— Dithmarschen—

Hoher Druck auf dem Heider Wohnungsmarkt

von Redaktion Freitag, 14. September 2018 19:56 Uhr


 

Heide hat ein Wohnungsproblem – zumindest für Senioren mit schmaler Rente, Alleinerziehende und kinderreiche Familien. Wer nicht viel Geld für die Miete aufbringen kann, gerät in arge Not. Das belegt der aktuelle Bericht des Kommunal-Diakonischen Wohnungsverbands.

Der sozial geförderte Wohnungsbau ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten vernachlässigt worden. Zuletzt wurde eine Anlage mit 28 Wohneinheiten für Familien an der Apenrader Straße gebaut. Leerstände gebe es nicht. Alte und neue Mieter geben sich gewissermaßen die Klinke in die Hand, so sinngemäß Dörte Springer, die beim KDWV für die Verwaltung und Vermietung zuständig ist. 

1998 wurde die Wohnanlage eingeweiht. Die Apenrader Straße ist bisher das einzige Objekt dieser Art des KDWV, der sich in Trägerschaft der Stadt und des Kirchenkreises Dithmarschen befindet. Der Verband kümmert sich um diejenigen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen haben. Er wurde gegründet, um Obdachlosigkeit zu vermeiden.

Die Zahlen des aktuellen KDWV-Berichts sind alarmierend. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Haushalte, die dringend eine bezahlbare Wohnung suchten, um ziemlich genau zehn Prozent gestiegen – von 196 im Jahr 2016 auf 216 im Jahr 2017. 2014 suchten 167 Haushalte dringend eine bezahlbare Wohnung. 

Die Situation sei weiterhin extrem angespannt, sagt Anke Rosenkranz, Geschäftsführerin des KDWV. „Nicht zuletzt deshalb, weil in Heide in den vergangenen Jahren kein sozialer Wohnraum geschaffen wurde.“ Verschärft werde die Situation dadurch, dass manche Wohnungsgesellschaften nicht an Empfänger von Sozialleistungen, Migranten mit befristeter Aufenthaltserlaubnis und Menschen mit Schufa-Einträgen vermieteten. 

In dem aktuellen Bericht des Verbandes heißt es: „Es ist unumgänglich, dass schnellstmöglich sozial geförderter Wohnraum entsteht.“ Deswegen will der KDWV selbst bauen. Die Idee, einen Block mit 20 Wohneinheiten hochzuziehen, ist im vergangenen Jahr entstanden. 

„Erst einmal ist festzustellen, dass das Schaffen von sozialem Wohnraum nicht originäre Aufgabe des KDWV ist“, sagt Rosenkranz. Aber der Verband ziehe inzwischen diese Möglichkeit in Betracht, um selbst aktiv für eine Verbesserung der Situation zu sorgen. Aktuell befänden sich die Stadt Heide und die Kirche in intensiven Abstimmungsgesprächen über das Vorhaben.

Die Chancen, dass Privatinvestoren wieder in den Markt mit bezahlbarem Wohnraum einsteigen, sind gestiegen. Die Rahmenbedingungen für Investoren seien inzwischen viel besser geworden, sagt Rosenkranz. „Wir gehen deshalb davon aus, dass künftig wieder mehr sozialer Wohnraum in Heide geschaffen wird. Besonders wichtig war in diesem Zusammenhang die Anpassung der Regionalstufe.“ Heide wurde bei der Miethöchstgrenze für Sozialwohnungen hochgestuft. 

Beim sozial geförderten Wohnungsbau galt für Heide bis 2017 eine Mietpreisobergrenze von 4,85 Euro pro Quadratmeter. „Es hat sich aber gezeigt, das dafür kein Unternehmen bauen wollte. Denn kostendeckend war das nicht möglich“, erklärt Bürgermeister und KDWV-Vorsteher Ulf Stecher (CDU). Mit der Erhöhung der Regionalstufe gelte nun eine Mietpreisobergrenze von 5,60 Euro pro Quadratmeter. Hinzu komme ein neues Programm des Landes. „Es fördert jeden Quadratmeter sozialen Wohnraum mit 200 Euro.“ 

Im vergangenen Jahr hatten zudem Bauausschuss und Ratsversammlung beschlossen, bestimmte städtische Flächen vergünstigt zu verkaufen, wenn sich der Investor dazu verpflichtet, mindestens 30 Prozent des geschaffenen Wohnraums als sozialen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Die Maßnahmen von Landes- und Stadtseite tragen erste Früchte, sagt Stecher. „Wir befinden uns bereits mit drei Unternehmen in konkreten Gesprächen.“

 





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