Meldorf

Naturschützerin soll Strafe für Betreten des Naturschutzgebietes zahlen

Damit hatte sie nicht gerechnet: Vor wenigen Tagen flatterte ein Bußgeldbescheid bei Tanja Matthies, Sprecherin der Bürgerinitiative für Naturschutz im Speicherkoog (BINS), ins Haus: Sie hat vorsätzlich das Naturschutzgebiet im Speicherkoog betreten und Vögel gestört.

Matthies setzt sich seit gut drei Jahren für mehr Naturschutz im Speicherkoog ein. Zunächst war sie Schutzgebietsbetreuerin im Speicherkoog beim Nabu, gab diesen Posten zurück, weil es Streit gab. Später gründete sie die BINS. Ihr ist der fehlende Schutz für die Vogelwelt und die weitere touristische Nutzung des Speicherkoogs durch Ferienhäuser, Radlerherberge und Campingplatz ein Dorn im Auge. Dafür hat die BINS eine Petition im Landtag gestartet und vor Kurzem eine Anhörung gehabt. 

Zum Verhängnis ist Tanja Matthies ein Fernsehbeitrag im NDR geworden. Dort wurde sie von einem Kamerateam in den Speicherkoog begleitet. Sie stand am Kronenloch vor dem Schild, das auf das Betretungsverbot hinweist. Um zu demonstrieren, wie nah viele Besucher dort ans Wasser gingen, machte sie so viele Schritte auf einem Pfad in Richtung Kronenloch, dass eine größere Gruppe von Wasservögeln aufgescheucht wurde. Sie ging dann, offensichtlich überrascht von den Auswirkungen, schnurstracks zurück in Richtung Straße. 

Für den Kreis Dithmarschen ist die Sache eindeutig. „Frau Matthies wird vorgeworfen, vorsätzlich das Naturschutzgebiet Kronenloch betreten zu haben, obwohl dies verboten ist“, sagte Björn Jörgensen, Sprecher des Kreises. Zudem sei ein „Trupp Wasservögel bei der Rast und Nahrungsaufnahme gestört worden“. Die Höhe des Bußgeldes, mag auf den ersten Blick überhöht erscheinen, sei aber gerechtfertigt. „Das Betreten eines Naturschutzgebietes wird mit mindestens 500 Euro Bußgeld geahndet“, so Jörgensen. Im Fall von Tanja Matthies gebe es noch einen erschwerenden Tatbestand: „Als ehemalige Schutzgebietsbetreuerin im Speicherkoog war sie sehr genau über das Betretungsverbot informiert, sie hatte eine gesteigerte Erkenntnismöglichkeit.“ Aus diesem Grund fiel das Bußgeld noch höher aus: 896 Euro, mit Gebühren und Auslagen. 

Ins Rollen gebracht hat den Fall eine Anzeige beim Kreis Dithmarschen. Die hat der jetzige Nabu-Schutzgebietsbetreuer für den Speicherkoog, Ernst Gloe, gestellt, nachdem er den Fernsehbeitrag gesehen hatte. Matthies wollte sich zu den Details nur in soweit äußern: „Das war sicher unüberlegt von mir und ich würde das nicht wieder tun. Hier geht es um die Höhe des Bußgeldes. Das ist unangemessen und nicht sachlich.“ Schließlich habe sie jahrelang auf das Fehlverhalten von anderen beim Kreis hingewiesen, passiert sei damals aber nichts. 

Sie hat Einspruch gegen den Bußgeldbescheid eingelegt. Das weitere Verfahren, sollte der Kreis den Einspruch nicht berücksichtigen, wäre der Gang zum Amtsgericht, das dann darüber entscheiden müsste. Dies könnte auch ohne öffentliche Hauptverhandlung geschehen, wenn keine der Parteien dem widerspricht.