Dithmarschen

Geflügelpest in Dithmarschen nachgewiesen

Dithmarschen (rg) Die Geflügelpest in Schleswig-Holstein hat jetzt auch Dithmarschen erreicht. So wurde vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI), dem nationalen Referenzlabor für aviäre Influenza, der hochpathogene Erreger H5N8 bei einer Möwe in Burg nachgewiesen. Der Kreis hat daraufhin Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete ausgewiesen.

Zudem wird in zwei gänsehaltenden Betrieben in Eddelak und Gudendorf die Tötung von rund 8800 Tieren vorbereitet. Hier wurde das niedrigpathogenes aviäres Influenzavirus H5 durch das FLI festgestellt, teilte das Landwirtschaftsministerium heute weiter mit. Der hochpathogene Geflügelpesterreger H5N8 wurde sowohl am Standort Eddelak (1800 Gänse) als auch in Gudendorf (rund 7000 Gänse) bislang nicht nachgewiesen. Für beide Bestände laufen weitere Analysen des FLI, um zu prüfen, um welchen Subtyp es sich handelt und ob es niedrig- oder hochpathogen ist.

Entsprechend der Geflügelpestverordnung bereitet die zuständige Kreisveterinärbehörde für beide Standorte die Tötung der insgesamt rund 8800 Gänse vor. Denn auch beim Nachweis niedrigpathogener aviärer Influenzaviren des Subtyps H5 (oder auch H7) sowie beim H5-Verdacht ist die Tötung des Bestandes gesetzlich vorgeschrieben. Grund ist, dass die Viren der Subtypen H5 und H7 in Geflügel spontan zu einer hochpathogenen Form mutieren können. „Es gilt, eine mögliche Interaktion der Viren zu verhindern. Das ist gerade angesichts der Ausbreitung des hochpathogenen Geflügelpesterregers notwendig“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck.

Beide Betriebsstandorte wurden abgesperrt. Fremde Personen dürfen das Gelände aus Gründen des Tierseuchenschutzes nicht betreten. Landwirtschaftsminister Robert Habeck und Landrat Dr. Jörn Klimant appellierten dringend, sich daran zu halten. Verstöße gegen Regelungen auf Basis des Tiergesundheitsgesetzes sind Ordnungswidrigkeiten, die mit Bußgeldern bis zu 30.000 Euro geahndet werden können. Die fahrlässige oder vorsätzliche Verschleppung von Tierseuchen ist strafbar.

In den Restriktionsgebieten dürfen Hunde und Katzen nicht frei herumlaufen. Diese Tiere erkranken im Regelfall nicht, aber sie können das Virus nach dem Kontakt weiter verbreiten. Daher sollte auch direkter Kontakt von anderen Haustieren, insbesondere Hunden und Katzen, mit toten oder kranken Vögeln - auch außerhalb der Restriktionsgebiete - verhindert werden.

Die Gänse in Eddelak sollten in wenigen Tagen in ein neugebautes Stallgebäude gebracht werden. Dieses Vorgehen war in enger Abstimmung zwischen der Kreisveterinärbehörde und dem Land besprochen worden, um so der im Land geltenden Stallpflicht Genüge zu leisten. Die Erweiterung der Stallkapazitäten sollte eine tierschutzgerechte Unterbringung zum Schutz vor der Geflügelpest ermöglichen. Am Standort Gudendorf bestehen bereits Ställe.

Ist die niedrigpathogene aviäre Influenza bei Hausgeflügel festgestellt, wird durch die zuständige Kreisbehörde ein Sperrgebiet von mindestens 1 Kilometer Radius um den betroffenen Bestand ausgewiesen. Bei Feststellung der hochpathogenen Geflügelpest werden Sperrbezirke von drei Kilometern sowie Beobachtungsgebiete von mindestens weiteren sieben Kilometern eingerichtet. Für den vorliegenden Fall sind die Befunde aus dem FLI abzuwarten.

„Die derzeitige Lage bedeutet für die geflügelhaltenden Betriebe eine große Verunsicherung. Insbesondere die Gänsehalter im Land sind in Abstimmung mit ihren Kreisveterinärbehörden dabei, alles zu tun, um die Tiere in die Ställe zu bringen oder die Bestände vorzeitig zu schlachten. Die Sorge, dass es zu spät sein könnte, betrifft sie aber alle. Wir setzen alles daran, das Risiko des Eintrags von Geflügelpest in Hausgeflügelhaltungen zu minimieren“, sagte Habeck.

Er appellierte an alle Geflügelhalter und Geflügelhalterinnen, die strengen Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Sie gelten inzwischen auch für kleinere Betriebe unter 1000 Tieren.

Dithmarschens Landrat Klimant bedankte sich für die enge Kooperation aller Beteiligter – von Veterinärbehörde, Laboren bis hin zur Polizei. „Es ist wichtig, dass wir an einem Strang ziehen. Die Situation ist für alle besorgniserregend und verlangt einen hohen Grad an Koordination. Für die betroffenen Geflügelhalter stellt sie eine enorme mentale Belastung dar.“

Der Kreis Dithmarschen richtet ab Montag, 9 Uhr unter der Rufnummer 0481/97-1313 ein Bürgertelefon ein. Das Bürgertelefon ist anschließend bis auf Weiteres werktags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr besetzt.

Insgesamt ist in Schleswig-Holstein in bislang sieben Kreisen der Geflügelpest-Erreger nachgewiesen worden (Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen, Plön, Segeberg, Herzogtum Lauenburg, Lübeck). In Deutschland sind zudem die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen betroffen.