Beißen auf Kommando
Beim Zoll müssen Karl-Heinz Dommes und sein Hund Olli fest zusammenhalten
Von Hengameh Habib
St. Michaelisdonn – Immer wieder ruft der Zollbeamte „Halt, stehen bleiben“, aber der Verdächtige ignoriert die Anweisung. Um ihn nicht davonkommen zu lassen, befiehlt der Beamte seinem Hund, den Mann zu stellen.
Binnen zwei Sekunden hat das Tier den Flüchtenden eingeholt und ihn gezwungen, stehen zu bleiben – durch einen Biss in den Arm. Auf Kommando seines Herrchens lässt das Tier sofort von dem Mann los.
Der blitzschnell reagierende Hund Olli ist Partner von Zollhundeführer Karl-Heinz Dommes. Den Verdächtigen spielt ein Kollege von Dommes, der sich für die Trainingseinheit einen Schutzanzug angezogen hat.
Seit sechs Jahren verbringt der 55-jährige Dommes seine Arbeitstage mit Olli, den er als Teil von sich empfindet. Der Grund liegt vermutlich in der intensiven Beziehung, die beide zueinander haben. Olli ist mehr als ein Partner, er ist – wie alle Vierbeiner beim Zoll – Mitglied in der Familie seines Herrchens. Wenn er aus seinem Dienst ausscheidet, bleibt er weiterhin bei seinem Herrchen, dann als Privathund.
„Ich fühle mich sicher, wenn Olli bei mir ist“, sagt Dommes. Selten komme sein tierischer Partner, der im Schutzdienst arbeitet, aktiv zum Einsatz. Dommes hat beobachtet, dass potenzielle Täter ruhig werden, wenn sie das Tier sehen. „Der Hund verhindert Schwierigkeiten.“
Dieser Tage sind Olli und Karl-Heinz Dommes sehr beschäftig. In der nächsten Woche findet der Wettkampf der Zollhunde der Bundesfinanzdirektion Nord statt. 14 Hunde aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und aus Teilen Niedersachsens kommen für zwei Tage in St. Michel zusammen.
Unter den Augen einer vierköpfigen Jury werden sie in verschiedenen Kategorien geprüft. Unter anderem müssen die Hunde nach Gegenständen suchen, Personenkontrollen mitmachen und Flüchtende einholen. „Dabei kommt es darauf an, dass der Hund den Befehlen gehorcht“, erklärt Zollhundlehrwart Gerhard Buchalla. Das ist gerade dann wichtig, wenn potenzielle Täter flüchten wollen.
Die Hunde beißen nicht willkürlich los. Bleibt jemand stehen, dann bleibt das Tier ebenfalls stehen und bellt, bis sein Herrchen ankommt, um den Verdächtigen festzunehmen.
Einmal jährlich findet der Wettkampf der Zollhunde an wechselnden Orten statt. Er dient als Motivation für die Hundeführer und – wenn sie als Sieger den Platz verlassen – als Bestätigung für die gute Arbeit. Bis die Hunde wie Olli so präzise reagieren können, wird jede Menge Arbeit investiert. Hunde, die für den Schutzdienst infrage kommen, sind überwiegend Belgische Schäferhunde (Malinois). Deutsche Schäferhunde, Riesenschnautzer und gelegentlich Herder. Sie werden in der Regel im Alter von einem Jahr gekauft. Dabei wird darauf geachtet, dass sie an keiner Muskelerkrankungen leiden, denn was sie leisten müssen, ist körperlich anstrengend.
„Wir kaufen die Hunde zunächst nur auf Probe“, sagt Thomas Gartsch, Pressesprecher des Hauptzollamtes Itzehoe. Ein Jahr lang werden die Vierbeiner ausgebildet, bis sie im Dienst eingesetzt werden können. „Die Ausbildung endet nie“, sagt Buchalla. Die Tiere werden regelmäßig trainiert, denn nach den Worten von Gartsch gelte es, zumindest das Niveau zu halten. Regelmäßige Übungen sind Pflicht.
Derweil ist Olli wieder mit einer Übung an der Reihe: Zwei Verdächtige stehen zunächst ganz ruhig. Doch dann werden sie laut. Einer von ihnen will Olli angreifen. Obwohl das Tier bedroht wird, beißt er nicht zu. Erst als der andere Verdächtige fliehen will, beißt der 8-jährige Olli. Auf Kommando lässt er wieder los und geht zu Karl-Heinz Dommes zurück. Genauso muss es auch während des Wettkampfes laufen.
Gibt es ein Ritual, irgendetwas Besonderes, das Dommes mit Olli macht, wenn ein Wettkampf ansteht? „Wenn ich mit ihm etwas machen würde, was ich sonst nicht tue, würde ich ihn nur verunsichern“, erklärt Dommes. Es müsse ein Tag wieder andere sein.
Der Hundewettkampf wird am Mittwoch 8. , und Donnerstag 9. September, auf dem Gelände des Hohencamp Camping (Hopen 55) ausgetragen. Los geht es jeweils um 8 Uhr. Zuschauer willkommen, Eintritt frei.
03.09.2010

Zurück
boyens-medien.de
Boyens Online - Dithmarscher Landeszeitung