Die erfolgreichen Frauen des HSV
Kim Kulig ist eines der jungen Talente
Von Imke Richter
Büsum – Es ist einer dieser typisch nasskalten Herbsttage. In einer Dreiviertelstunde wird das Fußball-Bundesligaspiel Hamburger SV gegen den SC Freiburg angepfiffen. Wir befinden uns aber nicht in der Arena, sondern drei Kilometer entfernt im Wolfgang-Meyer-Stadion in der Hagenbeckstraße. In dieser Bezirkssportanlage spielen die Frauen des HSV.
Einige Fans stehen am Imbisswagen und wärmen sich mit Kaffee oder Glühwein. Die Spielerinnen des HSV gehen an ihnen vorbei und sagen kurz „hallo“. Einige werden auch per Handschlag begrüßt. Die familiäre Atmosphäre des Frauenfußballs ist gut erkennbar. Hohe Trennzäune und Polizei gibt es hier nicht.
Auch Kim Kulig ist dabei, trägt allerdings normale Kleidung und sieht traurig aus. Sie hat sich im letzten Spiel einen Bänderriss zugezogen. Kim Kulig ist 19 Jahre alt und wechselte im Sommer 2008 vom Zweitligaclub VfL Sindelfingen zum HSV in die 1. Frauenfußballliga.
Inzwischen ist sie eine der wichtigsten Spielerinnen beim HSV. Sie errang Ende 2008 mit der U-20 Auswahl den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft in Chile. Am 25. Februar 2009 schaffte sie sogar den Sprung in die A-Nationalmannschaft, mit der sie am 10. September in Finnland Europameisterin wurde. Das Finale gewann Deutschland mit 6:2 gegen England und Kim schoss das 3:1. Bis jetzt bestritt sie 14 A-Länderspiele und erzielte drei Tore.
Kim wohnt nach dem Vereinswechsel ihrer Mitbewohnerin allein in der Nähe des Trainingsgeländes in Norderstedt und ist Schülerin des Gymnasiums Heidberg in Hamburg. Aufgrund des Schulwechsels hatte sie vorsichtshalber das elfte Schuljahr wiederholt. „Nach der Schule weiß ich noch nicht, ob ich studieren werde, wenn ja, dann wird es in Richtung Sport gehen“. Erst mal möchte ich mich voll auf den Sport konzentrieren, denn die WM 2011 in Deutschland ist mein Ziel und das steht im Moment im Mittelpunkt“, sagt Kim.
Ihr Heimatort liegt in Baden-Württemberg, etwa 50 Kilometer südwestlich von Stuttgart, wo sie mit acht Jahren das Fußballspielen begann. Es war nicht leicht für Kim, mit gerade 18 Jahren ihre Heimat und ihr Elternhaus zu verlassen. „Am Anfang war es schon schwer, allein klarzukommen und da habe ich meine Familie schon sehr vermisst. Aber jetzt hat sich das alles eingependelt. Meine Eltern kommen mich manchmal besuchen und ich sie. Außerdem habe ich hier in Hamburg eine neue Familie gefunden mit meinen ganzen Mannschaftskameradinnen“, verrät Kim. Sie vermisst die geliebten Schwäbischen Maultaschen. Wenn sie in die Heimat kommt, kocht ihre Mutter ihr Lieblingsgericht. Sie bekommt danach immer ein sogenanntes „Care-Paket“ mit nach Hamburg. Auch als Fan schlagen zwei Herzen in ihrer Brust. „Wenn HSV gegen Stuttgart spielt, bin ich für Stuttgart, aber sonst natürlich für Hamburg“, sagt Kim.
Übrigens verlor der HSV das Spiel mit 0:1 gegen den Tabellenletzten. Kim fehlte überall. Eine Woche später konnten ihre Mannschaftskameradinnen mit einem 2:1 Auswärtssieg beim Meisterschaftsfavoriten Bayern München diesen Ausrutscher wieder wett machen.

02. März 2010