode aufgegeben. „Wir haben 500 Tonnen Streusalz zu einem sehr günstigen Preis geordert. Und der ist mittlerweile wieder gestiegen“, sagt der Leiter des Heider Stadtbauamtes, Rango Lorenz.
Privatleute müssen sich indes noch ein wenig gedulden, bevor sie sich mit dem salzigen Eistauer eindecken können. Wie Wolfgang Luckau, Marktleiter des Hagebaumarktes Bauzentrum Schröder, sagt, hat er zwar schon Streusalz und Schneeschieber bestellt. „Aber die kommen erst ab September in die Regale.“
Der Handel mit Holz und Brikett wurde dagegen in dieser Woche gestartet. Jetzt an das gemütlich lodernde Kaminfeuer zu denken, fällt zwar schwer. „Aber im Moment sind die Preise günstig“, so Luckau.
Zur Winterzeit gehören natürlich das Weihnachtsfest und der Jahreswechsel. Der Handel mit Lebkuchen, Schokomännern und Dekoration beginnt zwar erst im September, Oktober. Doch die Bestellungen sind größtenteils schon im April und Mai vorgenommen worden, berichtet Christine Hehl vom Heider E-Center Frauen. „Zum einen benötigen die Hersteller natürlich genügend Vorlauf, zum anderen haben wir kurz nach dem Wintergeschäft noch besser im Blick, was gut gelaufen ist und können dementsprechend genauere Bestellungen fürs nächste Jahr machen“, fügt sie hinzu.
Ingo Borgerding, Leiter des Kaufhauses Stolz in Heide, hat sich sogar weit vor dem Sommer mit Winterartikeln beschäftigt. „Weihnachtsdekoration haben wir im Februar und März gekauft.“ Geliefert werden Tannenzweige, Christbaumkugeln und Kerzenhalter allerdings erst im September und Oktober. „Diese Artikel werden alle in Übersee hergestellt und von dort im Juli verschifft“, sagt er.
Mit Raketen und Silvesterböllern darf zwar nur wenige Tage gehandelt werden, aber auch diese Artikel hat Borgerding schon vor Monaten gekauft. „Die Gespräche mit dem Hersteller führen wir im Februar. Der präsentiert dann seine Neuheiten, und wir legen die Liste der Dinge vor, die wir auf jeden Fall haben wollen, weil sie gut gelaufen sind“, erläutert er. Wie Dekoration wird auch das Knallzeugs in Übersee, in diesem Fall in China, produziert und in einer mehrmonatigen Schiffsreise von Asien nach Europa gekuttert. Aktuell beschäftigt sich Borgerding – passend zum Wetter – mit der Sommermode 2011. „Wir machen jetzt die Termine mit den Lieferanten ab und ordern zwischen Anfang August und Mitte September zum Beispiel Shorts und T-Shirts für den nächsten Sommer.“ Wenn es gut läuft, beschert uns dieser dann wieder sengende und schweißtreibende Hitze.
30.07.2010
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