Brunsbüttel

Fake-Bushaltestelle für Demenzkranke

In Brunsbüttel gibt es ab sofort eine neue Bushaltestelle: Sie befindet sich direkt im Westküstenklinikum. Angefahren wird sie natürlich nicht, obwohl das Haltestellenschild und der Fahrplan original sind. Vielmehr geht es um Vorbeugung.

„Demenzkranke Menschen neigen häufig dazu, wegzulaufen“, sagt Krankenhaussprecher Sebastian Kimstädt. Sie wollen oft wieder dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Eine Haltestelle verknüpfen sie mit einer Fahrt nach Hause. Die starke Lauftendenz kann gefährlich werden, wenn das Personal nicht rechtzeitig mitbekommt, dass ein Patient das Gebäude verlassen will. „Wir haben bemerkt, dass sich die Patienten dann auf die Bank setzen und warten, in der Annahme, dass der Bus kommt. So können sie vom Pflegepersonal abgeholt und wieder auf ihr Zimmer gebracht werden.“ Die falsche Bushaltestelle ist laut Kimstädt der Auftakt einer Reihe von Maßnahmen zum Thema Demenz.

Die Idee geht zurück auf Fachpfleger Simon Borchart, er hatte sie während eines Lehrgangs kennengelernt und nach Brunsbüttel mitgebracht. Der Busbetreiber Autokraft stiftete Schild und Fahrplan, der Förderverein des Krankenhauses kaufte eine Bank. 

Pflegeheime wie Krankenhäuser greifen bundesweit immer wieder zu Tricks, um ihre Patienten zu schützen. So werden Türen gerne mal als Bücherregal oder mit Vorhängen getarnt. Manch andere versehen die Eingänge mit Codes, die sich die Patienten nicht merken können.