— Brunsbüttel —

Nach Öl-Unfall bei Covestro: Pumpe beschlagnahmt,  Anzeige gegen Mitarbeiter

von Michaela Reh Mittwoch, 12. Dezember 2018 18:51 Uhr


Brunsbüttel -

Ein stechender Geruch wabert durch den Ostermoorweg, der einem fast den Atem raubt. Hier ist am Dienstagabend an einer Schiffsentladebrücke eine große Menge Heizöl ins Erdreich gesickert und über die Böschung in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) geflossen. Wie viel, steht noch nicht endgültig fest. Der Kraftstoff stammt aus zwei Tanks der Covestro AG (ehemals Bayer Material Science). Der NOK musste für gut zwei Stunden voll gesperrt werden. Verletzt wurde niemand. Gegen einen Covestro-Mitarbeiter ist Anzeige erstattet worden. 

Nachdem die Feuerwehr mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften bis tief in die Nacht dafür sorgte, dass sich das Heizöl nicht weiter ausbreitet, haben am Mittwoch in aller Frühe die aufwendigen Aufräum- und Reinigungsarbeiten begonnen. Sie sollen am Donnerstag fortgesetzt werden. „Wir haben das vollgesogene Ölbindemittel, das die Feuerwehr ausgestreut hatte, aufgenommen und das Sicherheitsbecken vor den Tanks gereinigt, das voll Heizöl stand“, sagt Covestro-Sprecher Günter Jacobsen. Er war während des nächtlichen Einsatzes vor Ort und auch am Mittwochvormittag wieder an der Unfallstelle. Ein Bagger ist bereits im Einsatz, um den verseuchten Boden abzutragen. „Zwischendurch werden immer wieder Proben gezogen – bis irgendwann keine Belastung des Bodens mehr festgestellt werden kann“, so Jacobsen. 

Die Ölsperren, die die Einsatzkräfte ausgelegt hatten, schwimmen noch auf dem Wasser. Mit einem Vlies sind Mitarbeiter einer Spezialfirma damit beschäftigt, das Öl von der Wasseroberfläche aufzunehmen. Nach Gebrauch landet das Vlies in einem separaten Behälter, damit es fachgerecht entsorgt werden kann. Teilweise wird das verschmutze Wasser auch abgesaugt. „Der Böschungsbereich soll außerdem mittels Hochdruckreiniger vom Heizöl befreit werden“, teilt Kreisspressesprecher Björn Jörgensen mit. Ein Mitarbeiter des Fachdienstes Wasser, Boden und Abfall des Kreises Dithmarschen überwache das Prozedere. Das Umweltamt des Kreises Dithmarschen und der Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN) sind von Anfang an in die Bekämpfung der Umweltverschmutzung eingebunden. 

Das Heizöl ist Polizeiangaben zufolge durch eine sogenannte Industriereinigungspumpe ausgetreten. Die Anlage sollte das Heizöl durch ein verschmutztes Rohrsystem pumpen, um dieses zu reinigen. „Das ist so üblich, dass Leitungen, die durch schweres Heizöl verschmutzt sind, mit leichtem Heizöl durchgespült werden“, sagt Günter Jacobsen. Zur Unglücksursache gibt es bislang keine Erkenntnisse. Die Pumpenanlage wurde beschlagnahmt. Offenbar hatte ein Lkw-Fahrer am Dienstag gegen 22 Uhr bemerkt, dass Öl auf der Fahrbahn des Ostermoorweges stand und sofort die Covestro-Zentrale alarmiert. Kurze Zeit später waren bereits die Feuerwehr Brunsbüttel und die Industrieparkfeuerwehr an der Unglücksstelle. „Weil es sich um eine größere Umweltschmutzung handelte, haben wir zusätzlich die Ölwehr aus Glückstadt angefordert“, berichtet Ole Kröger, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Dithmarschen. Mithilfe von Booten legten die Einsatzkräfte Ölschlängel auf dem Wasser aus. An Land wurde ein Ölbindemittel auf die verschmutzen Bereiche verteilt. 

Günter Jacobsen geht aufgrund eigener Berechnungen davon aus, dass weniger als 1000 Liter Öl ausgelaufen sind, die Polizei schreibt in ihrer Pressemitteilung dagegen von 5000 bis 6000 Litern. Gegen den zuständigen Betriebsleiter von Covestro, der die Pumpanlage für betriebsbereit erklärt hat,  wird Polizeiangaben zufolge wegen des Verdachts einer Gewässer- und Bodenverunreinigung ermittelt. Ob der Kreis außerdem ein Ordnungswidrigkeitenverfahren einleitet, hänge vom strafrechtlichen Ausgang ab, so der Kreispressesprecher. 

Die Sperrung des Kanals verursachte für den Schiffsverkehr Wartezeiten von bis zu zwei Stunden. „Im Kanal haben in der Ausweiche Kudensee am Dienstagabend vier Schiffe auf die Ausschleusung Richtung Elbe gewartet, weitere acht Schiffe lagen in den Schleusen und auf den Wartereeden. Sie wollten in den Kanal einfahren“, sagt Matthias Probst, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I. 

Wie hoch der entstandene Schaden ist, konnte am Mittwoch nicht eingeschätzt werden. Auch stehe laut Jacobsen noch nicht fest, wer zur Verantwortung gezogen wird und die Kosten tragen muss.  





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