Büsum

Die Werft, die nicht aufgibt

Hier wenigstens wird noch richtig mit der Hand gearbeitet. Und nicht nur Touristen bedient. Die Landberg-Bootswerft im Büsumer Hafen ist bald die letzte ihrer Art weit und breit. In Tönning etwa hat auch die kleine, alte Bootswerkstatt längst geschlossen. Es gibt weiter Arbeit in Büsum, und der Generationswechsel klappt auch.

Von Jörg Nolle

Zufall oder nicht, wir treffen Reimer und Ole Landberg just bei der Arbeit an, die sie am liebsten machen. Einen Traditionssegler herrichten für einen privaten Kunden. „Eurybia“, der Kutter mit dem kühnen Bugspriet, gehört in die Sparte der Traditionssegler. Jetzt wird er fertiggemacht, fertig für die Präsentation, der Kunde will ihn verkaufen. Die Aussichten sich nicht so schlecht. Die Landbergs erzählen einem eine Geschichte, die man öfters in Büsum hört. Menschen, von irgendwo her in Deutschland, mit Geld, ziehen im Alter an die Küste. Ihr Sehnsuchtsort, den sie im Urlaub immer aufsuchten. Sie kaufen sich erst eine Wohnung, dann vielleicht ein kleines Schiff, um aufs Meer zu fahren. Das genau ist auch der Grund, warum Vater Reimer und Sohn Ole, letzter auch schon 40 Jahre alt, Vater einer Tochter, weiter eine gute Zukunft sehen. Für ihr Gewerbe, ihre Leidenschaft, für ihr Ein- und Auskommen.

Der Vater ist fast gesprächig für einen alten Fahrensmann und Arbeiter mit der Hand. Ole dagegen ist von der verschwiegenen Sorte. Der Senior ziert sich nur bei einer Auskunft. „Mein Alter darf ich nicht sagen“, so will es seine Frau. Gut, dann ist er eben 66 Jahre jung. Da darf man langsam an die Geschäftsübergabe gehen. Die Voraussetzungen sind geschaffen. Der Sohn hat beim Vater das Bootsbauhandwerk gelernt. Die überbetriebliche Ausbildung für Schiffsbauer findet in Rendsburg statt. Ole Landberg weiß mehr als das Nötige über den Bootsbau, alle Gewerke bis zum Stahlbau. Aber am liebsten arbeitet er eben doch mit Holz. Meist Eiche, gut getrocknet. Sie ist unter dem einheimischen Gehölz mit das wasserbeständigste. Bei der Gelegenheit: Schiffsdecks aus tropischem Teak gelten als Goldstandard. Teak wird auch in Plantagen angebaut. Und trotzdem kommt der Quadratmeter verlegtes Stab-Teakdeck auf bald 1000 Euro - Material und Arbeit. Aber die fertige Arbeit ist halt so schön. Bei dem Thema kommen Gefühle ins Spiel. Der eine sagt: „Unser Herz liegt beim Holz. Holz ist Leben, Holz ist warm, Holz ist ein nachwachsender Rohstoff“, der andere nickt.

Das sind die Geschichten, die am Gewerbe dranhängen. Wahrlich ein Traditionshandwerk. Es darf nicht sterben. Reimer Landberg tut es hörbar weh, erzählen zu müssen, dass der Kollege in Friedrichskoog schließen musste. Der Hafen wurde dichtgemacht. „Da lief die Werft sehr gut. Das Todesurteil. Die Leute kommen jetzt hierher“. Es wird überhaupt eng. Egal ob für Fischer oder Sportbooteigner. Der Hafen in Meldorf zeigt sich derzeit vollkommen leer. Die Bootsbesitzer mussten nach Büsum umziehen, die Schleuse wird repariert.

In Büsum gibt es immerhin noch eine Infrastruktur. Und stetige Nachfrage. Der Museumshafen will seine Schiffe in gutem Zustand haben, Reimer Landberg war lange im Vorstand tätig. Die Stahlbauwerft nebenan verlängert manchmal Kutter. Den Innenausbau machen dann die Landbergs.

Vier Angestellte haben sie. So wie es auch mittelfristig ausschaut ein sicherer Arbeitsplatz. Und nicht einfach eine Museumswerft. Nicht, dass ganz Dithmarschen noch zum Erinnerungsort wird für einmal getane Arbeit. Sie haben viel zu tun. Selber gönnt man sich auch was. In ihrem Fall ist es ein altes, wieder schmuck hergerichtetes Fördeboot. Ein Zubringer für die großen Schiffe von Helgoland. Mit Motor. Die Familie hat auch noch eine Holzjolle, einen Schwertzugvogel. Aber Segeln, „das macht viel Vorbereitung“, bis alles gerichtet ist, sagt Ole Landberg. Sie aber haben ja zu tun.