Wenn aus irgendwie „iwie“ wird
Jugendliche haben für das Internet eine eigene Sprache entwickelt
Büsum
(rd) An unserem Projekt Schule macht Zeitung hat sich auch die Klasse 10a des Büsumer Nordsee-Gymnasiums beteiligt. In loser Folge veröffentlichen wir die Berichte, die die Schüler dabei verfasst haben. Heute beschäftigt sich
Anna Gessert
mit dem Chatten:
„Eine kurze Aufklärung über das Chatten heute: Wenn die Leute von Chatten sprechen, dann meinen sie die Kommunikation in verschiedenen dafür vorgesehenen Plattformen im Internet, zum Beispiel Schülervz, Studivz und Icq.
Eine Befragung ergab, dass Kinder und Jugendliche immer früher anfangen zu chatten, beziehungsweise anfangen, im Internet zu surfen. Die Kommunikationsmöglichkeit wird von der Altersgruppe 10 bis 18 Jahre am häufigsten benutzt. Die Jugendlichen nutzen diese Art von Unterhaltung fast täglich für mehrere Stunden. Ebenfalls wurde durch die Umfrage verdeutlicht, dass die Jugendlichen chatten, um sich die Zeit zu vertreiben, sich mit Freunden aus aller Welt zu unterhalten und hauptsächlich, um sich zu verständigen.
Die Kinder und Jugendlichen, die sich fast täglich im Chat aufhalten, entwickeln mit der Zeit eine eigene Chatsprache. Zum einen kürzen sie Wörter ab (zum Beispiel irgendwie mit iwie und hoffentlich mit hfftl) und zum anderen übertragen sie manche Wörter aus dem Englischen ins Deutsche. Ein Beispiel dafür ist „chillen“, welches die Jugendlichen im Zusammenhang mit entspannen und ruhig bleiben, etwas locker sehen benutzen.
Die jüngeren Kinder, die Zehn- und Elfjährigen, fangen an, bestimmte Buchstaben klein oder groß zu schreiben, mitten im Wort ist dann ein großer Buchstabe, ab und an kommt auch ein Buchstabe doppelt vor: thaatZzZz meEee heißt that’s me – das bin ich.
Doch kommt bei der Art von Veränderung nicht die Frage auf, weshalb die Kinder so schreiben? In einem Interview auf diese Frage antwortete ein zwölfjähriges Mädchen: „Ich finde es langweilig, wenn man normales Deutsch schreibt, es sieht so doch viel gepimpter aus.“ Wobei das Wort gepimpt soviel heißen soll wie anders, einfach abgehoben von der normalen deutschen Sprache.
Hinzu kommt, dass 14- bis 16-Jährige aussagten, dass man mit dem Alter wieder vernünftiger schreibt. Aber wie denn vernünftiger? Ein 15-jähriges Mädchen gab auf die Frage, was damit gemeint sei, folgende Antwort: „Je älter man wird, desto vernünftiger schreibt man wieder und mit vernünftig meine ich, dass man wieder mehr auf die Rechtschreibung und Kommasetzung achtet. Es ist mir sogar peinlich, wenn ich im Internet Rechtschreibfehler mache, ich muss sie dann automatisch korrigieren.“
Jedoch empfinden 10- und 13-Jährige die gepimpte Schreibweise als wesentlich cooler. Ein 11-jähriger Junge gab preis, dass man viel schneller tippen könne, wenn man nicht jedes Wort richtig ausschreibt. Er nannte Beispiele, welche Wörter er am häufigsten kürzen würde: „Ich schreibe sehr häufig bb anstatt bye (tschüß), oder das Wort zusammen kürze ich auf zsm.“
Ein 16-jähriges Mädchen nannte einen Grund, weshalb es im Chat auf Rechtschreibung achtet: „Ich habe auch mal viel abgekürzt, zum Beispiel bei Verben das e weggelassen wie bei laufn, aber dann habe ich gemerkt, dass ich in der Schule ebenfalls anfing so zu schreiben, und ich wollte mir nicht meine eigentlich gute Rechtschreibung durch das Schreiben im Chat verderben.“
Die Chatsprache ändert sich also mit dem Alter – denn umso älter man wird, desto mehr achtet man wieder auf die Richtigkeit seiner Schreibweise. Den Kindern und Jugendlichen geht es meist nicht darum, wie sie miteinander schreiben, sondern darum, dass sie sich gegenseitig verstehen.

06. Januar 2010