Wesseln

Kater von Schrotkugeln getroffen

Ein Kater kam am vergangenen Wochenende als Notfallpatient auf den Behandlungstisch. Aufgrund seiner Verletzungen ging die Tierärztin zunächst davon aus, das Tier sei von einem Auto angefahren worden. Doch weiße Punkte auf dem Röntgenbild deuteten auf Schrotkugeln hin.

„Am Sonnabend bekam ich spät abends einen Anruf von einer Familie, die den verletzten Kater an der Kreisstraße in Weddingstedt entdeckt hatte“, berichtet Tierärztin Agne Levandaviciene von der Kleintierpraxis Lavendelhof. Das Tier befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Sein Körper sei abgemagert und dehydriert gewesen. Wunden habe es unter anderem im Nacken- und Halsbereich gehabt. Aus einem seiner Ohren sei Blut geflossen. Eiter sei ausgetreten. Das Trommelfell habe eine Verletzung aufgewiesen, die bei dem Tier zu Gleichgewichtsstörungen geführt habe, so die Tierärztin. Sie geht davon aus, dass die Verletzungen des etwa zehnjährigen Katers bereits eine Woche alt waren, als er in die Praxis gebracht wurde. „Das verletzte Tier musste sich mehrere Tage mit gewaltigen Schmerzen durchkämpfen“, berichtet Levandaviciene. „Es konnte sich nicht ernähren, hatte großen Durst, hat an Gewicht verloren. Die Wunden waren offen. Dabei besteht auch immer die Gefahr, dass Fliegen ihre Eier hineinlegen. Die Larven fressen dann das Gewebe von innen auf.“

Der Kater hat keine Frakturen davongetragen. Aber auf seinem Röntgenbild sind 15 kleine Punkte mit Schwerpunkt im Kopf- und Halsbereich zu erkennen. Sie markieren die in den Körper eingedrungenen Schrotkugeln. „Am Sonnabend haben wir in der Praxis seine Wunden versorgt, ihm Antibiotika und Schmerzmittel gegeben“, fasst die Tierärztin zusammen. „Der Zustand des Katers, den wir Blacky nennen, war sehr kritisch. Inzwischen geht es ihm besser, er erholt sich langsam.“ Über soziale Netzwerke versucht die Tierärztin jetzt, einen möglichen Besitzer des Katers ausfindig zu machen. Bisher blieb die Suche erfolglos.

Wer den Kater angeschossen und verletzt zurückgelassen hat, darüber hat sich Agne Levandaviciene zwar Gedanken gemacht, aber einen Verantwortlichen kann sie nicht ausmachen. „Wir waren nicht dabei, wir wissen nicht, wie es passiert ist“, sagt sie. „Alle Katzenbesitzer sollten aber jetzt ganz besonders auf ihre Tiere aufpassen.“

Losgelöst von dem „Blacky“-Vorfall erläuterte Axel Clausen, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft und Vizepräsident des Landesjagdverbandes ist, was das Landesjagdgesetz grundsätzlich zum Abschuss von Katzen vorgibt. Herumstreunende Katzen dürften, wenn sie mehr als 200 Meter vom Grundstück entfernt sind, von Jägern geschossen werden. Dabei gehe es um den Schutz der Wildtiere. In der Setz- und Brutzeit stellten Katzen Bodenbrütern wie zum Beispiel Enten, Kaninchen oder Hasen nach. Grundsätzlich gelte außerdem, dass eine Jagd ordnungsgemäß durchgeführt werden müsse. Verletzte Tiere würden von extra dafür ausgebildeten Jagdhunden gestellt. Denn ein Tier dürfe nicht leiden.