Heide

Runder Tisch zum Wohnungsbau geplant

Die Einwohnerzahl in Heide wächst und Mietwohnungen sind knapp. Aber die Baupreise für Investoren sind hoch, daher will die Stadt einen runden Tisch ins Leben rufen. Nach dem Motto: Die Gedanken sind frei. 

Das kündigte der Heider Rathauschef am Donnerstag nach einem Gedankenaustausch mit Andreas Breitner an. Der SPD-Politiker und frühere Innenminister im schleswig-holsteinischen Kabinett von Ministerpräsident Torsten Albig ist seit dreieinhalb Jahren Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), der als Interessensverband 168 Genossenschaften und 109 Wohnungsbauunternehmen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern vertritt. Auch das Wohnungsunternehmen Dithmarschen  gehört zum VNW. 

Vom Verband erhofft sich Heides Bürgermeister Denkanstöße, um in den kommenden Jahren für genügend Wohnraum in der Kreisstadt zu sorgen. „Was wir brauchen, sind Ideen“, sagte Schmidt-Gutzat. Die Kreisstadt habe zwar keine Wohnungsnot, aber Engpässe an verfügbarem Wohnraum. „Daher müssen wir planvoll vorgehen, sonst wird sich die Situation in den nächsten Jahren verschärfen.“ Zielgruppen seien vor allem Ein-Personen-Haushalte, junge Familien und ältere Menschen, die im Umland ihr Haus verkaufen und in die Kreisstadt ziehen wollen.

Auf einer ein Hektar großen Fläche östlich der Trasse Blauer Lappen, die zum Westküstenklinikum führt, hat die Stadt festgeschrieben: Mindestens 30 Prozent geförderter beziehungsweise bezahlbarer Wohnraum soll dort entstehen. Das Gebiet gehört der Stadt, liegt aber im Bereich der Gemeinde Lohe-Rickelshof. Die ziehe bei dem Vorhaben mit. 

Die „Matrix“ sei aber, so Schmidt-Gutzat, flexibel: Wenn bei einem Vorhaben am Ende 25 Prozent an bezahlbaren Wohnraum entsteht, sei die Stadt nicht dagegen. Hauptsache, es werde gebaut. Doch der Heider Bürgermeister gibt sich keinen Illusionen hin, dass dies schnell passiert. „Bis die erste Wohnung gebaut wird, werden wohl Jahre ins Land gehen.“ Was daran liegt, dass die Baupreise derzeit sehr hoch sind. Die seien in den vergangenen Jahren um 61 Prozent gestiegen, bestätigt Breitner. Er sagt auch warum: „Wir haben eine hohe Auftragszahl, aber nur wenig Unternehmen, die an Ausschreibungen mitmachen. Das führt zu hohen Preisen.“ Außerdem litten gerade Handwerksfirmen unter dem Fachkräftemangel. Daran wird sich in den nächsten Jahren aus Sicht von Holger Timm auch nicht viel ändern. 8,50 Euro Miete pro Quadratmeter werde wohl die Regel werden – auch in Dithmarschen, so der Vorstandsvorsitzende des Dithmarscher Wohnungsunternehmen. Im Vergleich: Zurzeit liegt die Miete in der Kreisstadt bei 5,80 Euro pro Quadratmeter.

Aus dem Grund will Heides Bürgermeister gedanklich den Gordischen Knoten zerschlagen – mit einem runden Tisch, an dem zahlreiche Akteure Platz nehmen und Ideen liefern können: von der Immobiliengesellschaft über Dithmarscher Wohnungsbaugenossenschaften bis hin zu den Banken. Ein erstes Treffen ist für Mai oder Juni geplant. Es gibt auch keine gedanklichen Vorgaben. „Wir müssen ergebnisoffen denken“, sagt Schmidt-Gutzat. Ein Anreiz für Bauvorhaben wäre ein kräftiger Nachlass der Stadt beim Grundstückspreis. Ausschließen will er zunächst einmal nichts. Die Gründung eines kommunalen Wohnungsunternehmens sieht der Bürgermeister jedoch skeptisch – schon der Haushaltslage wegen. Und Andreas Breitner hat dazu eine klare Meinung: „Das empfehle ich nicht, dafür sind genug faire Akteure auf dem Markt zu finden.“