St. Michaelisdonn

Die Tannen am Tieskamp wurden gerodet

Es war ein langes Hin und Her um den Wald am Tieskamp. Anwohner, der BUND und Parteien wollten die Rodung verhindern. Sie haben es nicht geschafft. Die Tannen sind weg.

Es war noch nicht ganz hell, als die Bagger und die Arbeiter mit Kettensägen auf dem Gelände am Tieskamp anrückten. „Ich bin traurig darüber“, sagt Anwohner Uwe Rohde. Seit Jahren kämpft er für den Erhalt der Tannenschonung. Er hatte im August gemeinsam mit anderen Anliegern Klage gegen den Bebauungsplan 33 eingelegt und gehofft, dass die Fällgenehmigung bis zu einer Entscheidung des Oberwaltungsgerichtes in Schleswig zunächst ausgesetzt ist.

„Ich hätte erwartet, dass die Anlieger zuvor über die Rodung informiert werden, weil eine Klage anhängig ist“, sagt SPD-Fraktionschef Joachim Rohde und kritisiert in seinen Augen eine mangelnde Sensibilität. Nun seien Tatsachen geschaffen worden, die unumkehrbar seien.

Erste Pläne, dort Wohnraum zu schaffen, gab es schon 1994. In dem Jahr hatte die Gemeinde St. Michaelisdonn einen Flächennutzungsplan aufgestellt und darin das Areal für eine weitere Wohnbauentwicklung freigegeben. Danach ruhte das Ansinnen lange Zeit, bis es vor wenigen Jahren wieder aufgenommen. Die Gemeinde hatte in diesem Jahr das Planungsverfahren abgeschlossen, den Satzungsbeschluss mehrheitlich gefällt und anschließend den Bebauungsplan veröffentlicht. Damit erlangte er Rechtskraft. Nun können auf dem Gelände zwischen Hoper Straße und Sandleiden Einfamilien-, Doppel- und zwei Mehrfamilienhäuser gebaut werden. 

Die Tannenschonung auf dem Areal polarisierte die Gemeinde. Sie gehörte einst zu einer Gärtnerei und wurde mehr als 20 Jahre in Ruhe gelassen. Im März stufte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) das 6000 Quadratmeter große Areal als Wald ein. Der waldartige Charakter präge durch das fortgeschrittene Wachstum nunmehr das Gesamtbild, begründete die Landesumweltbehörde ihren Schritt. Anfang Juni wurde die Rodung des kleinen Tannenwaldes dennoch genehmigt. Das öffentliche Interesse an einer Umwandlung sei im vorliegenden Fall höher zu bewerten gewesen als das Interesse an der Erhaltung.

Gegen diese Entscheidung hatte der BUND Widerspruch beim LLUR eingereicht. Die Behörde musste ihre eigene Entscheidung noch einmal prüfen – und kam zu dem Schluss: Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass die Waldfläche weder eine relevante Bedeutung für den Natur- und Artenschutz besitzt noch gemäß Landeswaldgesetz Gründe gegen eine Fällung der Bäume bestehen, so das LLUR Ende August. Die Frist, um dagegen zu klagen, ließ der BUND verstreichen.

„Keine Waldumwandlung im Land wurde so intensiv geprüft wie diese“, sagt LLUR-Sprecher Martin Schmidt. Alle Widersprüche und Einwände seien abgearbeitet worden. Auch der Normenkontrollantrag habe generell keine aufschiebende Wirkung. Zudem habe kein höheres Interesse bestanden, die Rodung der Bäume zu versagen. Ende November habe das LLUR grünes Licht für das Fällen der Bäume gegeben.

„Wir haben uns immer an geltendes Recht gehalten“, sagt Planer Frank Sass von der Treuhänderischen Erschließungsgesellschaft Nord aus Albersdorf. Dies haben alle Instanzen bestätigt. Auch die Rodung erfolgte erst, nachdem das LLUR die Anordnung des Sofortvollzugs erteilt habe.

Resigniert ist Uwe Rohde nicht. Er will durch seinen Anwalt prüfen lassen, wie die Entscheidung getroffen wurde. Falls dieser Fehler feststellen sollte, sei er bereit rechtlich dagegen vorzugehen, sagt er.