Heide

Immer mehr Dithmarscher schätzen das Reisen mit dem Wohnmobil

Koffer packen, einsteigen, Schlüssel umdrehen – und schon geht es los. Der Urlaub im Reisemobil boomt bundesweit. Auch in Dithmarschen gab es noch nie so viele zugelassene Ferienhäuser auf Rädern. 

Sam Weichelt ist Wohnmobilist durch und durch. Das hat der 34-Jährige wohl mit der Muttermilch eingesaugt. „Schon mit meinen Eltern bin ich ständig damit im Urlaub gewesen.“ Demnächst will er mit so einem Fahrzeug durch Südafrika fahren. Die Leidenschaft für diese Art des Reisens hat Weichelt seit einigen Jahren zu seinem Beruf gemacht. In Lohe-Rickelshof verkauft er Reisemobile – und vermietet welche. Obendrein wartet er die schweren Fahrzeuge für seine Kunden. Noch in diesem Jahr nimmt der junge Unternehmer 200 000 Euro für eine Erweiterung seines Betriebs in die Hand. Er spürt die Riesen-Nachfrage von Dithmarscher Reisemobil-Fans. Und kennt die Gründe: „Das sind die Baby-Boomer.“ Damit meint er die 1960er-Jahrgänge. „Viele von ihnen haben ihr Haus verkauft und wollen auf Reisen gehen“, so Weichelt. 

Den Trend kennt Geschäftsführer Daniel Onggowinarso vom Caravaning Industrie Verband (CIVD). Die Menschen über 50 seien die wichtigste Zielgruppe der Branche, so Onggowinarso. Außerdem gefalle der Urlaub auf Rädern auch jüngeren Familien, die gerne in der Natur sein wollen. „Das Reiseverhalten hat sich gewandelt“, sagt Oliver Waidelich, Geschäftsführer des Deutschen Caravaning Handels-Verbandes (DCHV). Die Dauer der einzelnen Reisen werde nach seinen Worten immer kürzer. „Reisemobile geben da die gewünschte Flexibilität und Unabhängigkeit“, sagt Waidelich. Wer mit dem Reisemobil unterwegs sei, habe auch meist den Wunsch, nah an der Natur, der Sehenswürdigkeit oder einer großen Veranstaltung zu sein. „Mit dem Reisemobil ist man quasi mittendrin statt nur dabei.“ 

Die rapide gestiegene Zahl an Neuzulassungen belegt die Entwicklung: Allein seit Jahresanfang sind laut CIVD 44 000 Reisemobile und Wohnwagen in Deutschland zugelassen worden – das sei ein Zuwachs um 14 Prozent, so der CIVD. Dithmarschen steht dem in nichts nach: Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind im Kreis derzeit 1492 Wohnmobile registriert. Das ist ein neuer Rekord. Damit wuchs der Bestand der Fahrzeuge seit 2011 um 544 oder um 57,4 Prozent. Und um das statistisch noch weiter zu spinnen: Auf 1000 Einwohner im Kreis kommen 11,2 Wohnmobile – das ist Platz 22 in Deutschland. Der CIVD rechnet in den kommenden Monaten mit weiter starken Absatzzahlen von Reisemobilen und Caravans. Die Branche nehme Kurs auf das dritte Rekordergebnis in Folge, so der Verband in einer aktuellen Mitteilung. 

Vor allem haben die Hersteller auf den Boom reagiert – ein Ferienhaus auf Rädern ist zwar nicht gerade billig, aber auch nicht mehr so kostspielig wie noch vor Jahren. Der derzeitige Renner seien kompakte Modelle, sagt Sam Weichelt. Die kosten um die 50 000 Euro – und sind nicht so breit wie herkömmliche Reisemobile. „Mit einer Breite von 2,20 Metern sind die gut in den Städten zu fahren“, erläutert der Loher Händler. Zur Ansicht schließt er die Tür eines Fahrzeugs auf. Das Ferienwohnzimmer des künftigen Eigentümers lässt nicht viel vermissen: moderne Sitzecke, Küche mit Herd, großer Flach-Fernseher mit Empfang über eine Satelliten-Anlage, Duschbad und hinten zwei getrennte Betten. Die Zeit des Alkovens ist vorbei. „Dort will niemand mehr hineinkrabbeln“, sagt Weichelt. Das Wohnmobil von früher ist in der digitalen Welt angekommen. Über das Smartphone lassen sich Heizung, Klimaanlage oder der Füllstand der Gasflasche ablesen. „Viele Kunden lassen sich auch eine GPS-Überwachung einbauen“, so Weichelt. Im Fall des Diebstahls können sie so den Täter per Bildschirm folgen. 

Und worauf nehmen Kunden im Urlaub Kurs? „Viele fahren am liebsten durch Deutschland“, sagt der Händler. Weichelt glaubt auch, dass die riskante politische Lage in Ländern wie der Türkei oder Ägypten den Reisemobilurlaub in den vergangenen Jahren mit begünstigt hat. Die klassischen Reiseziele gibt es bei den Wohnmobilisten übrigens auch noch: „Na klar, Gardasee und Kroatien ist nach wie vor Kult“, sagt Weichelt.