Brunsbüttel

Bund bewilligt 22 Millionen Euro für neue Fähre

Brunsbüttel erhält wieder eine dritte 100-Tonnen-Kanalfähre. Wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich mitteilt, will der Haushaltsausschuss des Bundes 22 Millionen Euro für deren Bau locker machen.

Darauf hat die Schleusenstadt lange gewartet: Brunsbüttel bekommt wieder eine dritte 100-Tonnen-Kanalfähre. Wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich mitteilt, will der Haushaltsausschuss des Bundes 22 Millionen Euro für deren Bau locker machen. Das sei am Donnerstagabend in Berlin entschieden worden. Die Pressestelle des Bundestages hat das gestern bestätigt.

Die Fähre soll nach Angaben Helfrichs über einen Hybrid-Antrieb verfügen und mit Landstrom betrieben werden. „Auf die Autofähren sind nicht nur die Brunsbütteler angewiesen, die mit dem Auto, dem Fahrrad oder als Fußgänger übersetzen wollen, sondern sie sind auch für die Logistikwirtschaft von großer Bedeutung“, so der Bundestagsabgeordnete. Umso wichtiger sei es, eine dritte große Fähre als Ersatz bereitzuhalten, die den kurzzeitigen Ausfall einer Fähre kompensieren könne. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn begrüßt die Nachricht: „Genauso wie die Menschen vor Ort erwarte ich, dass die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung jetzt mit Hochdruck loslegt, um die Ausschreibung und den Bau der neuen Fähre zügig voran zu treiben.“ Bis 2004 waren innerstädtisch drei große 100-Tonnen-Fähren in Brunsbüttel im Einsatz, zwei an der Fährstelle Brunsbüttel sowie eine an der benachbarten Fährstelle Ostermoor. Nach einer schweren Havarie wurde die große Fähre Königsberg aus dem Verkehr gezogen und die Fähre in Ostermoor durch eine 45-Tonnen-Fähre ersetzt. Die zwei aktuell pendelnden 100-Tonnen-Fährschiffe stehen im Eigentum des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) und haben bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel: Sie sind seit Mitte der 1960er- und 1970er-Jahre auf dem Nord-Ostsee-Kanal im Einsatz und haben häufig technische Probleme. 

Wenn eine der beiden großen Fähren ausfällt und bestenfalls durch eine kleine ersetzt wird, müssen Autofahrer eine Menge Geduld beweisen, wenn sie per Schiff übersetzen wollen. Vor allem zu Stoßzeiten, wie etwa bei Schichtwechsel in den großen Industriebetrieben, bilden sich lange Staus vor der Fährstelle. Immer wieder hatten die Stadtpolitiker versucht, Druck zu machen, damit der Bund eine große Ersatzfähre anschafft. Lange Zeit vergeblich. Umso größer der Jubel in der Schleusenstadt, dass sich endlich etwas tut. „Ich freue mich sehr über die überaus positive Ankündigung aus Berlin“, sagt Bürgermeister Martin Schmedtje. Seit der Havarie vor 15 Jahren habe die Stadt immer wieder eindringlich „auf den vorhandenen Bedarf aufmerksam gemacht“ und den Bau einer dritten 100-Tonnen-Fähre gefordert. „Ich gehe davon aus, dass es künftig wieder dauerhaft drei große Fähren in Brunsbüttel geben wird und die vorhandenen Schiffe perspektivisch durch Neubauten ersetzt werden“, so der Verwaltungschef. 

Laut Helfrich bekommt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Brunsbüttel außerdem ein neues Verwaltungsgebäude für knapp 25 Millionen Euro. Bisher sind die 200 Mitarbeiter auf mehrere Standorte verteilt.  

Kasten: Kostenfreie Querung

Der Bund ist rechtlich verpflichtet, eine kostenfreie Querung des Nord-Ostsee-Kanals zu ermöglichen. Im Regelbetrieb sind 14 Fähren an zwölf Fährstellen im Einsatz. Nur in Brunsbüttel pendeln zwei große 100-Tonnen-Fährschiffe, die anderen haben eine Tragfähigkeit von 45 Tonnen. Die ältesten Fähren wurden 1952 gebaut, die jüngsten 1972. Pro Jahr pendeln nach Angaben der Schifffahrtsverwaltung landesweit 5,4 Millionen Menschen per Fähre über den Kanal. Zugleich werden 3,7 Millionen Autos und fast 180 000 LKW per Schiff über die künstliche Wasserstraße transportiert.