Albersdorf

In Albersdorf gedrehter Dokumentarfilm kommt ins Fernsehen

Eine Doku über mögliche erste kriegerische Auseinandersetzungen der Menschheit läuft jetzt bei Arte. Für die Freunde des Steinzeitparks wird es umso spannender, weil Albersdorf der Drehort war.

Wenn die Dokumentation „Gewalt und Kannibalismus, Tatorte in der Jungsteinzeit“ am kommenden Sonnabend über den Bildschirm flimmert, dürfte es für Mitarbeiter, Freunde und Förderer des Steinzeitparks Dithmarschen besonders spannend werden: gedreht wurde in Albersdorf.

Einige Freunde des Steinzeitparks haben im Juni 2018 die etwa eine Woche andauernden Dreharbeiten verfolgt, einige haben als Komparsen vor der Kamera mitgewirkt. „Ich habe eine Leiche gespielt“, sagt Ute Blöchel aus Schafstedt. Auch bei anderen Szenen habe sie in steinzeitlichen Gewändern mitgespielt. „Das war schon super interessant“, sagt sie. „Wir haben eine Nachtszene gedreht im Wald mit Musik. Da war sogar die Regisseurin Gabriele Wengler sichtlich gerührt.“

Für sie war es das erste Mal, dass sie vor laufender Kamera stand. Beeindruckend fand sie das große Aufgebot an Technikausrüstung. Die Produktionsfirma Caligari aus München hatte im Steinzeitdorf zum Beispiel einen riesige Bluescreen aufgebaut. Mehr als 30 Steinzeitfreunde aus Norddeutschland hatten als Komparsen mitgewirkt, als Siedler, die ihren täglichen Arbeiten nachgingen, aber auch als Krieger, die mit Pfeil und Bogen über die Zeitgenossen herfielen. Bis in die Abendstunden, bis es dämmerte, dauerten die Dreharbeiten, um einige Nachtszenen einzufangen.

„Die Produktionsfirma hat sich in Europa nach geeigneten Drehorten umgeschaut, und ist von Albersdorf überzeugt gewesen“, sagt Rainer Grohmann. Der Mann vom Förderverein war während der Dreharbeiten Kontaktmann zum Filmteam und Mädchen für alles. „Rainer, mach mal“, hatte es immer wieder geheißen, ob es darum ging, zwei Kühe zu besorgen, oder um die Koordination der Dreharbeiten. „Aber es gab eine fantastische Zusammenarbeit, als ob wir schon seit Jahren zusammengearbeitet hätten.“ Dass während der normalen Öffnungszeiten des Freilichtmuseums gedreht wurde, bereitete keine Probleme. Im Gegenteil: Die Gäste waren neugierig und schauten gerne zu und hielten sich an die Anweisungen.

Spannend wie ein Krimi zeigt die Dokumentation „Gewalt und Kannibalismus – Tatorte in der Jungsteinzeit“ das Leben und den grausamen Niedergang unserer Vorfahren aus der Jungsteinzeit. Überraschende Fakten enthüllen jenseits von Klischees das Rätsel, wie es im „Paradies“ zu Feindschaft und Massaker kommen konnte, kündigt Caligari-Film die Produktion für Arte an und erweckt „diese dunkle Epoche der Menschheitsgeschichte mit aufwendigen Reenactment-Szenen eindrucksvoll zum Leben.“

Hintergrund der Dokumentation sind jüngere Entdeckungen etwa von Massengräbern in Halberstadt in Sachsen-Anhalt, die Hinweise auf blutige Auseinandersetzungen gaben. Ausgehend von den  Funden weiterer prähistorischer Massengräber entwirft der Film ein Panorama der damaligen Lebenswelt, einer Epoche, in der die Menschen auf dem Gebiet Deutschlands erstmals sesshaft wurden.

Die Sesshaftwerdung führte offenbar auch zu neuartigen Konflikten. Mit dem Anspruch auf Eigentum kommen Neid, Habsucht und Gewalt auf. Der Film geht der Frage nach: „Müssen wir davon ausgehen, dass der Mensch vor rund 7000 Jahren den Krieg erfand?“ Angelegt als kriminalistische Spurensuche bringt der Film dem Zuschauer eine kaum bekannte, aber enorm folgenreiche Epoche der Menschheitsgeschichte in ihrer ökonomischen, sozialen und spirituellen Komplexität nahe.

Der Film aus der Reihe Terra X läuft am Sonnabend, 23. März, auf Arte um 20.15 Uhr. In der ZDF-Version wird er unter dem Titel „Tatort Steinzeit – Deutschland vor 7000 Jahren“ am 26. Mai um 19.30 Uhr ausgestrahlt.