— Büsum —

Das Thema Organspende liegt Dr. Geisthövel am Herzen

von Henning Voß Donnerstag, 11. Oktober 2018 10:14 Uhr


Büsum -

Seit Jahrzehnten beschäftigt Dr. Johannes Geisthövel das Thema Organspende. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen, von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angeschobenen Diskussion liegt es dem Chirurgen am Herzen.

„Das Thema bewegt mich, seit ich junger Arzt war“, sagt der 66-Jährige. Damals stand Geisthövel unter anderem in den Operationssälen der Unikliniken von Kiel und Marburg. „Wenn ein Patient für tot erklärt worden ist und Gespräche mit den Angehörigen geführt werden, ist das immer gefühlsbetont, auch für Ärzte“, sagt er. Und er weiß: Das Thema Organspende birgt familiäres Konfliktpotential: „Stirbt eine junge Frau nach einem Unfall und ihr Mann einer Organentnahme zustimmt, kann er unter Umständen noch Jahre später von weiteren Angehörigen Vorwürfe bekommen.“ Das ließe sich mit einem Organspendeausweis vermeiden. „Er ist mein letzter Wille über meinen Körper. Und den Angehörigen kann es ein kleiner Trost sein, dass der Verstorbene irgendwie ein bisschen weiterlebt.“

Geisthövel hat seit Jahren einen Organspenderausweis, kennt den Bedarf: Im vergangenen Jahr haben etwa 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan gewartet, dem standen lediglich knapp 800 mögliche Spender gegenüber. Anders ausgedrückt: Organspender haben ein Herz. Dies und die von Spahn ins Spiel gebrachte Widerspruchslösung sind für den Brunsbütteler Arzt im Ruhestand genug Gründe, einen Vortragüber Organspende im Büsumer Ärztezentrum zu halten. Spahn regt eine Umkehrung des Verfahrens an: Wer eine Organspende nicht ausdrücklich ablehnt, wird nach seinem Tod Spender.

Organspende ist seit etlichen Jahren Vortragsthema von Johannes Geisthövel, er hat es bewusst für ein Laienpublikum aufgearbeitet. Der Chirurg gliedert seine Ausführungen in zwei Themenschwerpunkte. „Zunächst erkläre ich, was ein Hirntod ist. Das zweite Hauptthema sind der Organspendeausweis und der Ablauf einer Organentnahme.“ Beides wirft laut Geisthövel etliche Fragen auf und nennt ein Beispiel: „Ein Hirntod muss von mehreren Ärzten unabhängig voneinander dokumentiert werden.“ In dem Zusammenhang verschweigt der Mediziner nicht, dass Organspendeskandale die Spendenbereitschaft massiv hätten sinken lassen.

Vielen sei, so Geisthövel weiter, nicht klar, dass so gut wie alles gespendet werden kann – und jeder festlegen kann, was er nach seinem Hirntod spenden will und was nicht. Transplantierbar sind nicht nur innere Organe, sondern auch etwa die Hornhaut des Auges oder Gliedmaßen wie Hände und Füße. „Und eine Organspende ist eine logistische Meisterleistung“, erläutert der Arzt und nennt ein Beispiel: „Zeitgleich müssen zum Beispiel in Kiel das Herz des Empfängers und das des Spenders in Wien entnommen werden. Innerhalb von vier Stunden muss das Herz dann zum Zielort gebracht und eingepflanzt werden.“

Der Vortrag über Organspende von Dr. Johannes Geisthövel beginnt am kommenden Dienstag, 16. Oktober, um 18 Uhr im Büsumer Ärztezentrum. Anmeldungen auf www.aerztezentrum-buesum.de.





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