Brunsbüttel

Brunsbütteler Industrie sieht den Brexit gelassen

Am 31. Oktober soll er kommen, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Die Brunsbütteler Industrie wie auch die Häfen sehen dem Brexit gelassen entgegen. 

Die Uhr tickt: Am 31. Oktober soll Großbritannien die Europäische Union verlassen. Ob der Brexit nun geregelt ablaufen wird oder nicht, er wird auf jeden Fall Folgen für Deutschland haben. Wir haben uns umgehört und gefragt, ob – und wenn ja – welche Konsequenzen Akteure aus Industrie und Häfen befürchten.

Die Deutschen, die in Großbritannien leben, wird der Abschied der Briten aus der Gemeinschaft hart treffen: Gestern wurde bekannt, dass EU-Bürger, die sich nicht für eine Aufenthaltsgenehmigung bei den Behörden bewerben, abgeschoben werden. Etwa 140 000 Deutsche leben in Großbritannien, angeblich hat sich bislang etwa ein Drittel von ihnen um eine Aufenthaltsgenehmigung beworben. 

Die Folgen des Brexits wird die deutsche Wirtschaft spüren: Besonders hart kann es die Autoindustrie treffen, bei der die Angst um Jobverluste umgeht. Auch auf Brunsbüttel kann der Austritt Auswirkungen haben. So etwa beim Chemiekonzern Sasol. Laut Angaben einer Sprecherin hat das Unternehmen eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um einen unproblematischen Übergang zu gewährleisten. „Unsere oberste Priorität ist, dass die Produktion reibungslos weiterläuft und wir einen effizienten Service für unsere Kunden gewährleisten“, so Dr. Kay Luttmann, Geschäftsführer von Sasol. Hierzu hat das Unternehmen eine Brexit-Task-Force eingerichtet. Welche Konsequenzen Sasol konkret befürchtet, nennt der Konzern ebenso wenig wie die Maßnahmen, die er ergriffen hat, um Schwierigkeiten zu vermeiden.

Frank Schnabel, Geschäftsführer von Brunsbüttel Ports, sieht einem Abschied der Briten gelassen entgegen. „Die Brunsbütteler Häfen sind von einem möglichen Brexit in keinem all zu großen Umfang betroffen. In der Brunsbütteler Hafengruppe werden viele verschiedene Güter aus beziehungsweise für die unterschiedlichsten Länder und Märkte umgeschlagen. Baustoffe kommen unter anderem über den Seeweg aus Großbritannien, genauer gesagt aus Schottland, zu uns und werden in Brunsbüttel umgeschlagen und gelagert“, sagt Schnabel. Da diese Baustoffe auch weiterhin benötigt werden, seien keine Einbrüche zu befürchten. Die Nachfrage nach der Ware werde aus Sicht Schnabels auch künftig den Markt regeln. „Zudem bleibt abzuwarten, wie sich die Brexit-Debatte überhaupt weiterhin entwickelt. Wir sind in jedem Fall auf alle Eventualitäten vorbereitet.“

Entspannte Stimmung herrscht auch bei Covestro. Der zu erwartende Brexit hat laut Pressesprecher Günter Jacobsen keine wesentlichen Auswirkungen auf das Geschäft. Der Grund: „Das Vereinigte Königreich zählt für Covestro nicht zu den größten Märkten.“ 

Werner Koopmann, Leiter des Geschäftsbereichs International bei der Industrie- und Handelskammer zu Kiel weiß, dass in Schleswig-Holstein eine generelle Unsicherheit darüber herrscht, was kommen wird oder nicht. „Die Welt wird komplizierter werden, wenn es zum Austritt kommt“, sagt Koopman, der Koordinator der Brexit-Task-Force beim Land ist. Der Außenwirtschaftsexperte nennt einige Beispiele, um die Komplexität zu verdeutlichen: „Gehört Großbritannien nicht mehr zur EU, ist es für uns das, was Botswana und Bangladesch heute sind, nämlich Drittstaaten.“ Zollrechtlich käme es zu erheblichen Auswirkungen. Heute, so der Experte, stehen EU-Lkw-Fahrer, die Großbritannien über den Euro-Tunnel erreichen und vor Dover landen, nur zwei Minuten an der Staatsgrenze. „Der Zoll geht in Zukunft von zwei weiteren Minuten, also insgesamt vier Minuten aus. Das ist schon einmal ein Witz“, sagt Koopmann, der von einer längeren Dauer pro Wagen ausgeht. „Aber selbst wenn wir von diesen nun vier Minuten ausgehen, wird das täglich vor Dover einen Stau von 23 Kilometern zum Ergebnis haben.“