Meldorf

Drama im Speicherkoog: Konikpferde völlig verwahrlost

Umweltschützer schlagen Alarm: Viele der bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebten Konikpferde im Speicherkoog sind in einem völlig desolaten Zustand. Sie sind stark unterernährt und haben eine sehr schlechte Hufpflege. Beim Kreis ist eine Krisensitzung zu den Koniks einberaumt.

Unter den Koniks hat es bereits die ersten toten Tiere gegeben. Vergangene Woche sind eine Stute und drei Fohlen tot geborgen worden. Schuld an der Misere sei zu einem gewissen Teil der viele Regen der vergangenen Wochen. Die Böden sind allesamt aufgeweicht, Futter ist Mangelware. Doch üben auch einige Umweltschützer drastische Kritik am Nabu, dem die Betreuung der Tiere obliegt. 

„Es hätte viel früher Heu zugefüttert werden müssen, zudem hätte längst ein Tierarzt die Hufe der Tiere untersuchen müssen. Alles in allem sind die Tiere völlig verwahrlost und niemand scheint sich im nötigen Ausmaß um sie zu kümmern“, sagt Ulrike Bohle, Naturschützerin und Fotografin. Bohle sei nach eigenen Angaben regelmäßig im Speicherkoog unterwegs und was sie derzeit dort vorfinde sei ein nicht mehr erträglicher Zustand. „Wenn jetzt nicht endlich was passiert, werde ich eine Anklage wegen Tierquälerei machen.“

Seit Herbst 2004 grasen im Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch Konikpferde. Zwei Hengste und acht Stuten sollten dort zunächst eine Herde von 30 Tieren aufbauen. Einige Jahre später wurde eine Herdengröße von rund 50 Tieren als angemessen angesehen. Inzwischen leben zwischen 70 und 75 Konikpferde im Speicherkoog. „Inzucht ist ein großes Problem, die Tiere vermehren sich unkontrolliert und niemand unternimmt etwas dagegen“, so Ulrike Bohle. Und sie ist nicht die einzige, die wegen des Zustands der Pferde sauer ist.

„Ich als Landwirt habe strenge Auflagen, wie ich meine Tiere zu halten habe. Das ist gut und richtig so. Aber diese Auflagen scheinen für die Betreuung der Koniks gar nicht zu gelten, sonst wäre da schon lange mal jemand eingeschritten und hätte was unternommen“, sagt Nordermeldorfs Bürgermeister Reimer Meyn. 

Ernst Gloe, der zuständige Betreuer der Konikpferde vom Nabu, spricht von einer Situation im Speicherkoog, die sich „plötzlich zugespitzt“ hätte und erst seit kurzer Zeit dramatisch sei. „Es hat sehr viel geregnet die vergangenen Wochen, das muss man schon sagen. Daraufhin habe ich vor einigen Tagen dafür gesorgt, dass Heu zugefüttert wurde.“

„Ende vergangener Woche fanden wir zwei völlig geschwächte Tiere vor, die nicht mehr imstande waren, aufzustehen. Eines davon, ein Pony, wäre elendig verreckt, wenn wir es nicht zufällig weit ab der Herde hätten liegen sehen und mitgenommen hätten“, sagt Ulrike Bohle. 

Uwe Maaßen leitet beim Kreis Dithmarschen den Fachdienst Bau, Naturschutz und Regionalentwicklung. „In erster Linie ist der Nabu für das Wohl der Tiere zuständig, da ihm die Betreuung obliegt. Aber natürlich haben wir als Naturschutzbehörde ein großes Interesse daran, dass es den Koniks gut geht, das scheint zurzeit nicht der Fall zu sein.“ Maaßen spricht sich dafür aus, dass nun zügig gehandelt wird und sämtliche Tiere einer tierärztlichen Untersuchung unterzogen werden. „Wir müssen uns fragen, ob das aktuelle Konzept im Umgang mit den Pferden noch das richtige ist“, so Maaßen. Er hält auch die Herdengröße von knapp 75 Tieren für zu groß und sagt, dass es nötig sei, eventuell Tiere herauszunehmen und den Bestand auf 50 Tiere zu verkleinern. Weiter ins Detail gehen will er nicht und stattdessen zunächst einmal die Krisensitzung Dienstagmittag beim Kreis abwarten.