Tellingstedt aktualisiert

Gasleitung angebohrt: Häuser evakuiert

Kalte Häuser, heiße Drähte: Eine Erdrakete löste in Tellingstedt am Mittwochnachmittag eine Evakuierung und einen Heizungsausfall in breiter Fläche aus. 1780 Haushalte in insgesamt 18 Gemeinden waren von dem Unfall betroffen, weil die Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz) den Gashahn abdrehte.

Gegen 15 Uhr schoss eine Tiefbaufirma eine Erdrakete am oberen Ende der Heider Straße nahe der Kirche quer über die Straße. Mit dieser können Leitungen unter der Erde verlegt werden, ohne dass die Straße aufgerissen werden muss.

Laut Polizei haben die Arbeiter ausgesagt, dass in den Bauplänen keine Leitung verzeichnet war. Also schossen sie munter drauf los. Ihr Ziel: Eine Elektroladesäule mit Strom zu versorgen – himmlische Energie steht auf der Säule. Stattdessen gab es zunächst teuflisches Gas. Einen harten Gegenstand hätten die Tiefbauer beim Bohren durchaus bemerkt. Doch da es ihrer Meinung nach keine Leitung gab, überwand die Rakete das Hindernis – und das Gas strömte aus.

„Es handelt sich um eine Hochdruckleitung“, sagte Lara Falk von der SH Netz gestern Nachmittag. „Die Kollegen sind vor Ort.“ Schnell roch es im Ort nach dem Gas. Zunächst versuchte der Versorger, das Problem schnell ohne weitere Maßnahmen zu beheben. Doch der Schaden war zu groß. Gegen 15.15 Uhr kamen Polizei und Tellingstedter Feuerwehr zu Hilfe. Sie entschieden, die Heider Straße zu sperren, und riefen die Einwohner auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

„Sie mussten die Häuser evakuieren“, sagt Falk. Circa 20 Haushalte waren davon betroffen. Der Küster der Gemeinde sperrte schnell die St.-Martin-Kirche auf. Doch viele nutzten das Angebot gar nicht. Sie gingen zu ihren Nachbarn oder einen Kaffee trinken.

Nachdem die Hauptleitung abgesperrt war, wartete die SH Netz zunächst, bis sich das ausgeströmte Gas verflüchtigte und Reste aus den Rohren waren. Lange war der faulige Gestank noch zu riechen.

Der Unfall sorgte unter anderem bei Heizungsbauer Sascha Riecke für glühende Drähte. Doch auch er war bei den kalten Gasthermen machtlos. „Wir werden noch etwa vier Stunden brauchen“, sagte Lara Falk gegen 17.30 Uhr. Da beendete die Feuerwehr gerade ihren Einsatz. Gefahr bestand zu dem Zeitpunkt nicht mehr, die Einwohner konnten ihre Häuser wieder beziehen.

„Es kann sein, dass einige Heizungen nicht von allein wieder anspringen“, sagte Falk. Rieckes Tipp: Auf Reset drücken oder einmal aus- und wieder anschalten. Zur Hilfe wollten und wollen außerdem die Mitarbeiter der SH Netz von Haus zu Haus gehen und sich bei den Einwohnern erkundigen, ob alles läuft. „Die Kollegen weisen sich aus“, sagte Falk sicherheitshalber.

Diese Gemeinden waren betroffen: Kleve, Fedderingen, Wiemerstedt, Norder- und Süderheistedt, Barkenholm, Hennstedt, Linden, Hollingstedt, Glüsing, Delve, Pahlen, Dörpling, Erfde, Tielen, Schalkholz und nicht zuletzt ein Haushalt in Ostrohe. bg