Heide

Dithmarscher Schüler demonstrieren für mehr Klimaschutz

Auch Dithmarscher Schüler zeigen Flagge fürs Klima: Unter dem Motto „Fridays for Future“ zogen sie am Mittag durch die Kreisstadt.

Mehrere Hundert Jugendliche trafen um 13 Uhr am Heider Südermarkt zusammen, um im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung für mehr Klimaschutz zu demonstrieren und die Politik zum Handeln aufzufordern. Der Demonstrationszug bewegte sich anschließend in Richtung Kreishaus, wo mehrere Reden gehalten wurden. Außerdem überreichten die Initiatoren einen offenen Brief an den Umweltschutzbeauftragten des Kreises.

 

Die Initiatoren haben sich bewusst dafür entschieden, nicht schon vormittags zu demonstrieren, um den Vorwurf des Schwänzens zu umgehen.

Leon James Meyer stapelt erst einmal ein bisschen tief. Der Mitorganisator der ersten Heider „Fridays for Future“-Demonstration freut sich zum Auftakt über „gut 200 Leute“, die sich am Südermarkt eingefunden haben. Tatsächlich sind es am Ende wohl deutlich mehr, obwohl die äußeren Bedingungen nicht unbedingt zu einem Gang vom Marktplatz zum Kreishaus verlocken.

Die Sorge um das Klima und damit ihre Zukunft treibt viele der überwiegend jungen Demonstranten um – das legen wenigstens die mitgeführten Plakate nahe. Und das bringen auch die Redner zum Ausdruck. „Wenn der Kohleausstieg 2038 kommt, sind die verantwortlichen Politiker alt und spüren die Folgen nicht mehr“, sagt Mitorganisatorin Noelle Kalzer. „Wir sind die Generation, die noch etwas ändern kann.“ 

Anders als an anderen Orten legen die Heider Organisatoren Wert darauf, sich nicht dem Vorwurf des Schulstreiks und -schwänzens auszusetzen. Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat weiß das zu würdigen: „Ich finde es großartig, was Sie hier machen, und bin als Heider Bürgermeister sehr stolz. Den Vorwurf des Schwänzens haben Sie eindrucksvoll widerlegt.“ 

„Mit geiler Musik, Sprüchen und guter Laune“ soll die Demonstration zum Kreishaus führen, hat Leon James Meyer angekündigt. Die vorher eingeübten Parolen werden manchmal ein wenig vom Winde verweht. Aber auch so bietet der Zug über die halbseitig gesperrte Stadtbrücke ein beeindruckendes Bild. 

Vor dem Kreishaus spricht Klimatologie-Student Sören Bröcker über das Thema, das die Menge bewegt. „Dass der Klimatrend sich ändert, ist normal“, sagt der Heider, der in Berlin studiert. „Nicht normal ist aber die Geschwindigkeit, mit der es wärmer wird.“ Schuld daran seien die Treibhausgase und an deren Verbreitung der Mensch. „Wir fahren zu viel mit dem Auto, essen zu viel Fleisch und fliegen zu viel“, sagt der Student. 

Tatsächlich erschöpfen sich die Redner nicht in Forderungen an die Politik, sondern mahnen auch mehrmals jeden Einzelnen zum Handeln. Lieber mit dem Interrail-Fahrschein Europa erkunden als nach dem Abitur nach Australien oder Neuseeland zu fliegen, rät Bröcker. Und vor Ort statt online einzukaufen, stützt nicht nur den lokalen Einzelhandel. „Als Paketbote kenne ich euch alle ganz genau“, sagt der 24-Jährige. „Zwei Pakete bei Zalando bestellen und mir am nächsten Tag wieder drei zurückgeben, da eine Retour doch so einfach ist.“ Den Einzelhandel zu unterstützen würde dagegen nicht nur die Verkäufer freuen, sondern ebenso das Klima.

Freilich müsste die Politik aber manchen Missstand beheben. Zum Beispiel, dass Flugreisen gar nicht, der Eisenbahnverkehr aber komplett besteuert werde. Auf die Elektrifizierung der Bahn pocht Bröcker und lenkt den Blick auf weitere Diskussionsfelder vor Ort. „Auch Flüssiggas ist nicht klimafreundlich“, sagt er zum geplanten Brunsbütteler LNG-Terminal, bevor er sich gegen den A-20-Weiterbau ausspricht. Aber: „Anfangen müssen wir bei uns zu Hause.“ 

Einen offenen Brief an den Kreis nimmt der während der Veranstaltung „Jugend im Kreistag“ als Agrar- und Umweltausschussvorsitzender amtierende Jan Niklas Maaßen entgegen. Erk Ulich vom Fachdienst Bau, Naturschutz und Regionalentwicklung dankt den Demonstranten für ihr Kommen und verweist auf die Anstrengungen des Kreises: „Wir arbeiten mit den Nachbarkreisen daran, das Thema voranzubringen.“ 

Noelle Kalzer äußert sich begeistert über die Klimademo-Premiere in Heide. „Ich bin überwältigt, wie wichtig das Thema für viele ist und dass alles friedlich und reibungslos abgelaufen ist.“ 

Wir begleitet die Demo auf unserem Instagram-Kanal: www.instagram.com/boyensmedien