Wöhrden

Demo für härteres Vorgehen gegen den Wolf

Sie sind vor allem Sauer auf die Politik. 200 Menschen fordern aktuell bei einer Anti-Wolf-Demo am Wöhrdener Kreisel ein härteres Vorgehen gegen das Tier. Sie wollen, dass der Ministerpräsident ins Kreishaus kommt. 

Dithmarschens Schäfer haben die Nase voll. Sie fühlen sich beim Thema „Wolf“ von der Landesregierung im Stich gelassen und sind in großer Sorge, weil ständig Tiere gerissen werden. „Das Maß läuft über“, sagt Henning Hinz. Der Hillgrovener ist Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes. Gestern machten er und etwa 200 seiner Kollegen ihrem Ärger am Wöhrdener Kreisel Luft.

Die Stimmung ist angeheizt an diesem nasskalten Mittwochmittag. „Vor vier Wochen hat der Wolf bei mir Tiere gerissen. Mir ist mündliche Entschädigung versprochen worden. Schriftlich habe ich aber noch nichts“, sagt Knut Jäger aus Friedrichskoog. „Und heute sind in Dithmarschen schon wieder fünf Schafe gerissen worden“. Eines der Tiere stammt aus der Herde seines Verwandten Daniel Jäger aus Ramhusen. In der Nacht zu gestern hat er ein Tier in Brunsbüttel verloren. Seine Bilanz bis gestern: Drei tote und fünf verletzte Schafe.

Schäfer aus dem gesamten Kreisgebiet sowie einige aus Eiderstedt hatten sich an dem Kreisverkehr der Bundesstraße (B) 203 versammelt. Die Schäfer parkten im Innenradius des Kreisels. Dien Kreisverkehr blockierten sie nur für einige Minuten.

 „Der Wolf hat hier nichts zu suchen, er passt nicht hierher“, sagt Hauke Dreessen aus Friedrichskoog. „Wenn das so weitergeht, hören wir auf. Dann gibt es auch keinen Küstenschutz mehr.“ Schafen laufen auf Deichen, um das Gras kurzzuhalten und den Boden zu verfestigen. Karl-Heinz Stuertz aus Wöhrden ergänzt: „Bei uns liegen die Nerven blank. Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll.“ Wie ernst das Problem ist, unterstreicht Henning Hinz mit einem Schreiben des Landwirtschaftsministeriums aus Kiel. Demzufolge haben sich die Kosten für da sogenannte Wolfsmanagement in Schleswig-Holstein in drei Jahren mehr als verdreifacht. 2016 waren es insgesamt knapp 130 000 Euro, 2018 schon knapp 500 000 Euro.

Stuertz und Hinz greifen später zum Megafon und bringen die Sorgen der Weidetierhalter auf den Punkt. „Der Wolf ist mit Sicherheit ein schützenswertes Wesen, das seinen Lebensraum benötigt“, ruft Stuertz den Demonstranten zu. „Aber was ist mit all den anderen Interessen? Und wo ist die Lösung, mit der wir leben können?“ Die Schutzzäune der Landesregierung sind es jedenfalls nicht, finden die Schäfer. „Die sind für den Wolf kein Hindernis“, sagt Hinz. Die Schafnetz-Zäune sind etwa 1.05 Meter hoch und stehen unter Spannung. Doch der Strom wird den Wolf nicht abhalten, so der Hillgrovener Schäfer. „Wenn der Wolf im Sprung ist, hat er keinen Bodenkontakt. Dann nützt der Strom auch nichts, weil er dann keinen gewischt bekommt.“ Joachim Klützke aus Tönning ergänzt, dass es kein Schäfer leisten kann die verstreut liegenden Flächen für die Herden allein einzuzäunen. „Das ist einfach nicht zu leisten.“

Als mögliche Lösung schwebt Karl-Heinz Stuertz vor, Waldflächen für den Wolf einzuzäunen und die Tiere dann mit Schlachtabfällen zu füttern. Dann sei die Ernährung des Wolfes sichergestellt und er müsse keine Weidetiere reißen. Täglich fielen deutschlandweit etliche Tonnen Abfälle in den Schlachthöfen an, die weggeworfen würden.

Der Tierarzt Nis Stien bettreibt mit zwei weiteren Veterinären eine Gemeinschaftspraxis in Pahlen und Garding und hält selbst Schafe. Auch er zweifelt an der Effektivität der Zäune. „Das zeigt nur, dass da oben keinen gibt, gibt, der weiß, ob es Schafe gibt“, spottet er. Wohl nicht zuletzt deshalb fordert Karl-Heinz Stuertz, dass Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nach Dithmarschen kommt und am Donnerstag, 7. März, an der Sitzung des Agrar- und Umweltausschusses zum Thema Wölfe teilnimmt. „Günther muss selbst kommen, und nicht seine Adjudanten schicken.“

Die Demonstration dauert eine knappe Stunde, die Weidetierhalter haben sich kurzfristig am Vortag organisert. „Das läuft über Whatsapp-Gruppen“, sagt Stien, der sich, wie viele am Wöhrdener Kreisel an diesem Mittwoch, mehr Teilnhemer gewünscht hätte.