Neufeld

Drei Menschen aus dem Watt gerettet

Der Hubschrauber hat ihnen wahrscheinlich das Leben gerettet: Bei einem spektakulären Lufteinsatz sind in der Nacht zu Donnerstag drei Menschen aus dem Watt vor Neufeld geholt worden.

Es wurde bereits dunkel, als bei der Feuerwehr der Alarm einging: Menschenleben in Gefahr. Gegen 22.15 Uhr kam die Nachricht von der Leitstelle in Elmshorn, dass sich mehrere Personen vor dem Deich in einer Notsituation befänden. Daraufhin rückten die Wehren aus Neufelderkoog, Marne und Brunsbüttel aus, „und es wurde ein Hubschrauber angefordert“, sagt Ole Kröger, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Dithmarschen. Von St. Peter-Ording aus machte sich der Northern Rescue 01 auf den Weg. Auch die Tauchergruppe aus Itzehoe wurde alarmiert.

Offenbar waren die drei Hilfesuchenden zunächst mit einem Boot unterwegs gewesen. Wie sich später herausstellte, havarierten sie. Bei dem Versuch, zu Fuß das Festland zu erreichen, versanken die Männer im Watt, so Ole Kröger am Tag nach den dramatischen Ereignissen. Aus dem sich festsaugenden Schlick konnten sich die Schiffbrüchigen nicht selbst befreien. Doch es gelang ihnen, per Mobiltelefon einen Notruf abzusetzen. 

Die Rettungskräfte mussten jedoch zunächst herausfinden, wo sich die Hilfesuchenden genau befinden. Die Dämmerung hatte bereits begonnen, vom Land aus sei es nicht möglich gewesen, die Männer zu lokalisieren, fasst Kröger zusammen. Auch für die Feuerwehrtaucher wäre der Einsatz mit großen Problemen verbunden gewesen. Denn vor dem Deich befindet sich das Vorland der Landgewinnung. Es handelt sich um einen teilweise bis zu zwei Kilometer langen und stark mit Gräsern bewachsenen Landstreifen, der gleichzeitig schlickig und mit Gräben durchzogen ist und regelmäßig bei Hochwasser überflutet wird. Für die Taucher bedeutet das, dass es sich um ein sehr unwegsames und kräfteraubendes Gelände handelt. 

Die Lösung bot der Rettungshubschrauber, der Northern Rescue D-HNHF, der primär für die medizinische Versorgung in den Offshore-Windparks in der Deutschen Bucht vorgesehen ist. Doch auch Rettungseinsätze werden von ihm übernommen. Etwa ein bis zwei Mal im Jahr unterstützten die Hubschrauber des privaten Unternehmens Northern Helicopter die Rettung von Menschen aus dem Watt, so ein Sprecher. 

Während die Maschine etwas später über dem Gebiet kreiste, „wurde mit dem Handy in den Himmel geleuchtet, und im Hubschrauber wurde das Licht gesehen“, sagt Ole Kröger. Bereits beim ersten Anflug fanden die Einsatzkräfte die Hilfesuchenden.

Zweimal flog der Northern Rescue ins Watt und zog die Menschen per Seilwinde in Sicherheit. „Beim ersten Anflug war der Notarzt noch mit an Bord, und eine Person wurde gerettet“, so der Feuerwehrsprecher. Beim zweiten Anflug – diesmal ohne Notarzt – war Platz für die letzten beiden Hilfesuchenden.

„Ohne Hubschrauber wäre es schwierig geworden“, sagt Lars Paulsen von der Feuerwehr Brunsbüttel-Ort, der die Einsatzleitung hatte. Einer der Männer sei bereits bis zur Brust eingesunken gewesen, ein weiterer bis zur Hüfte und der dritte bis zu den Knien. „Nicht nur an die Männer über den Land- oder Wasserweg heranzukommen, wäre sehr zeitaufwändig und kräftezehrend gewesen, sondern auch die Befreiung aus dem Schlick selbst. Die Einsatzkräfte wären ebenso im Schlick eingesunken und hätten keine Möglichkeit, die nötige Kraft aufzuwenden, um die Personen aus dem Schlick zu ziehen."

Der Hubschrauber setzte die Schiffbrüchigen am Deich ab. „Sie waren alle durchgefroren, aber sonst wohlauf“, sagt Ole Kröger. Alle seien mit dem Rettungswagen abtransportiert worden. Gegen 1 Uhr war der Einsatz für die Feuerwehrleute beendet.