Brunsbüttel

50 Tablets gegen die Einsamkeit

Mit 50 farbrikneuen Tablets hat sich Oliver Kumbartzky gestern auf den Weg in die Landeshauptstadt gemacht – als Bote einer außergewöhnlichen Spendenaktion, die Künstler Jens Rusch Mitte April angeschoben hatte.

Anlässlich seines 70. Geburtstages, den er vor zwei Wochen feierte, bat der Brunsbütteler Künstler Freunde, Weggefährten und Facebook-Follower um eine Spende. Ziel: Mit dem Erlös Tablets für Patienten auf den Coronastationen sowie auf der Palliativstation des Westküstenklinikums anzuschaffen, die keinen oder nur sehr eingeschränkten Kontakt zu ihren Angehörigen halten können (wir berichteten). Bereits nach wenigen Tagen war das ursprünglich angepeilte Ziel von 2500 Euro überschritten. Deshalb sollte nun neben dem WKK auch der Landeshospizverband vom Tabletspendensegen der Rusch-Freunde profitieren. „Vielleicht schaffen wir ja die 5000-Euro-Marke“, hoffte der inzwischen 70-Jährige kurz vor seinem Geburtstag.

Es sollte anders kommen: Am Ende standen mehr als 12 000 Euro auf der Spendenuhr – auch Dank einer Spende von 5000 Euro, die ein Ehepaar aus dem südlichen Dithmarschen, das in unserer Zeitung von Ruschs Aktion gelesen hatte, für diesen guten Zweck verwendet sehen wollte.

Auch der Brunsbütteler Elektronik-Händler Expert unterstützte die Aktion, am Mittwoch schließlich nahm Rusch 50 Tablets in Empfang, die Kumbartzky gestern vor der Landtagssitzung nach Kiel brachte, wo sie von Professor Dr. Roland Repp, dem Vorsitzenden des Hospiz- und Palliativverbands Schleswig-Holstein, in Empfang genommen wurden. Der Verband sorgt nun für die zielgenaue weitere Verteilung in Dithmarschen, aber auch in weiteren Kreisen an der Westküste. So bekommt die Palliativstation im Brunsbütteler Klinikum vier der Geräte, fünf Geräte gehen an die Station im Heider WKK. Zwei zusätzliche Geräte, die Expert zur Verfügung stellte, gehen an die Geriatrie im Brunsbütteler Klinikum.

Zunächst werden die Tablets jedoch mit einer besonderen Software ausgestattet, die ganz simpel Videochats ermöglicht, wie Rusch erklärt: „Sie schalten sich ein, sobald sie bewegt werden, und ab, wenn man sie wieder ablegt. Sofort und ohne jegliche Vorkenntnisse wird dann der Kontakt zu Familienangehörigen oder Hospiz-Betreuern hergestellt.“ IT-Studenten der Uni-Kiel helfen per Team-Viewer auch den Angehörigen bei der Handhabung zuhause. „So sind auch Familien-Konferenzen möglich.“

Rusch dankt, auch im Namen des Wattolümpiadevereins, über den die Aktion lief, für die zahlreichen großen und kleinen Spenden, die das Tablet-Projekt letztlich zu so großem Erfolg führten. „Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte man mir nicht machen können.“