Marne

Dürrehilfen kommen bei Landwirten nicht an

Der Sommer 2018 sorgte mit hohen Temperaturen und ausbleibendem Regen für die schlechteste Ernte seit mehr als 40 Jahren in Schleswig-Holstein. Beim Landesamt (LLUR) wird noch daran gearbeitet, die finanziellen Schäden auszugleichen. Doch viele Landwirte gehen leer aus. 

1075 Anträge auf die sogenannte Dürrehilfen waren im Land gestellt worden. Das heißt, etwa neun Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe wollten von den Geldern profitieren, mit denen die Ernte- und damit Einnahmeausfälle oder höhere Ausgaben für den Zukauf von Futter ausgeglichen werden sollen. Wer Kohl anpflanzte, hatte Glück: Der schlechten Ernte folgten steigende Preise für das Gemüse.

Trotzdem gab es auch in Dithmarschen Betriebe, die entsprechende Anträge stellten. Es seien etwa 30 Höfe gewesen, sagt Hans-Jürgen Henßen vom Kreisbauernverband. „Und von denen haben schon mehr als 20 eine Ablehnung bekommen.“  

Das größte Problem für die Landwirte ist in seinen Augen die Nachweisbarkeit des Schadens: Die Ertragsrückgänge müsse mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen drei Jahre betragen. „Beim Getreide kann man das messen“, sagt Henßen. „Aber beim Mais und Gras nicht.“ Mais etwa werde gleich ins Silo verbracht. „Das wiegt kein Mensch.“ Und deshalb könnten die Betroffenen auch nicht nachweisen, wie groß ihr wirtschaftlicher Schaden sei. 

Laut Landesamt gibt es viele Argumente für eine Ablehnung des Antrages. „Die häufigsten Gründe sind ein Ertragsrückgang im Dürrejahr 2018 von unter 30 Prozent im Vergleich zum Referenzzeitraum, ein zu hohes Privatvermögen der Antragsteller oder eine nicht feststellbare Existenzgefährdung des Betriebes“, teilt Sprecher Martin Schmidt auf Nachfrage mit. „Bislang wurden noch keine Anträge auf Gewährung einer Dürrehilfe positiv beschieden, sondern lediglich Ablehnungen verschickt.“ Fälle, in denen die bereits im vergangenen Jahr gezahlte Teilhilfe zurückgefordert werde, gebe es bislang keine. „Es ist aber davon auszugehen, dass es im Einzelfall dazu kommen wird“, so Schmidt weiter. Etwa 15 Prozent der 1075 Landwirte hatten diesen Vorschuss auf die Hilfszahlung beantragt. 

Aber schon die Antragsstellung für die Existenzhilfe schreckte offenbar ab. So berichten mehrere Landwirte gegenüber unserer Zeitung, dass sie zu kompliziert und zu weitreichend gewesen seien, etwa wenn es um die Einkünfte Verwandter ging. Wie das konkret aussieht, erläutert Henßen: Neben dem Privatkonto musste man alle Wirtschaftsdaten des Betriebes während der vergangenen drei Jahren offenlegen. Auch alle Adressen der Personen, mit denen der Antragsteller zu tun habe, wie Steuerberater, Banken und Rechtsanwälten, seien anzugeben gewesen. „Der Aufwand war nicht ganz klein. Fakt ist aber, dass nicht er, sondern die Hürden das größte Problem waren“, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. „Die Voraussetzungen, um Dürrehilfen zu bekommen, waren relativ hoch.“ Zudem sei das Antragsformular nur online auszufüllen gewesen.