— Brunsbüttel —

Angst vor radioaktiver Strahlung

von Michaela Reh Dienstag, 11. Dezember 2018 20:10 Uhr


Brunsbüttel -

Gustav Krey versteht die Welt nicht mehr. „Vattenfall als Betreiber des Brunsbütteler Atomkraftwerkes will radioaktiv belastetes Wasser in die Elbe pumpen – und wir Bauern müssen sogar das Trinkwasser auf Keime prüfen lassen, bevor wir unseren Sellerie damit waschen. Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu.“ Der 68-jährige Landwirt aus Neufelderkoog ist sauer. Seinen Protest hat er kundgetan und die Sammeleinwendung gegen das Vorhaben Vattenfalls unterschrieben. „Meine beiden Söhne, die den Hof bewirtschaften, und noch einige andere Landwirte haben das auch gemacht.“ 

Gustav Krey treibt nicht nur der Ärger um, sondern vor allem die Angst vor gefährlicher Strahlung. Immerhin geht es um Stoffe wie Plutonium. „Wir Bauern in Neufelderkoog bewässern unsere Felder in trockenen Zeiten mit dem Wasser aus den Fleeten. Wenn wir einstauen, enthalten die Fleete Elbwasser. Das kann dann ja nicht gesund sein.“ Krey hofft, dass der entsprechende Antrag Vattenfalls nicht genehmigt wird. Aber er hat wenig Hoffnung: „Offenbar wird ja schon seit Jahren radioaktives Wasser aus dem Atommeiler in die Elbe gepumpt. Unglaublich.“

Gustav Krey hat Recht. Bereits jetzt fließt radioaktiv belastetes Wasser aus dem stillgelegten Atomkraftwerk in die Elbe. Weil das im Zuge des Rückbaus passieren soll, hat Vattenfall einen erneuten Antrag auf Genehmigung gestellt. Die weiterhin bestehende Erlaubnis erlischt regulär nach zehn Jahren am 31. Dezember. Vielen Menschen aus der Region ist dieser Umstand gar nicht bewusst gewesen, so wie Gustav Krey. Doch jetzt regt sich Widerstand. Zumindest etwas. Dr. Karsten Hinrichsen vom BUND hat eine Sammeleinwendung gegen den aktuellen Antrag Vattenfalls initiiert. Er hat rund 400 Unterschriften in Dithmarschen und Steinburg zusammenbekommen, auf der anderen Seite der Elbe in Niedersachsen sogar mehr als 2000.

Hinrichsens Hauptkritikpunkt zielt auf die von Vattenfall beantragten Einleitungsmengen ab. „Die sind genauso hoch wie die Mengen, die Vattenfall damals für den Leistungsbetrieb beantragt hatte“, hat Dr. Karsten Hinrichsen vom BUND bereits im Oktober gesagt. Er befürchte, dass Vattenfall eine Art Vorratsgenehmigung erreichen möchte: „Damit sich der Stromkonzern beim Rückbau Reserven sichert, falls einmal nicht gründlich gearbeitet wird“, so Dr. Hinrichsen. 

Der Stromkonzern Vattenfall wiegelt ab. „Das Wasser ist zu einem sehr geringen Anteil radioaktiv. Die Radioaktivität beträgt nur etwa ein Prozent des gesetzlich zugelassenen Grenzwertes“, so Vattenfall-Pressesprecherin Dr. Barbara Meyer-Bukow. 





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