Neufelderkoog

Lachseeschwalben in Gefahr

Die letzte Kolonie der Lachseeschwalben in Mitteleuropa befindet sich in den Salzwiesen vor dem Neufelderkoog: Nun ist sie in Gefahr. Grund ist Vandalismus.

Zu dieser Einschätzung kommt der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN): „In den vergangenen Wochen wurden in den Salzwiesen vor dem Neufelderkoog von Unbekannten fünf Betonrohrfallen mutwillig beschädigt und zerstört“, sagt LKN-Pressesprecher Dr. Hendrik Brunckhorst. Die Fallen sind Teil des Artenschutzprojekts für die Lachseeschwalbe und sollen die Brutkolonie vor Prädatoren wie Füchsen und Marderhunden schützen, die Gelege und Küken rauben.

Die Brutkolonie ist das letzte Vorkommen der Lachseeschwalbe in Mitteleuropa. Jährlich brüten dort bis zu 40 Paare. „Ihr Bruterfolg und damit das Fortbestehen der Art in Schleswig-Holstein werden seit 2010 durch umfangreiche Schutzmaßnahmen und mit viel Herzblut sichergestellt“, sagt Brunckhorst. Jedes Jahr konnten dadurch etwa 20 junge Lachseeschwalben großgezogen werden. Der Dithmarscher Landrat Stefan Mohrdieck (parteilos) und der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dr. Detlef Hansen, zeigten sich daher fassungslos und bestürzt über diese sinnlose Tat und verurteilen sie auf das Schärfste.

„Der Schaden ist groß“, sagt Nationalpark-Ranger Karl-Heinz Hildebrandt. Kaputt gemacht wurden fünf Lebendfallen. Jede von ihnen ist fünf Meter lang und besteht aus Betonrohren mit einem Innendurchmesser von 25 Zentimetern. Zwei Exemplare wurden laut Hildebrandt auf beiden Seiten mit Bauschaum ausgeschäumt, aus zwei weiteren Fallen wurde die Fangvorrichtung gestohlen, und eine wurde zertrümmert. „Das waren Insider“, sagt der Nationalpark-Ranger, ohne jedoch einen konkreten Verdacht zu äußern.

Das Projekt ist ein Musterbeispiel für die Kooperation verschiedener Akteure aus Naturschutz, Küstenschutz, Jagd und Landwirtschaft. Projektträger ist das Bündnis Naturschutz in Dithmarschen, das vor Ort durch die Nationalparkverwaltung und den Baubetrieb des LKN unterstützt wird und vom Umweltministerium sowie dem Kreis Dithmarschen Fördermittel erhält.

Da es sich bei den Fallen um Spezialanfertigungen handelt, ist ein Ersatz nicht von einem auf den anderen Tag zu bekommen. Das verringert den Schutz der bedrohten Vögel. Der Landesbetrieb und das Bündnis Naturschutz haben bei der Polizei Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt.