Heide

Premiere unter der Regenbogenfahne: Erster CSD in Heide

Vor 50 Jahren begann in einer Bar an der New Yorker Christopher Street der Protest von Homosexuellen gegen Polizeigewalt.  Am kommenden Sonnabend wird erstmals der Christopher Street-Day in Heide begangen.

„Es ist, als habe die Community darauf gewartet“, sagt Daniel Erik Holm. Mit Community meint der Wesselner die Mitglieder der LSBTIQ-Gemeinde an der Westküste. Das Kürzel steht für Lesbisch, Schwul, Bi, Trans, Inter sowie Queer und bezeichnet nicht-heterosexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Holm ist der Vorsitzende des Vereins CSD-Heide, der extra gegründet wurde, um den Christopher-Street-Day – kurz CSD – in der Dithmarscher Kreisstadt zu planen und umzusetzen.

Die Veranstaltung für Toleranz und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen beginnt am Sonnabend, 20. Juli, um 12 Uhr mit einem Straßenfest auf dem Südermarkt. „Dort stellen sich verschiedene LSBTIQ-Initiativen aus dem ganzen Land vor“, sagt Daniel Erik Holm. Um 12.30 Uhr startet ein Demonstrationszug vom Parkplatz Im Grund mit folgendem Verlauf: Hans-Böckler-Straße, Stadtbrücke, Bahnhofstraße, Markt, Marschstraße, Westerweide, Mühlenstraße, Meldorfer Straße, Sophie-Dethleffs-Straße, Feldstraße, Lüttenheid, Wulf-Isebrand-Platz, Bahnhofstraße, Markt (Ost- und Südseite) bis zum Südermarkt. Für die Teilnahme haben sich verschiedene Gruppen angemeldet, unter anderem aus Meldorf und Kiel. Ein Wagen mit Musik wird ebenfalls dabei sein.

Musikalisch geht es dann mit DJ und einem Bühnenprogramm auf dem Südermarkt weiter. Dort spielen die Gruppen Pay Pandora, Rules of this Game und Norwood aus den USA. Im Anschluss an das Freiluft-Programm klingt der laut Holm „erste CSD-Tag der Westküste“ mit einer After-Show-Party in der Reizbar im Schuhmacherort aus.

Im deutschsprachigen Raum hat sich der Begriff Christopher-Street-Day für den Gedenk- und Demonstrationstag gegen LSBTIQ-Diskriminierung und -Ausgrenzung durchgesetzt. In anderen Ländern wird meist von Gay-Pride gesprochen. Dieser Begriff soll den stolzen Umgang mit der eigenen Sexualität beschreiben. Erinnert wird an den 28. Juni 1969, als in den frühen Morgenstunden der Stonewall-Aufstand begann. Im Stonewall-Inn, einer Kneipe mit meist homosexuellem Publikum an der Christopher Street, erfolgte vor einem halben Jahrhundert eine gewalttätige Razzia. Die Gäste setzen sich zur Wehr, die Polizisten wurden vertrieben, und viele Menschen solidarisierten sich. Die mehrtägigen Proteste gelten als Markstein des Kampfes der Schwulen- und Lesbenbewegung für gesellschaftliche Anerkennung.

Seitdem hat sich zwar schon viele verändert, „aber noch ist eine Gleichstellung nicht erreicht“, sagt Daniel Erik Holm. In Deutschland gelte das beispielsweise beim Adoptionsrecht, bei dem Unterschiede zwischen hetero- und homosexuellen Paaren gemacht würden. Auch dagegen wird am Sonnabend unter der Regenbogenfahne, dem Symbol der Vielfalt von Lebensformen, demonstriert.