Süderhastedt

Boßler qualifizieren sich für die EM 2020

Es geht um die Qualifikation im Straßenboßeln für die Europameisterschaft im kommenden Jahr. Am Ende stehen die zehn Männer fest, die mit dabei dabei sind, wenn es im kommenden Jahr international wird. 

Konzentration ist angesagt, jeder Wurf muss sitzen.Die Bedingungen sind gut, der Boßelverband hat die Straße von Süderhastedt nach Großenrade für den Wettbewerb sperren lassen. „Die Straße ist breit genug“, sagt Reimer Dierks vom Landesverband Schleswig-Holstein. Früher habe man öfters am Deichverteidigungsweg geboßelt, das könne man aber der internationalen Konkurrenz nicht zumuten. Also werden breitere Straßen ausgesucht, dennoch hat es die Strecke mit ihrer leichten Biegung in sich.

Reimer Dierks hält die Fäden und Tabellen in der Hand.In Gruppen von je sechs Startern wird die kleine Eisenkugel vorangetrieben. Insgesamt zehn Würfe hat jeder, jeweils von der Höhe, auf der sie liegen bleibt, wird der nächste Wurf gestartet. Das erfordert neben der Wurfkraft eine große Zielgenauigkeit, damit die Kugel möglichst lange auf dem Asphalt rollt und nicht in die Bankette abdriftet. Weiten von mehr als 200 Meter je Wurf sind möglich. Die 28 Unzen, etwa 800 Gramm, schwere Kugel hat dafür eine Anfangsgeschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern. Trotz der Spannung ist die Stimmung unter den Boßlern gelassen. Schiedsrichter achten darauf, dass die Werfer nicht übertreten. Wer die Startlinie bis zu zwei Meter überschreitet, muss beim nächsten Wurf zwei Meter zurück starten. Wenn ein Werfer mehr als zwei Meter über die Linie läuft, muss er den Wurf wiederholen. Es geht dabei darum, die Kugel mit möglichst großer Kraft auf eine möglichst ideale Linie zu bringen, damit sie lange lange über die Straße rollt und nicht frühzeitig in die Bankette abdriftet. Es ist bei jedem Wurf ärgerlich, wenn die Kugel nicht optimal läuft und zu früh vom Asphalt kommt und dadurch der Werfer unter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Aber mitunter gibt es auch Grund zum Jubeln, wenn die Boßel länger als gedacht in der Bahn bleibt und ein Wurf in die Premiumklasse einzuordnen ist. Bei der dritten Startergruppe etwa gelingt es Melf Rathjens aus Garding, eine Weite von 235 Metern beim Startwurf hinzulegen. Am Ende hat er eine Weite von 1791 Metern geschafft, das heißt jeder Wurf war durchschnittlich fast 180 Meter weit. Damit ist er Tagesbester und hat sich zugleich für die EM im kommenden Jahr qualifiziert.

Tagesbeste: Mirjam Schuhmacher von den Vereinigten Geestdörfern beim Startwurf. Foto: LaubeckDen zweiten Platz des Tages sicherte sich Marcus Schröder aus Wilster mit 1742 Metern, den dritten Platz machte Nils Rhode  mit 1705 Metern.

Nach diesem dritten Durchgang stehen nun auch die zehn Boßler fest, die bei der EM die Farben Schleswig-Holsteins vertreten: Knut Seiler aus Garding, Marcel Bruhn aus Wesselburen, Markus Schröder aus Wilster, Henning Beeck aus den Vereinigten Geestdörfern, Momme Neumann aus Wilster, Nils Pauls aus Kotzenbüll, Melf Rathjens aus Garding, Dennis Kraul von den Vereinigten Geestdörfern, Niko Carstens aus Wilster und Mirko Helliesen aus Eddelak. Für die Reserve wurden Florian Kroos aus Brokdorf und Thore Lesch aus Kotzenbüll nominiert.

Bei den Frauen konnten sich Mirjam Schuhmacher mit 1365 Metern, Hannah Otto mit 1320 Metern und Marthe Neumann mit 1241 Metern platzieren.