- Gesundheit im Dialog -

Die 18 wichtigsten Fragen zur Pflegereform

28. Dezember 2016 · 12:34 Uhr

Wie hoch sind die neuen Leistungsbeträge?

Wie bisher werden die Leistungen der Pflegeversicherung unterteilt in Geld- und Sachleistungen für den ambulanten Bereich und Geldleistungen für den stationären Bereich.

Ist es einfacher, einen Pflegegrad als eine Pflegestufe zu bekommen?

Pflegebedürftigkeit besteht ab 1. Januar 2017 grundsätzlich ab Pflegegrad 1. Gegenüber den Voraussetzungen, die für die bisherige Pflegestufe I ausschlagegebend waren, sind für den Pflegegrad 1 vielfach geringere Beeinträchtigungen ausschlaggebend.

Mein Pflegeantrag wurde im Jahr 2016 abgelehnt, soll ich 2017 einen neuen Antrag stellen?

Ein Antrag auf Pflegeleistungen sollte dann gestellt werden, wenn es einen konkreten Hilfebedarf gibt. Hat sich die Pflegesituation verschlechtert und es besteht ein Bedarf an Hilfe, dann sollte auch ein Antrag gestellt werden.

Kann es passieren, dass ich künftig weniger Leistungen erhalte?

Jeder, der schon vor 2017 Leistungen der Pflegeversicherung erhalten hat, erhält mindestens die gleichen Leistungen auch ab 2017. In der überwiegenden Zahl der Fälle stehen den Pflegebedürftigen sogar mehr Leistungen zu.

Steigen die Beiträge zur Pflegeversicherung?

Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung wird zum 1. Januar 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent erhöht. Für Kinderlose steigt der Beitrag auf 2,8 Prozent.

Gibt es Besonderheiten für Pflegebedürftige mit Demenz, Depression oder anderen psychischen Krankheiten?

Bisher orientierte sich die Einstufung pflegebedürftiger Menschen vor allem an ihren körperlichen Defiziten. Dabei wurde die Einstufung in die drei Pflegestufen oftmals nicht dem tatsächlichen Pflegebedarf gerecht. Künftig werden körperliche, geistige und psychische Beeinträchtigungen gleichermaßen in die Beurteilung von Pflegebedürftigkeit einbezogen.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um einen Pflegegrad zu erhalten? Bei Pflegestufen waren es Minuten.

Statt der bisherigen drei Pflegestufen wird es fünf Pflegegrade geben, was eine differenzierte Einschätzung des benötigten Pflegeaufwandes ermöglicht. Die Pflegebedürftigkeit orientiert sich künftig nicht mehr an benötigten Pflegeminuten, sondern an den noch vorhandenen Fähigkeiten des Menschen - Maßstab für die Beurteilung ist damit der Grad der Selbstständigkeit. Außerdem werden bei der Begutachtung weitere Aspekte wie beispielsweise kommunikative Fähigkeiten oder die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte mit einbezogen.

Was passiert, wenn ich meinen Antrag 2016 gestellt habe, die Begutachtung aber erst 2017 erfolgt?

Anträge die 2016 gestellt wurden, werden nach dem alten Begutachtungsverfahren bearbeitet, auch wenn die Begutachtung erst 2017 stattfindet. Das Antragsdatum ist entscheidend dafür, ob die Begutachtung nach dem neuen oder alten System erfolgt.

Kann ich meinen Leistungsanspruch bei Neubegutachtung ab 2017 verlieren?

Für bisher bezogene Leistungen der Pflegeversicherung gilt der lebenslange Bestandsschutz. Eine Ausnahme gilt dann, wenn bei einer Begutachtung festgestellt wird, dass keine Pflegebedürftigkeit mehr vorliegt.

Werde ich neu begutachtet, wenn ich schon eine Pflegestufe habe?

Versicherte, bei denen bereits eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, werden nicht neu begutachtet, sondern automatisch in einen Pflegegrad übergeleitet.

In welchen Pflegegrad komme ich bei vorhandener Pflegestufe?

Pflegebedürftige mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen erhalten den jeweils nächsthöheren Pflegegrad. Beispielsweise erhalten Pflegebedürftige, die bisher Leistungen der Pflegestufe 1 bezogen haben, nach der Umstellung den Pflegegrad 2. Menschen mit geistigen Einschränkungen kommen automatisch in den übernächsten Pflegegrad. So wird beispielsweise ein Pflegebedürftiger mit der Pflegestufe 2 und einer eingeschränkten Alltagskompetenz in den Pflegegrad 4 übergeleitet.

Bekomme ich einen neuen Bescheid?

Die Pflegekassen informieren den Pflegebedürftigen über den neuen Pflegegrad. Durch diese automatische Überleitung wird ein zusätzlicher und somit unnötiger Aufwand für die Betroffenen vermieden.

Wird der Hilfebedarf besser abgebildet?

Bei der Begutachtung spielt es keine Rolle mehr, ob die jeweilige Aktivität tatsächlich zu bewältigen ist oder wie lange eine Hilfeleistung dauert; auch konkrete Bedingungen im Wohnumfeld sind unerheblich. Gradmesser der Pflegebedürftigkeit ist die Einschätzung, wie stark der Mensch in seiner Selbstständigkeit beeinträchtigt ist und damit auf pflegerische Hilfe durch andere Personen angewiesen ist.

Wird die Begutachtung künftig mehr Zeit in Anspruch nehmen?

Nein, hinsichtlich der Begutachtungsdauer wurde bei der Entwicklung des neuen Begutachtungsinstruments angestrebt, eine Begutachtung innerhalb von 60 Minuten zu ermöglichen. Die Erfahrungen in den Modellprojekten zeigen, dass das weitgehend gelungen ist.

Benötige ich Unterlagen von meinen Ärzten?

Wenn vorhanden, sollten die aktuellen Berichte vom Haus- oder Facharzt oder Entlassungsberichte vom Krankenhaus beziehungsweise Berichte nach einer Rehabilitationsmaßnahme zur Verfügung stehen. Falls es eine Übersicht über die Medikamente gibt, ist es sinnvoll diese ebenfalls vorzulegen.

Was passiert mit meinem Besitzstandsschutz, wenn ich das Pflegeheim wechsle?

Bei Wechsel der vollstationären Pflegeeinrichtung nach dem 1. Januar 2017 bleibt der Besitzstandsschutz erhalten, jedoch begrenzt auf die Höhe des Zuschlages, der vor dem Wechsel an die Einrichtung zu zahlen war. Ist der einrichtungseinheitliche Eigenanteil in der aufnehmenden Einrichtung niedriger als in der bisherigen Einrichtung, wird der Zuschlag entsprechend reduziert. Der Besitzstandsschutz besteht in Höhe des nunmehr reduzierten Zuschlages.

Habe ich finanzielle Nachteile in der stationären Pflege?

Die Pflegekasse übernimmt im Rahmen der pauschalen Leistungsbeträge die pflegebedingten Aufwendungen einschließlich der Aufwendungen für Betreuung und die Aufwendungen für Leistungen der medizinischen Behandlungspflege. Ab dem 1. Januar 2017 zahlen die Bewohner für die Pflegegrade 2 bis 5 einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil sowie die Entgelte für Unterkunft und Verpflegung und betriebsnotwendige Investitionskosten. Ergibt sich durch die formale Überleitung eine höhere Zuzahlung als im Dezember 2016, zahlt die Pflegekasse an die Pflegeeinrichtung einen Zuschlag in Höhe der Differenz.

Wie wird sich der Eigenanteil im Pflegeheim verändern?

Ab 1. Januar 2017 zahlen die Bewohner für die Pflegegrade 2 bis 5 einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (bisher individuell unterschiedlich je nach Pflegestufe). Zusätzlich sind vom Bewohner die Entgelte für Unterkunft und Verpflegung sowie betriebsnotwendige Investitionskosten zu zahlen.

Dieser Artikel stammt aus der gemeinsamen Serie "Gesundheit im Dialog" welche von der AOK Nordwest und Boyens Medien stammt. 

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