Brunsbüttel

Auf dem Rad bei jedem Wetter

Ob die Sonne scheint, es regnet oder der Wind in starken Böen pustet: Bei fast jedem Wetter tritt Andreas Kohrs in die Pedalen. Der Brunsbütteler ist ein überzeugter Radfahrer – und das nicht erst, seit Schüler jeden Freitag für das Weltklima kämpfen. 

„Um ehrlich zu sein: Der Umweltschutzgedanke hat bei mir zunächst überhaupt keine Rolle gespielt“, sagt der 56-Jährige. Er ist auf dem Dorf aufgewachsen, in der Nähe von Hannover. „Die Schule war zwölf Kilometer entfernt, die meisten Freunde wohnten ebenfalls nicht gleich um die Ecke. Da war ich schon früh auf das Rad angewiesen, wenn meine Eltern keine Zeit hatten, mich zu kutschieren.“ Seine Leidenschaft fürs Radfahren ist bis heute geblieben. Der Ingenieur, der bei Sasol für die Planung der Elektro-, Mess- und Regeltechnik verantwortlich ist, steigt auch im Winter nicht etwa auf den Familienbus um. „Sich bei Minusgraden in das kalte Auto zu setzen, das ist in meinen Augen alles andere als bequem. Und schneller geht es auch nicht.“ Andreas Kohrs schwingt sich lieber schon in aller Herrgottsfrühe sportlich auf den Drahtesel und fährt sich zügig warm. 

Was ihn am Radfahren so fasziniert? „Vor allem, dass man an der frischen Luft ist und etwas Gutes für seine Gesundheit macht.“ Schließlich bewege er sich im Beruf nicht genug, sondern müsse häufig im Büro sitzen. „Da ist das Fahrradfahren ein toller Ausgleich, der den ganzen Körper in Schwung bringt.“ Radler verbrennen Kalorien und entlasten ihre Gelenke – zudem sparen sie Benzinkosten und schonen die Umwelt. 

Andreas Kohrs und seine Ehefrau Elke wandern auch gern, aber das Radeln gefällt ihnen besser. „Es ist effektiver. Da kann man in kurzer Zeit relativ große Strecken zurücklegen, anders als beim Gehen oder Laufen.“ Andreas Kohrs radelt täglich zur Arbeit, zum Einkaufen und zum Sport. „Alles keine weiten Wege.“ Leider. Er liebt es, größere Touren mit dem Rad zu unternehmen, sogar durchs Gelände. Im Sommer war das Ehepaar, das vier erwachsene Söhne hat, mit dem Rad im Urlaub. „Wir sind drei Wochen lang unterwegs gewesen und insgesamt 1000 Kilometer geradelt.“ Von Hamburg, wo die beiden ihr Auto bei Freunden geparkt hatten, ging es über den Elberadweg und den Havelradweg an die Müritz, dann weiter nach Schwerin und Mölln zurück nach Hamburg. „Das war so klasse“, schwärmt Elke Kohrs. Sie radelt ebenfalls viel und gern. „Nur zum Einkaufen oder abends hole ich doch ganz gern den Wagen aus der Garage.“  Komplett auf einen Wagen verzichten die Kohrs nicht. „Das können wir hier im ländlichen Raum gar nicht“, sagt der Brunsbütteler. Dafür sei der öffentliche Nahverkehr nicht gut genug ausgebaut. Selbst der Schnellbus nach Itzehoe, der die Anbindung nach Hamburg deutlich verbessert, reiche nicht aus. 

Weil Andreas Kohrs neben dem Radfahren auch das Besondere liebt, hatte er sich vor einigen Jahren ein Liegefahrrad angeschafft. „Ich mag Dinge, die nicht jeder besitzt.“ Aber das Gefährt hat sich nicht bewährt: „Weil man die ganze Kraft aus dem Rücken holt, war dieser ständig nass-verschwitzt.“ Also nicht das geeignete Fahrzeug, um zur Arbeit zu kommen. „Ich habe es schnell wieder zurückgegeben und mir stattdessen einen Triathlonaufsatz für den Lenker gegönnt.“ Der sei wunderbar bequem. „Da liegt man völlig entspannt nach vorn gebeut. Genial bei dem Wind, der hier oftmals weht.“ Genau das Richtige, um keinen Sturm zu scheuen.