Heide

Heides Bürgermeister will beim Bahnhofsumfeld Tempo machen

Die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes ist für die Stadt langwieriger als gedacht. Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat rechnet im kommenden Jahr mit dem Baubeginn für einen neuen Busbahnhof. 

Das sieht alles ganz schön aus: Von der Kreuzstraße könnte man durch eine Parkanlage bis zum neuen Zob an der Bahnhofwestseite schlendern, dann über einen ebenfalls begrünten Bahnhofsvorplatz laufen, der eine fußläufige Verbindung nach Lüttenheid und zur Friedrichstraße darstellt: So eine vorzeigbare Lösung aus einem Guss zeigt jedenfalls der vor einigen Jahren von der Stadt aufgelegte Rahmenplan „Bahnhofsumfeld“, der nötig ist, um Städtebaufördermittel für die vielschichtige Umwandlung des gesamten Areals abzugreifen. 

Passiert ist bislang nichts – bis auf den Abriss zahlreicher Gebäude vor dem Bahnhof Anfang 2018. Aber das hat seinen Grund: Im Rahmenplan sind nämlich Dinge festgehalten, die die Stadt so nicht mehr umsetzen kann und will. Beispiel Grünanlage entlang der Schienen bis zur Kreuzstraße: Im Plan wird das marode Bahnwärterhaus noch als Nutzungsobjekt angegeben, jetzt aber will die Stadt den Komplex abreißen. Allerdings kann sie das nicht so einfach: Dafür nämlich muss sie den Rahmenplan wiederum ändern – oder teilfortschreiben, wie es im Fachjargon des Bauamtes heißt. Ansonsten winken keine Fördergelder aus Kiel.

Hier hat der Bauausschuss noch vor der Sommerpause ein Häkchen gemacht und diese Änderung beschlossen. Doch die Realisierung der Parkanlage wird vor dem kommenden Jahr nichts – schließlich kostet der Abriss des Bahnwärterhaus 75 000 Euro, die gesamte Anlage um die 740 000 Euro. Ein Drittel der Mittel muss die Stadt aufbringen, die anderen zwei Drittel kommen jeweils von Bund und Land. 

Auch beim Neubau des Busbahnhofs am Bahnhof passiert vor dem kommenden Jahr nichts. Was Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat (SPD) auch wurmt. „Wir brauchen mindestens zwölf Stell- und Halteflächen“, sagt der Rathauschef. Was nicht im Rahmenplan verzeichnet ist. Bis jetzt gibt es lediglich fünf. „Also schneiden wir den Bereich durch eine Fortschreibung ebenfalls raus“, so Schmidt-Gutzat in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Er wundert sich nach eigenen Worten darüber, dass das nicht schon früher, vor seiner Amtszeit, angegangen worden ist. Nun rechnet er damit, dass diese zweite Teilfortschreibung noch in diesem Jahr in den Gremien der Stadt beschlossen wird. „Dann könnten wir vielleicht in einem Jahr mit dem neuen Zob loslegen.“ 

Der Bürgermeister will jetzt bei dem Projekt auf die Tube drücken, denn erst wenn der alte Busbahnhof am Wasserturm in den neuen integriert ist, kann ein für Heide weiteres wichtiges Projekt beginnen: ein Hotelbau, geplant auf dem Areal, wo sich derzeit der alte Zob befindet. Investor ist Werner Stelling aus Hamburg, die Projektberatung liegt in den Händen von Heides ehemaligen Bürgermeister Ulf Stecher. Laut Schmidt-Gutzat warte die Stadt nun auf genauere Pläne des Investors. Die Fassade des Hotels, das 80 Zimmer mit 160 Betten haben soll, könnte jedoch noch ein Streitpunkt werden. „Es muss sich ins Gesamtbild an dieser Stelle der Stadt einfügen“, sagt der Bürgermeister. Außerdem haben die Kieler Denkmalschützer aufgrund der Nähe zum Wasserturm und des Ehrenmals noch ein Wörtchen mitzureden. 

Eine Vorstellung, wie die Hotelfassade aussehen könnte, hat Schmidt-Gutzat schon: „Denkbare wären verschiedenen Fassaden, so wie das Lighthouse in Büsum.“ In der Partnerstadt Anklam hat Heides Rathauschef kürzlich ebenfalls so einen Baustil gesehen: „Verschiedene Hausfassaden lockern das Gesamtbild auf und dahinter befindet sich ein Gebäude.“ Gleichwohl lässt Schmidt-Gutzat keine Zweifel an dem Vorhaben des Hamburger Investors. „Wir wollen dieses Hotel.“

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