— Dithmarschen—

Alles auf Englisch, außer Deutsch

von Jörg Lotze Donnerstag, 25. September 2014 14:20 Uhr


 

Heide (jl) Die 20 Mädchen und Jungen, die seit Sommer die neue Klasse 1b im Loher Weg bilden, machen die Elf voll: elf Jahre bilinguales Konzept an der Klaus-Groth-Grundschule.

Als dort 2003 ein Teil des Einschulungsjahrgangs in fast allen Fächern – außer in Deutsch – auf Englisch unterrichtet wurde, war das gleichzeitig der Start eines Dithmarscher Pilotprojektes. „Und das ist es bis heute geblieben, denn ähnliche Angebote gibt es im Kreis kein zweites Mal. Selbst auf Landesebene bieten das nur zwei Schulen an, in Heide und in Altenholz“, sagt Eike Boyens. Die Vorsitzende des Fördervereins „Bili & Friends“, der das bilinguale Konzept am Loher Weg – in jedem Jahrgang eine Bili-Klasse – von Beginn an unterstützt, hat mit ihrem Sohn Mika und ihrer Tochter Kirsa selbst zwei Kinder im Bili-Unterricht. Und sie merkt die Vorteile. „Die beiden gehen mit der Fremdsprache viel ungezwungener um, weil sie schon von klein auf an dazugehört. Je früher man damit beginnt, desto besser“, so Eike Boyens. Das, so ist die Mutter sicher, werde sich nicht nur in den vier Grundschuljahren, sondern später auch auf der weiterführenden Schule auszahlen. „Wenn dann die zweite und später die dritte Fremdsprache hinzukommen.“

Der Förderverein, bestehend aus Eltern der jetzigen und auch früherer Bili-Schüler vom Loher Weg, hilft den Lehrern und der Schule beispielsweise mit der Finanzierung von speziellen Unterrichtsmaterialien. „Gerade haben wir für 199 Dollar ein englischsprachiges Computerprogramm beschafft“, so Eike Boyens. Aber auch die Öffentlichkeitswerbung für den bilingualen Unterricht hat sich der Verein auf die Fahne geschrieben. „Wir müssen bekannter werden, denn noch immer wissen viele gar nicht, was sich hinter dem Bili-Konzept verbirgt“, weiß die Vorsitzende. Dabei seien Bili-Schüler keine Elitetruppe, als die sie manchmal in der Region von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das Konzept sei dabei mehr als ein alternativer pädagogischer Ansatz. Der Verein vertrete dieses auch bei der Suche nach Sponsoren: „Öffentliche Mittel bekommen wir leider nicht, daher freuen wir uns über jede Unterstützung“, sagt die Vorsitzende. „Insgesamt fünf Lehrer unterrichten in den Bili-Klassen“, sagt Lehrerin Karin Machau-Gerchen, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Kollegen Volker Franzen von Anfang an betreut. Entweder sind es ausgebildete Englisch-Lehrer oder sie haben lange im Ausland gelebt. Immerhin müssen Mathematik, Heimat- und Sachunterricht, Kunst, Sport sowie Religion auf Englisch erteilt werden. Und da sollten nicht nur die englischen Wörter für die Seevögel der Westküste, Wetterphänomene oder die Ausrüstung der Feuerwehr sitzen, „auch jede Unterrichtssituation muss gemeistert werden“, sagt Machau-Gerchen.

Die Idee zum bilingualen Unterricht entstand seinerzeit im Kindergarten Morgenstern an der Nordstrander Straße. Der Leiter hatte ein Seminar über frühes Fremdsprachenlernen besucht und daraufhin eine Erzieherin eingestellt, die sich mit den Jungen und Mädchen ausschließlich auf Englisch unterhielt. Um das Projekt nach der Kindergartenzeit fortzusetzen, wurde eine Grundschule gesucht, und die damalige Grund- und Hauptschule Loher Weg hatte Interesse. Seitdem gibt es, von kleinen Schwankungen abgesehen, eine stetige Nachfrage. Der „Bili & Friends“-Verein plant in absehbarer Zeit wieder einen Stammtisch. „Bei diesem kann sich dann jedermann unverbindlich informieren, was Bili ist und kann“, so Eike Boyens. Der genaue Termin stehe allerdings noch nicht fest. „Wir werden ihn rechtzeitig bekanntgeben“, sagt sie. Am kommenden Dienstag, 30. September, 19.30 Uhr, gibt es im Mensagebäude der Klaus-Groth-Schule, Standort Loher Weg, eine Eltern-Informationsveranstaltung zum Thema Einschulung 2015. Bei dieser Gelegenheit können auch Fragen zum Bili-Konzept gestellt werden.





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