Büsum

Andere Kulturen vorgestellt

An der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Büsum wird Integration gelebt. Kinder verschiedener Nationen stellen ihre Heimat mit deren Festen vor.

Hier ist alles bunt: gleich hinter der Gemeindebücherei Büsum schlägt einem eine Welt der Farben entgegen. Auf dem Boden laden bunte Spielteppiche zum Spielen ein, am Tisch bastelt ein Dutzend Kinder aus mindestens sechs Ländern.

Gelebte Integration, das ist nicht neu hier. Schon mit der Ankunft der vielen Flüchtlinge vor ein paar Jahren gab es in der Ganztagsschule das Welcome-Café, in dem Neuankömmlingen die wichtigsten Adressen im Ort erklärt wurden. Mittlerweile hat sich die Truppe unter der Leitung von Bianca Wriedt gut auf die verschiedenen Nationalitäten eingestellt. Zahlenmäßig am stärksten sind Kinder aus Afghanistan vertreten.

Das spiegelt auch die Situation an Büsums Schulen: Zwölf Kinder an der Grundschule kommen aus Afghanistan, 13 sind an der Gemeinschaftsschule angemeldet. An zweiter Stelle Kinder aus Syrien: jeweils neun in der Grund- und an der Gemeinschaftsschule, bei mehr als 600 Schülern insgesamt.

Im Spielraum beschäftigen sich zwei Mädchen aus Afghanistan, die miteinander befreundet sind: Hosniya (11) und Asma (10), die beide in die dritte Klasse gehen und nach Schulschluss in die Ganztagsschule kommen. Essen, Hausaufgaben-Betreuung und Spielen sind die drei wichtigsten Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts. Die aufgeweckte Hosniya ist es gewohnt, mit vielen Kindern umzugehen, sie hat acht Geschwister. Mathe ist ihr Lieblingsfach. Asma, die etwas kleinere und schüchterne Freundin, hat Kunst als ihr Lieblingsfach auserkoren. Sie wurde auch schon einmal beschimpft: „Scheißausländer“ hat sie mal gehört, als sie in Wesselburen zur Schule ging. Ein- oder zweimal in zwei Jahren, das sei noch zu verkraften, sagt sie.

Was die Kinder zuletzt gemeinsam erlebt haben, war ein großes Fest zum Ende des Ramadan. Das Konzept haben sich Maike Peters, die Sozialpädagogische Assistentin Maike Peters und Abdulaem Matar ausgedacht. Der Syrer ist ein angehender Erzieher  und absolviert in der Ganztagsschule ein 14-wöchiges Praktikum. „Feste der Welt“ heißt die Reihe, die Ende April begann und fortgesetzt werden soll.

Zum Id-al-Fitr oder Zuckerfest, das am Ende der einmonatigen Fastenzeit von Muslimen gefeiert wurde, kamen etliche Kinder aus vielen Nationalitäten – freiwillig. Bevor das süße Büfett gestürmt wurde, gab es eine spielerische Vorbereitung auf diesen Höhepunkt. So hatte die Nachmittagsgruppe 30 Gläser mit Teelichtern für jeden einzelnen Tag gestaltet, und beim Mittagessen jeden Tag eine mehr leuchten lassen. In einer Schatzkiste wurden ein Gebetsteppich und ein Koran versteckt. Nach der Entdeckung haben muslimische Kinder den anderen erzählt, wie und warum sie beten. Im Gegenzug erklärten die deutschen den ausländischen Kindern, was es mit Weihnachten auf sich hat. Und schließlich stellten alle erstaunt fest, dass es  gemeinsame Feste gibt: ihre Geburtstage und Silvester.

Die Ganztagsschule, An der Mühle 7,  steht heute, Dienstag, von 17 bis 18.30 Uhr für alle Interessierten offen. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie Mitmachaktionen für Kinder.