— St. Michaelisdonn —

Pendlerinitiative über die Deutsche Bahn und das Land verärgert

von Jörg Lotze Freitag, 14. September 2018 17:05 Uhr


St. Michaelisdonn -

Verspätete oder komplett ausgefallene Züge, keine rechtzeitigen Informationen darüber sowie defekte und verdreckte Waggons: Die Pendler der Marschbahn sind mittlerweile mehr als genervt. Und das gilt längst nicht nur für die Bahnfahrer zwischen dem Festland und der Insel Sylt.

„Wir müssen lauter protestieren“

„Auch wir von der Westküste sind extrem von dem Theater betroffen, das täglich auf der Strecke Hamburg-Westerland abgeht. Wir haben bisher nur nicht so viel Lärm gemacht“, sagt Joachim Rohde. Der Sprecher der Pendlerinitiative Dithmarschen-Süd und seine Mitstreiter aus St. Michaelisdonn, Burg, Meldorf und Wilster haben sich jetzt aber von den zurückhaltenden Tönen verabschiedet. „Wir müssen lauter protestieren und damit noch mehr an die Öffentlichkeit gehen. Ansonsten wird aus der Marschbahn schneller als wir gucken können eine eingleisige Bimmelbahn, die fährt, wann sie will“, sagt Rohde. 

Letzteres sei schon jetzt bei der DB Regio der Fall, wie Eick Ziebell in monatelanger Kleinarbeit aufgelistet hat. Der Meldorfer ist Berufspendler und kann ein trauriges Lied davon singen, wie viele Züge zwischen Hamburg und Westerland in den zurückliegenden Monaten zumindest stark verspätet waren, wenn nicht komplett ausfielen. Allein im September habe es bis gestern 7517 Minuten Verspätungen gegeben. Im August hätten die Ausfall- und Verspätungszeiten 125 Stunden und 28 Minute betragen.

„Wir können uns beim besten Willen des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass unsere Region bahntechnisch abgekoppelt werden soll“, sagt Rohde. Dabei erwarte man nun wirklich kein W-Lan in den Zügen oder gar eine Elektrifizierung der Strecke“, sagt Jürgen Ruge. Zumindest aber, dass die Bahn ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich Menschen von A nach B zu bringen, vernünftig nachkomme. „Nicht einmal das bekommt sie im Moment so wirklich hin“, sagt der Wilsteraner. Konkret wünschen sich die Bahnfahrer saubere und intakte Züge, wie Rohde ergänzt: „Was hier bei uns auf der Marschbahn rollt, sind wahre Dreckschleudern, die auch noch mit technischen Pannen behaftet sind.“ In einigen Fällen seien WCs in den Zügen schon seit Monaten defekt, immer wieder fielen Exemplare der erst 2015 neu beschafften Triebwagen sowie Lokomotiven der Baureihe 245 aus.   

Regelmäßig müssen ganze Zugfahrten gestrichen werden, weil nicht genügend Lokführer zur Verfügung stünden. Es räche sich die seit Jahrzehnten vertretene rigide Sparpolitik des einstigen Staatsunternehmens,  Was sich auch bei der betagten Streckentechnik bemerkbar mache. Es vergehe kaum ein Tag ohne Signal- oder Weichenstörungen. 

Auf Ausfälle reagieren

Für Pendler, so sieht es auch die St. Michaelisdonnerin Maike Henschel, sei es mittlerweile unerträglich, an keinem Tag zu wissen, wie und wann genau sie zur Arbeit oder wieder nach Hause kommen: „Auf der Marschbahn herrscht ein Stundentakt. Fällt ein Zug aus, sind Wartezeiten von bis zu zwei Stunden die Folge. In den Abendstunden oder an den Wochenenden gibt es an den Bahnhöfen dann nicht mal mehr einen Kaffee, weil die Kioske geschlossen haben.“

Die Pendlerinitiative fordert, „dass die Nah.sh und der Verkehrsminister mit uns sprechen und sich flexibel im Umgang mit den Problemen zeigen“, bringt es Ruge auf den Punkt. Man müsse in der Lage sein, auf die Ausfälle zu reagieren und das Grundgerüst des Fahrplanes zu ändern. Dass das Amt Burg-St. Michaelisdonn als Antwort auf seine Resolution vom Verkehrsministerium aus Kiel lediglich ein „Wischi-Waschi-Schreiben“ erhalten habe, aus dem keinerlei Lösungsbereitschaft herauszulesen sei, mache die Sache nicht gerade besser, sagt Rohde: „Im Gegenteil. Wir fühlen uns nun noch mehr auf das Abstellgleis geschoben.“





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