Brunsbüttel

Jürgen Fast betreibt einen Tante-Emma-Laden an der Wurtleutetweute

Vor mehr als einem Jahr hat sich Jürgen Fast einen Traum erfüllt: Der 34-Jährige eröffnete an der Wurtleutetweute ein kleines Geschäft. Auf 65 Quadratmetern bietet der Brunsbütteler alles für den täglichen Bedarf an – und ein offenes Ohr noch dazu.

Jürgen Fast ist vom Fach: 2003 zog er von Marne nach Brunsbüttel und machte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Mit dem Tweute-Shop, wie er seinen Laden nennt, hat sich der junge Mann einen Traum erfüllt. „Ich wollte schon immer selbstständig werden“, sagt er. Im Dezember 2017 eröffnete er an der Kuddelmuddelstraße, wie die Brunsbütteler die Wurtleutetweute gerne nennen, seinen Laden. Auf 65 Quadratmetern ist ein Mix aus Kiosk, Supermarkt und Tante-Emma-Laden entstanden. Alte Werte im neuen Gewand, das bietet er an, sagt Fast. Die Entscheidung, ausgerechnet an der abgelegenen Straße ein Geschäft zu eröffnen, fiel nicht willkürlich. „Ich habe hier früher selbst gewohnt. Als ich noch keinen Führerschein hatte und mir eine Kleinigkeit fehlte, musste ich zu Fuß in die Innenstadt laufen.“

Seinen Kundenstamm hat sich der Brunsbütteler Schritt für Schritt aufgebaut. Am Eröffnungstag zählte er nur 74 Menschen Kunden. „Ich habe Blut und Wasser geschwitzt und mir die Frage gestellt, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe.“ Heute sei er zufrieden und zweifele keine Sekunde. Ab April 2018 verzeichnete der Ladeninhaber, der zwei Angestellte hat, einen langsamen Anstieg der Kundschaft.

Zu ihr gehören Anwohner wie Sabrina Heinrich. Sie sucht den Tweute-Shop jeden Tag auf: „Zwei-, dreimal am Tag bin ich schon hier“, sagt die junge Frau. Sie kauft Zigaretten, Getränke, Knabbersachen. Nichts, was sie nicht auch anderswo bekommen könnte. Und dennoch zieht es Heinrich immer wieder zu Jürgen Fast. „Der Tweute-Shop ist gleich um die Ecke. So etwas hat hier gefehlt. Und Jürgen ist ein freundlicher Mensch“, sagt sie. Wegen der Freundlichkeit geht auch David Behr regelmäßig in den kleinen Laden. „Er liegt direkt in der Umgebung, und ich spare mir die Schlepperei“, so Behr.

Etwa die Hälfte seiner Stammkunden kennt Fast näher, nennt sie beim Vornamen. So wie die Kundin, die beim Hereinkommen die Zigaretten hinter Jürgen Fast fest im Blick hat und um eine Schachtel bittet. „Ich dachte, du hast aufgehört?“, fragt Fast sie. Das habe sie auch, die Zigaretten seien lediglich für einen Freund, erwidert die Frau und ist schon wieder weg. 

Jürgen Fast sagt, dass er sich solange für seine Kunden Zeit nimmt, wie sie Zeit haben. „Wir sprechen über Gott und die Welt, über alles, was anliegt.“ Die Menschen, die bei ihm einkaufen, kommen nicht nur aus der Gegend. Manche fahren sogar von Marne oder Meldorf in den Tweute-Shop – aus einem besonderen Grund. Fast bietet Delikatessen aus Polen, Kroatien und Russland an. Fasts Fazit ist eindeutig: „Die Menschen werden für große Einkäufe immer die Supermärkte aufsuchen. Zu mir kommen sie, wenn es schnell gehen soll, wenn eine Kleinigkeit fehlt“, sagt er.

Wiederentdeckt

Der Handel hat sich gewandelt: Einst waren kleine Geschäfte wie die von Jürgen Fast völlig normal. Heute bieten große Supermärkte die Möglichkeit, Waren im Internet zu bestellen, und nach Hause liefern zu lassen. Selbst der Internetgigant Amazon hat den Markt für sich entdeckt und positioniert sich mit seiner Tochtergesellschaft Amazon Fresh in Deutschland. Die Wiederentdeckung kleiner Geschäfte mit persönlichem  Charakter ist für Wirtschaftspsychologen dennoch kein Widerspruch. Einkaufsorte seien zugleich soziale Treffpunkte – allem Lieferservice zum Trotz.