Heide

Nach Angriff auf Polizisten: Junger Heider verurteilt

Gleich zweimal war ein junger Mann aus Heide mit Polizisten aneinander geraten. Auch ein Familienmitglied soll er angegriffen haben. Die Verhandlung war eine entsprechend zeitaufwendige Angelegenheit. 

Der junge Heider war bei zwei Gelegenheiten heftig mit Vollstreckungsbeamten zusammengestoßen und hatte auch ein Familienmitglied tätlich angegriffen. Am zweiten Verhandlungstag hört das Gericht die Polizeibeamten als Zeugen, die bei letzterem Vorfall gerufen worden waren. Außerdem gibt die psychiatrische Gutachterin eine Stellungnahme ab. 

Zunächst sagen die Beamten aus, die in Oktober 2016 zu dem Vorfall in der Wohnung der Familie gerufen wurden und wenige Stunden später erneut mit den Beteiligten in Kontakt kamen, als ein zweiter Angriff im Pkw der Mutter auf ihren Lebensgefährten erfolgte. Auffällig ist, dass im Gerichtssaal sowohl die Vollstreckungsbeamten als auch der Vernehmungsbeamte dem Angeklagten großes Wohlwollen und Respekt zeigen. Es wird klar, dass der junge Mann sich zur Tatzeit offensichtlich in einer emotionalen Ausnahmesituation befand.

Die anschließende Verlesung des Psychiatrischen Gutachtens und dessen Erläuterung erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aus den Plädoyers und der Urteilsbegründung geht hervor, dass der junge Mann seine Handlungen in den betreffenden Situationen nicht mehr voll steuern konnte. Eine komplexe psychische Erkrankung sei hier als Ursache anzusehen. 

Abgesehen davon sind dem Angeklagten eine vorsätzliche und damit schwere Körperverletzung gegenüber dem Lebensgefährten der Mutter nicht nachzuweisen. Die Anklage wird deshalb auf einfache Körperverletzung abgemildert. „Ein Angriff auf Polizeibeamte ist gemäß der Gesetzeslage jedoch immer als Körperverletzung zu werten“, führt die Staatsanwältin aus. Sie fordert letztlich eine milde Geldstrafe. 

Der Verteidiger folgt der Anklage weitgehend, führt jedoch eine frühere Diagnose mit autistischem Krankheitsbild an. Er argumentiert, dass insbesondere der Lebensgefährte der Mutter keine Verurteilung wünsche und der Angeklagte wegen seiner Vorerkrankung die Handlungen der Polizeibeamten missdeutet haben könne. Das Gericht verurteilt den jungen Mann schließlich zu 70 Tagessätzen à zehn Euro, zahlbar in 20-Euro-Monatsraten. „Sie sind zum ersten Mal auffällig geworden, zeigen sich reuig und haben die Taten zugegeben“, führt Richterin Claudia Petersen aus. Auch das Wohlwollen der Polizeibeamten und des familiären Umfeldes habe zu dem milden Urteil beigetragen. Sie ermutigt den jungen Mann, verantwortungsvoll mit seinen Problemen umzugehen.