- Gesundheit im Dialog -

Lebe lieber unperfekt – Wie man den Alltag entspannt meistert

Heide – Job, Kinder, Beziehung und Haushalt wuppen – das ist ein Kraftakt, bei dem Eltern oft das Wichtigste vergessen: sich selbst. In Kooperation mit unserer Zeitung zeigt die AOK Nordwest, wie man sich selbst den Druck nehmen und Ansprüche her-unterfahren kann.

Die Hose will nicht, dass ich sie anziehe" brüllt der Jüngste. Kinder antreiben, Frühstück einpacken, im Laufschritt Unterlagen, Turnbeutel und Handy suchen. SMS einer Freundin: „Wir haben seit gestern Scharlach, ihr auch?" Bis der Computer auf der Arbeit hochfährt, ist es 8.30 Uhr und der Tag dem Gefühl nach bereits abgearbeitet. Dabei geht er jetzt erst los.

Mit Beruf und Kindern hat man wirklich zwei Jobs. Das ist viel und das ist anstrengend. Es hilft, diese Tatsache zu akzeptieren. Denn dann ist es berechtigt, müde zu sein oder genervt und sich Auszeiten zu nehmen. Fragt sich nur, wann. Der Tag ist ohnehin zu kurz und Hetze deshalb die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Hin und Her zwischen Excel-Listen, Einkaufswagen, Musikschule und Elterntreff. Es ist mühsam genug, das alles Tag für Tag zu organisieren und zu koordinieren. Kein Wunder, dass die Planung eigener Freiräume viel zu häufig untergeht. Der Abend zu zweit, das Telefonat mit dem alten Schulfreund, das Handballtraining: Der Alltag lehrt, dass nichts davon stattfindet, sofern es nicht als Termin im Familienkalender fixiert und mit Konsequenz umgesetzt wird. Ego-Trip? Von wegen. Es gibt einen gesunden Egoismus, der hilft, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Das hat viel mit Selbstschutz zu tun und tatsächlich auch mit Gesundheitsvorsorge. Spätestens, wenn der Körper Alarm schlägt, müssen Eltern ohnehin mehr Rücksicht auf sich nehmen.

Netzwerken entlastet

Schlafstörungen, Rückenschmerzen, oft unspezifisch krank - jedem Schichtarbeiter werden Pausen zugestanden. Eltern, die 24 Stunden auf Stand-by stehen, brauchen sie allemal. Tat-sächlich empfehlen Experten, sich kinderfreie Auszeiten zu gönnen, um Abstand und Energie zu gewinnen. Das lohnt sich. Denn eine geringere Alltagsbelastung der Eltern wirkt sich nachweislich auf die Gesundheit ihrer Kinder aus.

Besonders effektiv erweist sich ein stabiles Netzwerk aus Freunden und Verwandten, das einen für Notfälle wappnet. Je dichter es geknüpft ist, desto mehr reduzieren sich körperliche und psychische Stresssymptome beim Nachwuchs. Kein Wunder. Es sind Höllenqualen, beim Kunden festzusitzen und per WhatsApp niemanden aufzutun, der das Kind übernehmen kann, während es im Hort wartet.

„Du hast es gut, du kannst nach Hause", kommentieren die kinderlosen Kollegen den überstürzten Aufbruch. „Warum kommst du erst jetzt?" mault der müde Sohn im Hort. Und dabei war noch nicht mal Zeit, aufs Klo zu gehen.

Ansprüche runterfahren

Es ist nicht nur die Anerkennung, die fehlt. Es ist das Gefühl, keinem gerecht zu werden, schon gar nicht sich selbst, obwohl man alles dafür tut - was die Kraft sukzessive aus den Knochen zieht. Das Nervenkostüm wird dünner, pädagogische Aussetzer häufiger, das schlechte Gewissen wächst: Seine Kinder anzubrüllen, gefälligst mit dem Brüllen aufzuhören - eine stets liebevolle, souveräne und beruflich erfolgreiche Mutter klingt anders.

Sich an zu hohen Zielen zu orientieren, kann nur das Gefühl von Versagen hervorrufen. Es nimmt viel Druck, die eigenen Ansprüche herunterzufahren. Das gilt insbesondere für Frauen, die in ihrer Doppel- bis Dreifachfunktion stärker mit Selbstzweifeln kämpfen als Männer. Trotz des wachsenden Engagements der neuen Väter fühlen - laut Umfragen - Frauen die Haupt-last der Familienarbeit auf sich fokussiert. Zu Recht: Selbst als Führungskraft kümmern sie sich doppelt so viel um die Kinder und mehr um den Haushalt als ein Mann in vergleichbarer Position. Kann man das ändern? Ja, indem Männer es als selbstverständlich ansehen, ihren Teil beizutragen - und Frauen die Hilfe zur Not einfordern. Das bedeutet aber auch, dass sie akzeptieren, wenn er die Wäsche anders auf die Leine hängt oder bei ihm das Zubettbringen der Kinder immer in einer wilden Toberei endet.

Einmal grundsätzlich die Aufgaben gerecht zu verteilen, statt jeden Tag aufs Neue zu verhandeln, spart Kraft und Nerven. Und da Aufgaben mehr Energie kosten, je unangenehmer sie sind, sollte die Ausgangsfrage positiv lauten: „Wer mag was lieber?" Am Ende wird das Ergebnis schriftlich festgehalten, damit es keinen Raum für Interpretationen gibt. Mit dieser Technik lassen sich übrigens auch die Sprösslinge ins Boot holen, die altersgerechte Aufgaben im Haushalt übernehmen können und sollen. Das macht sie nur selbstständiger.

Ein Artikel aus der Serie "Gesundheit im Dialog" von der AOK Nordwest und Boyens Medien.

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