Heide

Facebook-Post von AfD-Mann Reschke sorgt für Empörung

Nach dem höhnischen Facebook-Post der AfD Dithmarschen zum gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zeigen sich Politiker aus Kreis und Land schockiert – und fordern Konsequenzen. Auch aus der eigenen Partei hagelt es scharfe Kritik.

Der Regierungspräsident Lübcke war in der Nacht zum Sonntag auf der Terrasse seines Hauses in dem hessischen Dorf Wolfhagen-Istha mit einem Schuss getötet worden. Der in seiner Heimat beliebte und als offen geltende CDU-Politiker hatte sich in der Flüchtlingskrise gerade in der rechten Szene unbeliebt gemacht, weil er sich für die Aufnahme von Flüchtlingen engagierte. Seinerzeit hat Lübke folgenden Satz gesagt, mit dem er sich zahlreiche Morddrohungen einhandelte und den ihm die Rechtspopulisten bis heute vorhalten: „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“ 

Nach dem Bekanntwerden der Bluttat an Lübcke wird nach Recherchen des Onlineportals „Volksverpetzer“ in der rechten Szene in zahlreichen schadenfrohen und abfälligen Kommentaren auf den Satz abgehoben. Die AfD Dithmarschen gesellte sich auf ihrer offiziellen Facebook-Seite dazu. Kreisvorsitzender Mario Reschke, der für die Rechtspopulisten im Kreistag sitzt, postete über einem Foto des getöteten Politikers höhnisch: „Mord???? Er wollte nicht mit dem Fallschirm springen ….“. Das ist auch eine Anspielung auf den vermeintlichen Suizid von Jürgen Möllemann (FDP), der an diesem Mittwoch (5. Juni) vor genau 16 Jahren bei einem Fallschirmsprung ums Leben kam.

Reschke von „Hype um Halbsatz“ überrascht

Inzwischen ist der Post entfernt – und Reschke zeigt sich gegenüber unserer Zeitung von dem „Hype um einen Halbsatz“ überrascht. Er habe darin lediglich Überlegungen zu ominösen Todesfällen von anderen Politikern angestellt. „Das sollte weder Häme noch Spott noch irgendwelche Hetze sein“, sagt der AfD-Politiker, der von Lübckes obigem Satz nie gehört haben will. „Ich wusste nicht, dass er sich derart positioniert hatte. Sonst hätte ich mich jetzt auch nicht in dieser Art geäußert“, so Reschke. Ein Stück weit könne er nachvollziehen, dass sein Facebookbeitrag für Empörung sorge. „In diesem Zusammenhang wird daraus eine Aussage, über die man sich aufregen kann. Da wird dann aber auch viel miss- und hineininterpretiert.“ 

Das sehen Kreis- und auch Landespolitiker komplett anders. Den meisten bleibt vor Empörung die Spucke weg. Dithmarschens Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs (CDU) zeigt sich angesichts des Posts bestürzt. „Das ist eines Kreistagsabgeordneten absolut unwürdig.“ Jörg Hollmann, CDU-Fraktionschef im Kreistag, sagte, er sei „schockiert“ und fordert Konsequenzen. Das müsse im Hauptausschuss zur Sprache kommen. Genau dafür wäre ein Ältestenrat, den sich die CDU wünscht, genau das richtige Gremium, um die Angelegenheit zu besprechen. FDP-Fraktionsvorsitzende Veronika Kolb findet die ganze Sache „einfach ekelhaft“. 

Halusa: „Nicht alle Tassen im Schrank“

Grünen-Fraktionschefin Kerstin Hansen wünscht sich nun „einen gemeinsamen Auftritt aller anderen Fraktionen gegenüber der AfD“, während die Linken sich bestätigt sehen: „Es zeigt, wes Geistes Kind die AfD ist“, sagt Lars Thiele-Kensbock. Er hatte auch über Facebook direkt auf Reschkes Post geantwortet. Und UWD-Fraktionschef Michael Potthast meint nur: „Es sollten sich die AfD-Mitglieder in Dithmarschen mal Gedanken machen, wer sie überhaupt anführt und wie sie damit umgehen wollen.“ SPD-Fraktionschef Jörg-Uwe Halusa meint nur, dass er Beiträge der AfD auf Facebook generell nicht verfolge. „Außerdem weiß doch jeder, dass Herr Reschke nicht alle Tassen im Schrank hat.“ 

Auch die Grünen-Landtagsfraktion in Kiel verurteilt am Dienstag die „geschmacklose und menschenverachtende Zustimmung aus der rechten Szene im Internet“ zum Tod des hessischen Regierungspräsidenten. An dieser „Schäbigkeit“ habe sich auch der AfD-Kreisverband Dithmarschen beteiligt, so Lasse Petersdotter, Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus. „Anstatt sich für ein friedfertiges, demokratisches Miteinander einzusetzen, zeigt die AfD wieder, dass sie Teil des menschenverachtenden Kanons der rechten Szene ist“, so Petersdotter. 

Scharfe Kritik auch von der AfD-Landtagsfraktion

Selbst die AfD-Landtagsfraktion geht auf Distanz zu Reschke. Zum wiederholten Mal falle die Facebook-Seite des Kreisverbandes „mit einem problematischen Beitrag“ auf, sagt Fraktionsvorsitzender Jörg Nobis. Zu Recht gebe es in der AfD bundesweit scharfe Kritik an dem Beitrag. „Äußerungen wie diese stehen unseren Wertvorstellungen diametral entgegen.“ Und Nobis fordert Mario Reschke auf, „umgehend persönliche Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten“ zu ziehen. 

Dieser tut das zumindest auf der Facebook-Seite. Dort bedauert er in einem Beitrag seinen „Halbsatz“ – der sei „auf keinen Fall ehrverletzend gemeint“, schreibt Reschke. Zusammenhänge mit rechtsradikalen Aussagen könne er nicht erkennen.

KOMMENTAR

Denn er weiß, was er tut Wer einen solchen Facebook-Beitrag absetzt wie Mario Reschke, kann gar nicht so blöd sein, um nicht zu wissen, was er da tut. Warum sollte er einen Post über einen Politiker machen, den er gar nicht kennt? Und dann noch mit der fiesen Anspielung auf Jürgen Möllemanns tödlichen Fallschirmsprung. Man darf unterstellen, dass Reschke in der rechtspopulistischen Szene vernetzt ist, in der Lübcke seit Jahren ein Feindbild war. Weil dieser für demokratische Werte stand, auf die die AfD höhnisch pfeift.