— Marne —

Marnerin in Straßburg: An eine Gefahr dachten sie nicht

von Redaktion Montag, 17. Dezember 2018 15:50 Uhr


Marne -

Der furchtbare Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg hinterlässt Spuren im Gedächtnis vieler Menschen. Die Marnerin Katja Harsdorf wurde beinahe zur Augenzeugin der schrecklichen Tat. 

Katja Harsdorf arbeitet als Produktionsleiterin bei den Nachrichten des Fernsehsenders Arte. Seit mehr als 27 Jahren ist sie in Straßburg zu Hause. Eine Stunde, bevor vor einer Woche die ersten Schüsse auf dem Weihnachtsmarkt fielen, befand sie sich gemeinsam mit ihrem Patenkind Gaspar Claus genau an Ort und Stelle. Die beiden bummelten seit dem späten Nachmittag durch die Straßburger Innenstadt. „Ich hatte an dem Dienstagnachmittag frei, und freute mich auf einen weihnachtlichen Bummel mit meinem 13 Jahre alten Patensohn“, sagt sie. „Die Stadt ist zurzeit wunderschön geschmückt.“ Über eine der sieben Brücken gelange man in die Innenstadt. 

„Dort kontrollieren Sicherheitsbeamte die Taschen der zahlreichen Besucher aus aller Welt“, schildert sie. Autos dürfen dort nicht entlang. „Ich zeigte also meinen Rucksack vor und bemerkte noch gegenüber Gaspar, dass die Kontrolle gar nicht so genau vollzogen wurde, in zwei meiner drei Rucksacktaschen guckte keiner hinein.“ Die Terrorgefahr scheine weniger ein Thema als der Aufstand der Gelbwesten, habe sie noch zu ihrem Patensohn gesagt. „In der Grand Rue, der Straße durch die der Täter später floh, begegneten uns dann Militärposten, schwer bewaffnet mit Maschinengewehren. An eine Gefahr haben wir in diesem Moment nicht gedacht.“

Stattdessen genossen die beiden ihren Ausflug. Sie essen einen Crêpe mit Schokolade an einer der beliebten Weihnachtsbuden. Danach kehren sie in einem Sushi-Restaurant ein. „Eigentlich wollte ich noch ein paar Geschäfte abklappern, aber letztendlich beschlossen wir doch nach Hause zu fahren, denn schließlich war am nächsten Tag ja auch Schule. Um 19.50 saßen wir gerade im Auto, als die ersten Schüsse fielen. Zum Glück haben wir sie nicht gehört.“

Erst zu Hause erfahren die beiden durch eine SMS von der schrecklichen Tat. Dort, wo sie noch kurz zuvor bummelten und ihre Crêpes genossen, ist nun alles evakuiert. Besucher suchen Schutz in umliegenden Cafés und Restaurants, teilweise stundenlang harrten sie im Dunkeln aus bevor die Polizei Entwarnung gab, beschreibt Harsdorf die Situation.  

Ihr Patenkind und sie können die Situation kaum fassen. „Uns wurde klar, dass wir sehr viel Glück gehabt hatten. Auch wir hätten Opfer sein können oder schlimme Dinge sehen können.“

Der Straßburger Weihnachtsmarkt, der 1570 zum ersten Mal ausgerichtet wurde, ist einer der ältesten und traditionsreichsten in Europa. Schon lange gilt er als potenzielles Ziel für Anschläge. 2000 verhinderten die Ermittler einen Sprengstoffanschlag einer algerischen Gruppe. Jährlich kommen etwa 2,2 Millionen Besucher in der Weihnachtszeit in die elsässische Metropole, dementsprechend umfangreich sind die Sicherheitsmaßnahmen. 

Inzwischen habe sich die Lage in der Stadt entspannt, die Verunsicherung der Menschen weiche langsam, so Katja Harsdorf. Über die Feiertage fährt Katja Harsdorf nach Marne, um mit ihrer dort lebenden Mutter und alten Freunden Weihnachten zu feiern. Darauf freut sie sich sehr.





Weitere Artikel

Leserkommentare