Lunden

Burkini-Beschluss: Kritik an der Lundener Gemeindevertretung

Vier Mädchen im Freibad Lunden wollten schwimmen lernen. Doch wegen bürokratischer Hürden wurde das ins kommende Jahr geschoben. Gemeindevertreter Uwe Jeß beklagt, schnelles Handeln hätte das Schwimmen ermöglicht. Er vermisst den nötigen Willen beim Bürgermeister.

Die Schülerinnen Zara (19), Zohre (18), Zara (17) und Fatime Hossaini (12) nahmen in ihren Burkinis an einem Schwimmlehrgang der DLRG teil. Nach einer Stunde verwies Badebetriebsleiter Peter Müller sie des Bades. Reguläre Badebekleidung seien die Burkinis, Badeanzüge für Muslimas, für ihn nicht. Der Aufschrei war groß, die Entscheidungsträger willens, zu handeln. Die Gemeindevertreter beschlossen während ihrer Sitzung am 22. August, die durch die Badeordnung erlaubte Bekleidung um Burkinis zu erweitern, wie Bürgermeister Jörn Walter (SPD) mitteilte. 

Das bedeutet aber nicht, dass die Mädchen am Folgetag ins Wasser springen und nun das Schwimmen lernen durften. Walter verwies darauf, dass der Zusatz zunächst in die Badeordnung eingefügt und dann für die kommende Gemeindevertretersitzung Anfang Oktober erneut vorgelegt werden müsse. Mit diesem bürokratischen Ausbremsen ist das Ansinnen der Schüler um ein Jahr verschoben, ist die Freibadsaison doch beendet. 

Uwe Jeß, der für die Wählergemeinschaft in der Gemeindevertretung sitzt, kritisiert den Bürgermeister für sein Vorgehen: „Walter macht, was er will. Er sagt einfach etwas, und die anderen müssen es glauben.“ Er und der stellvertretende Bürgermeister Peter Tödter (WGL) hätten sich beim Kreis Dithmarschen erkundigt. „Der Bürgermeister hätte noch am nächsten Tag den Beschluss anordnen können. Dann hätten die Mädchen schwimmen dürfen“, so Jeß. Bewohner des Dorfes seien schon auf ihn zugekommen. „Es versteht kein Mensch, warum diese Mädchen nicht ins Wasser dürfen“, so Jeß.

Jörn Walter selbst will sich zu den Vorwürfen Jeß‘ nicht äußern. „Das bin ich von ihm gewohnt. Da muss ich mit leben.“ Die Verwaltung stützt derweil die Argumente des Bürgermeisters. Britta Jensen, zuständig für die Personalverwaltung im Amt Eider, verteidigt die Beschlusswege: Es sei üblich und wichtig, die geänderte Fassung noch einmal der Gemeindevertretung vorzulegen – so auch eine Badeordnung. „Es ist notwendig, weil der Text in der Fassung so ausgehängt wird“, erläutert Jensen. So würde man Zweideutigkeiten, die bei einem mündlichen Beschluss unter Umständen bestünden, beseitigen.

Auf erneute Nachfrage gibt der Kreis Dithmarschen eine andere Antwort, als sie laut Jeß und Tödter zuvor gegeben wurde. Nun bestätigt die Kreisverwaltung die Aussage des Amtes. Die gesamtheitlichen Informationen, um den Fall zu beurteilen, seien nicht vorhanden gewesen.