— Heide —

Feuerwehr rettet Bewohner und Haustiere

von Ralf Tiessen Samstag, 3. November 2018 23:18 Uhr


Heide -

Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und DRK. Der Dachstuhl eines Wohnblockes an der Johann-Hinrich-Fehrs-Straße brannte lichterloh.

Sonnabend, 20.50 Uhr: Sharlin Hansen hörte es Knallen und Zischen. Seit einem Jahr lebt die 20-Jährige mit ihrem Lebensgefährten Finn Helmers im Haus 78. „Ich dachte anfangs an ein Feuerwerk, aber als ich aus dem Fenster schaute, sah ich ein rotes Schimmern.“ In der Dachgeschosswohnung über ihr brannte es. Noch während sich die beiden ins Freie retteten, alarmierte der 19-jährige Freund die Feuerwehr. Viel sehen konnten sie auf der Straße nicht. Dichter Rauch behinderte entlang des Wohnblocks die Sicht. Aus den umliegenden Häusern flüchteten immer mehr Menschen ins Freie.

Als der Alarm die Rettungskräfte erreichte, standen noch gut 25 Feuerwehrleute vor dem Gerätehaus. „Am Abend waren wir beim Laternelaufen“, sagt Wehrführer André Eichert. So war er mit der ersten Truppe schnell vor Ort. Das Feuer habe er zunächst nicht gesehen, so stark schränkte der Rauch das Sichtfeld ein. Erst, als er mit dem Einsatzfahrzeug vor dem Haus 78 stand, sah er Flammen. „Da war das Feuer schon durch den Dachstuhl durchgebrochen.“ Am Straßenrand bot sich den Rettern ein dramatisches Bild. „Da standen überall Menschen.“ Die Lage war ernst. Ersten Informationen zufolge waren mehrere Menschen und ein Hund vermisst.

Am schlimmsten betroffen: das Haus 78, in dem acht Bewohner gemeldet sind. Mit Atemschutz ausgerüstet begann die Suche. „Aber nach wenigen Minuten musste ich meine Leute dort zurückziehen“, schilderte Wehrführer Andre Eichert. Zu groß sei die Gefahr der Retter gewesen. Von oben stürzten Dachpfannen und andere Gegenstände herunter. Dennoch gelang es den Feuerwehrleuten, den kompletten Wohnblock innerhalb kürzester Zeit zu evakuieren. Später vermeldeten die Kräfte: „Wir haben alle retten können – auch den Hund.“ Lediglich ein Bewohner musste vorsorglich mit dem Rettungswagen ins Westküstenklinikum gefahren werden. Zudem mussten sich mehrere Feuerwehrkräfte lange Zeit intensiv mit einer Person beschäftigen, die immer wieder ins brennende Gebäude wollte, schilderte Eichert. „Das war nicht schön, da ich die Einsatzkräfte an anderer Stelle besser hätte einsetzen können.“

Während der Löscharbeiten wurden viele Bewohner des Blockes 74-80 im nahe gelegenen Fitnessstudio betreut und versorgt. „Das hat super funktioniert“, lobt eine Frau. Schnell war jedoch klar, dass eine Rückkehr in die Wohnungen nicht möglich sein wird. Die Jugendherberge bot sich als Lösung an. Nach Angaben des Wehrführers sollen fünf Bewohner das Angebot genutzt haben, die Nacht in der Unterkunft zu verbringen. „Alle anderen sind zunächst bei Freunden und Verwandten untergekommen“, sagte Eichert am späten Abend.

Etwas Unruhe kam gegen 22.30 Uhr in einem Abschnitt des Einsatzgebietes auf. Sharlin Hansen und ihr Freund meldeten sich beim Einsatzleiter. Sie erkundigten sich nach ihrem Chamäleon, dass sich noch in der Wohnung befand. André Eichert schnappte sich sofort einen Feuerwehrmann und durchsuchte die Wohnung. Nach wenigen Minuten kamen die beiden mit einem Terrarium ins Freie. André Eichert strahlte. Der fünf Monate alte Rover hatte überlebt. Nachdem Sharlin Hansen sich von der erfolgreichen Rettung überzeugt hatte, konnte auch sie wieder ein wenig lächeln. Die 20-Jährige und ihr Freund verbrachten die Nacht vorübergehend bei ihrer Schwester.

Wie es zum Feuer kommen konnte, werden in den nächsten Tagen die Beamten der Spurensicherung klären. Zur Höhe des Schadens machte die Polizei bislang noch keine Angaben. Fest steht jedoch, dass mehrere Wohnungen des Blocks unbewohnbar sind.





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