Gudendorf

Emotionales Gedenken 

75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee haben gestern Abend Menschen in der Gedenkstätte Gudendorf den dort verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen gedacht und Lichter entzündet. Die Botschaft der Initiative Blumen für Gudendorf,  die zur Aktion eingeladen hatte, war eindeutig: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.

Die ersten Worte an die zahlreich erschienenen Besucher, zu denen auch Neunt- und Zehntklässler der Meldorfer Gemeinschaftsschule gehörten, richtete Gudendorfs Bürgermeister Werner Höfs. „Dass so viele Menschen hier und heute zusammengekommen sind, ist einfach schön und eindrucksvoll. So etwas hat es hier noch nie gegeben.“ 

Eindrucksvoll war eine treffende Beschreibung der Wege rund um die Stele. Zahlreiche Teelichter säumten den gesamten Weg dorthin sowie eine der Grabflächen ein kleines Stückchen weiter den Hügel hinunter. Rund eine Dreiviertelstunde lang haben Mitglieder von Blumen für Gudendorf im Vorfeld der Gedenkaktion Lichter aufgestellt und Strahler errichtet, die später die Stele in Licht tauchten. 

„In Deutschland gibt es den 27. Januar und den 8. Mai als besondere Feiertage. Am 27. Januar wird den Opfern des Nationalsozialismus und der Befreiung von Auschwitz gedacht, am 8. Mai das Kriegsende gefeiert. Beide Ereignisse haben die sowjetischen Gefangenen nicht mehr miterlebt, weil sie da schon tot waren“, sagte Benno Stahn stellvertretend für die Initiative Blumen für Gudendorf. „Wir sind heute hier, um den Menschen zu gedenken, die hier zu Tode gekommen sind und für die es sonst kaum ein Gedenken gibt.“

Gleichzeitig nutzte Stahn die Gelegenheit, um vor einer neuen Russlandfeindlichkeit zu warnen, die dieser Tage neu zu erleben sei. Er nannte als Beispiel ein groß angelegtes Militärmanöver der Nato an der Grenze zu Russland, das nichts anderes bezwecken würde, als Russland zu bedrohen. „Wir sind es den Opfern von Gudendorf schuldig, für ein freundschaftliches Verhältnis mit Russland einzutreten.“

Dr. Dietrich Stein unternahm einen kleinen Ausflug in die Historie und schilderte die Zustände in Gudendorf zur Zeit des Nationalsozialismus, als zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene aus unterschiedlichsten Gründen in dem kleinen Ort nahe Meldorf den Tod fanden und in einem kleinen Waldstück abseits des Ortskerns verbuddelt wurden. 

Der Höhepunkt der Gedenkaktion folgte zum Schluss. Da lasen vier Schüler der Meldorfer Gemeinschaftsschule im Schein einer Taschenlampe aus den Biografien von Marco Rowenko, Roman Grankin und Iwan Walanow vor, die 1944 in Gudendorf den Tod fanden. Rowenko starb mit Mitte 20 durch Suizid, Grankin als 44-Jähriger durch schwere Verletzungen  hervorgerufen durch Bombensplitter und Walanow im Alter von 32 Jahren an einem Magengeschwür.