Heide

Bunt gegen Rechts: Hunderte demonstrieren in Heide

Ein Lichtermeer und dazu Glockengeläut: Das war der Abschluss einer Kundgebung auf dem Südermarkt. Bei der Demonstration „Dithmarschen ist mehr“ haben sich am Mittwochabend 500 Teilnehmer gegen Hass und Rassismus ausgesprochen.

„Radikale Gedanken werden wieder salonfähig“, sagt Simon Rohner, einer der Organisatoren der Kundgebung. „Wir haben das Gefühl, dass dies die Gesellschaft nicht widerspiegelt.“ Aus alltäglichen Unterhaltungen zweier Wohngemeinschaften über die aktuelle politische Lage entstand die Idee, den erschreckenden Nachrichten der vergangenen Wochen und Monate entgegenzutreten. Unterstützt wurden Simon Rohner, Anna Reinker, Denise Loop, Michael Hartmann und Daniel Weinreich von 30 Organisationen aus Dithmarschen von A wie Arbeiterwohlfahrt bis U wie Unabhängige Wählergemeinschaft.

Wenn Nächstenliebe abhanden komme, wenn Menschlichkeit fehle und Barmherzigkeit sich aus den Herzen herausschleiche, sich „unsere Welt eingraut – einbräunt“, dann „müssen wir Menschenfreundlichkeit zeigen“, sagt Probst Andreas Crystall. „Das habe ich vor drei Jahren gesagt“, heute seien die Worte aktueller. Mit Tabubrüchen und Provokationen würden Ängste geschürt und die Erlaubnis gegeben: „Kein guter Mensch zu sein. Ich aber liebe es humanitär sein zu können.“

Alexander Rose, Leiter der Hoelp-Geschäftsstelle in Meldorf, erzählt von Übergriffen von rechts, dem die karitative Einrichtung ausgesetzt war. Mit viel Mut seien Neonazis, die Menschen beschimpften, aus einem Hoelp-Laden gebracht worden. „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Hoelp setzt sich für eine vielfältige und offene Gesellschaft ein“, so Rose.

Als Kranken- und Altenpfleger höre er viele Fluchtgeschichten – erlebt vor mehreren Jahrzehnten. „Wir sollten auf die älteren Menschen hören“, sagt Lars Thiele-Kensbock von der Partei Die Linke.

Sie waren drei von insgesamt sieben Rednern, die sich für Liebe und Toleranz und gegen Rassismus aussprachen.

Sie seien überwältigt, wie viele ihrem Aufruf gefolgt seien, sagt Organisatorin Anna Reinker. Gerechnet haben sie mit 150 Teilnehmern, gekommen sind mehr als das Dreifache. „Jeder einzelne, der gekommen ist, steht für Dithmarschen ist mehr“, sagt sie.