Brunsbüttel

Mehr als nur der Postleitzahlentyp

Der Hype um den bayrischen Musiker Weiherer und sein Postleitzahlenvideo über Brunsbüttel hat nachgelassen. Zu seinem jüngsten Auftritt in der Schleusenstadt kamen nur etwa 50 Besucher. Schade für alle, die nicht im kleinen Saal des Elbeforums dabei waren. Denn der Liedermacher ist mehr als nur der „Typ mit der Postleitzahl“. 

Natürlich spielt die an diesem Abend auch eine Rolle, aber eben nur eine kleine. Im Publikum sitzen einige Fans mit entsprechenden T-Shirts, und natürlich schaut Weiherer auch auf die Zeit vor zwei Jahren zurück, in der er die 25541 im ganzen Land berühmt machte. Als damals die erste Einladung zu einem Konzert in der Schleusenstadt kam, habe er gedacht: „Hoppla! Das ist eine Falle!“, erinnert er sich unter dem Gelächter des Publikums. Doch statt Eisentüren und ewiger Gefangenschaft als Rache dafür, dass er Brunsbüttels Postleitzahl ein wenig durch den Kakao zog, erwarteten ihn freundliche und fröhliche Menschen.

Kein Wunder, dass er unter diesen Umständen immer wieder gerne in den hohen Norden zurückkommt. Auch wenn es dieses Mal eben weniger Zuschauer sind. „Es ist super, auch wenn es nicht die große Masse ist.“ Und der Vorteil liegt auf der Hand: Der persönliche Austausch mit dem Publikum ist so auf jeden Fall einfacher. Etwa, wenn es darum geht, wer den 39-Jährigen überhaupt versteht, wenn er in bayerischem Dialekt singt. Es gibt kleine Lektionen in Bayerisch und seinen verschiedenen Ausprägungen für das Publikum und Plattdeutsch für den Künstler. Etwa bei seinem neuen  Lied „Meng meng meng“. Hört sich erst einmal chinesisch an, gibt der Weiherer zu, sei aber eigentlich sein Heimatdialekt und bedeute „mögen“. 

Doch einander zu Verstehen habe nichts mit einer gemeinsamen Sprache oder einem Dialekt zu tun, ist der Weiherer überzeugt. Und das dürfte dann auch der Grund sein, warum Ex-Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und er nicht gut miteinander können. Dem CSU-Politiker hatte der bayrische Künstler vor Jahren ein Lied gewidmet. Das kam auch bei einem seiner früheren Brunsbüttel-Besuche zu Gehör. Inzwischen habe die Bundesregierung einen noch größeren Depp für das Amt gefunden, seines Wissens nach durch ein Casting, führte er unter Gelächter und Johlen des Publikums aus. Für Andreas Scheuer habe er aber noch kein Lied geschrieben: „Ich bin der Überzeugung, das lohnt sich nicht.“ 

Weiherer nimmt es mit der Gesellschaftskritik ernst, etwa mit dem Lied „Scheiße schrein“, „Ist das noch meine Heimat?“ oder „Euer System“. Dem bleibt er mit Liedern aus seinem neuen Album treu. Ein Beispiel: Heimatlied, in dem er über verdreckte Seen, Autobahnen durch Naherholungsgebiete und die aufmerksamen Nachbarn singt, die zwar wegsehen, wenn ein Vater sein Kind schlägt, aber sofort mit erhobenem Zeigefinger zur Stelle sind, wenn der Rasen mal nicht ordentlich gemäht ist. 

Weiherer kommt nicht nur mit seiner Musik beim Brunsbütteler Publikum an, sondern auch mit seinen Geschichten zwischendrin. Zwei Zugaben gibt es und ein Versprechen: Er würde gerne wiederkommen. Und vielleicht klappt es dann ja mit mehr Zuschauern.